Anker, w., I. (Bauw.) Anker, m., Schlauder, f., franz. grappin, m., chaine, f., tirant, m., mouffle, f., engl. anchor, ital. ancora etc. In den meisten Gebäuden wird es Stellen geben, wo die gewöhnlichen Verbandmittel nicht ausreichen, um ein Auseinanderweichen der einzelnen Theile zu verhindern. Schon seit der ältesten Zeit hat unter den künstlichen Zusammenhaltungsmitteln in diesen Fällen der A. eine Hauptrolle gespielt. Die verschiedenen Arten der Anker werden theils nach ihrer Dienstleistung, theils nach ihrer Gestalt oder Konstruktion benannt. A. Nach ihrer Funktion: 1. Zuganker. Derselbe wirkt wägerecht und dient dazu, eine abstrebende Masse an eine festere zu binden; z. B. wenn eine Frontmauer ausweichen will, so befestigt oder hängt man sie an eine Quermauer mittels eines Zugankers, der dann speziell Stichanker heißt, wenn er mittels einer Spitze eingeschlagen wird. Ist an der Stelle des drohenden Ausweichens keine Quermauer vorhanden, so muß man den Zuganker an einen Balken bringen; ist das Bestreben der Frontmauer zum Abfallen aber sehr stark, so würde sie vielleicht auch den Balken mit sich fortreißen, u. man hängt dann diesen wieder mittels eines andern Zugankers an die gegenüberstehende Frontmauer an. Sind die Balken so gelegt, daß man auch sie nicht gut dazu verwenden kann, so muß man den Anker direkt bis nach der gegenüberstehenden Frontmauer leiten: dasselbemuß man thun, wenn beide Frontmauern ausweichen wollen, oder wenn ein Gewölbe seine Widerlagsmauern aus einander zu drängen oder ein Satteldach auszuweichen droht; man nennt einen solchen langen Anker speziell Schlauder. 2. Sperranker oder Spreizanker dienen dazu, zwei gegen einander anstrebende Körper von einander fern zu halten, wirken also ebenfalls horizontal. 3. Craganker wirken vertikal; sie dienen dazu, einen Rörper vor dem Herabfallen oder Senken zu schützen, und heißen Hängeanker oder Hängeeisen, wenn sie von obenher die betreffende Last tragen, z. B.in einem Hängewerk den angehängten Balken etc., od. Stützanker, wenn sie von untenher die Last tragen, z. B.die Gesimsanker. 4. Bindeanker, die eine Schlotte, Esse etc. zusammenhalten, s. unter B. 16. Gebindanker. B. Der Gestalt und Konstruktion nach: 5. Der einfache Anker besteht in der Regel blos aus einer aufgenagelten Schiene, wenn er zwei aus einander strebende Holztheile, z. B.zwei stumpf an einander stoßende Balken, miteinander verbindet, od. auch aus eineran einem Ende an den Balken angenagelten Schiene, deren anderes umgebogenes Ende in die Mauer ein- oder durch dieselbe hindurchgreift und äußerlich an derselben anliegt. 6. Soll ein Stein, z. B. ein Gewände, eine Sockenplatte 2e., durch einen Anker an die Mauer angehängt werden, so erhält dieser an beiden Enden Umbiegungen, welche da, wo sie in den Stein hinein sollen, ungefähr 5 em. lang sind und Füße oder Pratzen genannt werden, daher dieser Anker Pratzenanker heißt. Das andere im Mauerwerk! LIOTHEK OELBERG O Universitatsbiblic stehende od. hinter der Mauer herabgehende u. an derselben anliegende, umgebogene Stück heißt der An ke rkopf. I. Hat ein Anker drei Gegenstände zuf ammenzuhalten, 3. B. zwei neben einander stehende Sockenplatten an die Mauer, so giebt man seiner Schiene eine XVförmige Gestalt, und er heißt dann Gabelanker. 8. Schlüsselanker, Schließenanker, Anker mit Schließe, Fig. 193, 194. Zu größerer Bequemlichkeit der Arbeiter sowol als auch um durch die Gestalt des Ankers weniger im alkuraten Vermauern desselben verhindert zu sein, läßt man in der Regel den Kopf nicht fest daran arbeiten, sondern die Schiene des Ankers, auch Ankerstangeod. Schließenstange, ab, am Kopfende mit einer Oese (österr. Schließenritze, frz. oeil) a versehen, durch welche ein Stück Schiene oder ein Eisenstab o gesteckt wird. Dieser heißt dann die Schließe, der Vorstecker, der Schlüssel, Splint, die Feder oder der Arm des Ankers, in Oesterreich Durchschub, frz. clavette oder anerure, engl. splint, peg, fore-lock, wird durch eine angeschmiedete Nase vor dem Herabgleiten gesichert od. auch nach Fig. 194 nach dem Einsenken mittels eines Keiles angetrieben und bietet den Vortheil, daß man durch ihn die Wirkung des Ankers auf eine größere Fläche der Mauer vertheilen kann; diese Vertheilung ist von großer Wichtigkeit, weil ohne dieselbe der A. leicht ein Stück aus der Mauer herausreißen kann, mindestens aber in seiner Funktion bedeutend geschwächt bleibt; meist stellt man den Schlüssel od. Splint lothrecht oder schief, weil er, wägerecht gestellt, in der Fuge liegen und durch dieselbe leicht hindurchrutschen würde. Am andern Ende b der Stange od. auch noch in der Mitte bringt man Kröpfe an, vor welche Krampen eingeschlagen werden. Um auch etwaige lothrechte Fugen zu vermeiden, macht man die Schließe häufig S-, I-oder Vförmig, oder gestaltet sie als Kreuzschließe. Diese besteht in zwei kreuzweise gelegten Schienen mit einem Loch; die Ankerschiene geht durch dieses Loch, hat an ihrem Ende Schraubengänge und wird mit einer Mutter verschraubt, wenn man nicht vielleicht die Ankerschiene von außen hindurchstecken kann, wo sie dann statt der Schraube u. Mutter nur einen Kopf erhält. Im Mittelalter hat man diese Schließe vielfach, theils um ihre Wirkung mehr zu verbreiten, theils weil „Fig. 195. lassen und verputzt; dies ist aber aus Verzierter Anker. vjelen Gründen zu verwerfen. Erstens wird die Mauer dadurch direkt verschwächt, um so viel als die Einlassung beträgt; zweitens wird sie gewöhnlich noch mehr verschwächt, als eigentl. nöthig gewesen wäre, denn die Maurer machen nicht nur die zum Einlassen des jothek Heidelberg DFC Ankers bestimmte Vertiefung größer als vorgeschrieben, damit er „gut hineingehe“, sondern die dahinterliegenden Steine verlieren dadurch, daß die Kerbe für den Splint in sie eingehauen wird, viel von ihrer Festigkeit, bes. die Backsteine, deren Festigkeit durch jede Verletzung ihrer Integrität bedeutend vermindert wird. Erlaubt der Stil des Gebäudes eine Verzierung der Ankerschließe in Form einer Rankenverschlingung etc. durchaus nicht, so wende man lieber statt der schienenförmigen Schließe eine Schließplatte (Fig. 196 u. 197) an, durch welche die Schiene gestellt und verschraubt wird; man kann dieser Scheibe auch die Gestalt einer Rosette etc. geben, s. Fig. 198. Fig. 196. Fig. 197. 9. Bügelanker. Bei Zugankern selten, bei Tragankern aber sehr häufig wird der Fall eintreten, daß der festzuhaltende Körper nicht sehr stark ist; dann wird man den Anker nicht gern durch ihn hindurchgehen lassen, um keine Schwächung herbeizuführen, sondern den zu tragenden Körper mittels des Ankers umfassen, der dadurch ein Bügelanker wird. Auch wenn ein Körper mit seinen Enden schief oder rechtwinklig auf einen andern langen und schmalen, also quervor liegenden trifft und mit demselben verbunden werden soll, z. B. ein Stichbalken, der durch den Sparren fortgeschoben wird, mit einem Langbalken od. dgl., ist ein Bügelanker am Ort; derselbe umfaßt das Querholz und liegt oben und unten am Langholz des anstoßenden Stückes auf, wo er dann aufgenagelt oder eingeschraubt wird, oder auch mittels Dornen an den beiden Enden der Schiene eingreift, deren Herausgehen durch ein umliegendes Zugband verhindert wird, oder auch einen Kropf, d. h. eine Umbiegung abwärts vom umspannten Körper hat, vor welchem eine Krampe (frz. eramponnet) oder Klammer eingeschlagen wird. Aus dieser Befestigungsweise schon erhellt, daß die Bügelanker schwerer auf Stein anwendbar sind als auf Holzverbindungen. 10. Die hängeanker od. Hängeeisen (Fig. 199,200 u. 201) sind in der Regel Bügelanker und heißen von dieser ihrer Gestalt wohl auch Gabeleisen. An der Hängesäule werden sie entweder auf eine der hier dargestellten Arten ber 1005 festigt, oder sie dig. 199. Fig. 200. Fig. 201. Balken, der sich ein nachträglich angebrachtes Hängewerk wieder gehoben werden soll. Bei den anderen Befestigungsarten der Schienen an der Hängesäule läßt sich dies auch erreichen, wenn nach Fig. 199 u. 200 die Schienen in Schrauben endigen, an welche eine Schiene mit zwei Löchern (Tragschiene) angesteckt und durch Muttern befestigt wird, durch deren Anziehen man die Tragschiene und mit dieser den zu tragenden Körper in die Höhe bringt. Das übermäßige Heben, das sogenannte Überheben, kann man durch Einlegen von Keilen unter die Fußsohle der Hängesäule verhindern, die man nach genügendem Anziehen der unteren Schrauben wieder herausschlägt; zwar glauben Wolfram u. A., daß das Steckenlassen dieser Keile und das dadurch herbeigeführte stetige Aufstehen der Hängesäule auf dem getragenen Balken das Tragmoment bedeutend befördert; die Gegengründe s. unter Hängewerk. 11. Diejenigen hängeeisen, die nicht unter die Bügelanker zu rechnen sind, liegen in einer Ausschérung zwischen zwei Hängesäulen und hängen daselbst auf den durch beide Säulen und ein Loch im Eisen gesteckten Keilen; unten gehen sie durch den getragenen Balken u. sind verschraubt. Durch die Mutter sowohl als durch die Keile kann das Getragene gehoben werden. 12. Balkenanker. Wie schon erwähnt, werden häufig die Balken gewissermäßen als Theile der Zuganker benutzt; da man in neuerer Zeit, wo das Terrain sehr theuer ist, die Mauern in der Regel innerlich absetzen (s. d.) läßt, so kommt der Schwerpunkt jedes Geschosses weiter hinaus zu liegen als der des darunter befindlichen, und die Umfassungsmauern bekommen dadurch das Bestreben, sich hinauszusenken. Dadurch wirdes nöthig, in allen Balkenlagen wenigstens die Binderbalken als Anker zu benutzen; zu diesem Behuf werden die Balkenenden mit eisernen Zugankern, meist Schlüsselankern, armirt, die dann Balkenanker heißen. Deren giebt es verschiedene Arten: a) Schéranker oder Schlitzanker; besteht in einer Schiene, die in einen lothrechten Schlitz des Balkens eingeschoben und durch Nägel oder Schrauben darin befestigt wird; er schwächt das Holz etwas, giebt aber eine gleichmäßige Wirkung nach beiden Seiten. bp) Warzenanker; dieser wird auf der Oberseite des Balkens eingelassen, er hat rückwärts gekehrte keilartige Erhöhungen auf der Unterseite, welche sehr genau in das Holz eingelassen werden. Wird dann der A. aufgenagelt, so ist er gewissermäßen mit dem Holz verzahnt; das Einlassen erfordert aber viel Mühe. c) Einfacher Schlüsselanker mit Kropf, auch Seitenanker genannt, wird an der Seite der Balken angelegt, s. Fig. 193. Die Schiene desselben hat hinten einen Kropf mit vorgeschlagener Krampe. d) Gekröpfte Anker oder Oberanker; diese sind flach auf die Oberkante der Balken aufgenagelt; damit der Schlüssel lothrecht stehe, muß die Schiene vorn gekröpft (um einen Quadranten gedreht) werden. Da durch dieses Drehen die Festigkeit des Eisens leidet, so sind diese Anker eben so wenig zu empfehlen als e) die gabelförmigen Balkenanker, welche eine Art Bügelanker mit angeschweißtem Schlüsselkopf sind u. wegen des Schweißens nie viel Dauer haben. E) Die Stichanker gleichen ungefähr Nagelbohrern; sie haben festen Kopf od. Schlüssel u. werden in die Hirnseite des Balkens eingeschraubt; bei Eichenholz sind sie zu empfehlen, bei weichem Holz reißen sie aber leicht aus. 13. Die langen, zwei gegenüberstehende Mauern direkt miteinander verbindenden Schlaudern werden an ihren Enden nach einer der angegebenen Arten konstruirt; man fertigt sie entweder aus Schienen, die man dann aufs Hohe stellt, oder aus Rundeisen. Nun ist aber oft die Länge derselben so bedeutend, daß man sie nicht aus einem Stück machen kann, theils wegen der Schwerfälligkeit des Einbringens, theils wegen der Eigenschaft des Eisens, sich in der Wärme auszudehnen; denn wenn sich der Anker infolge dieser Eigenschaft verlängert, so erfüllt er seinen Zweck gar nicht mehr. Man macht sie also aus mehreren Stücken und richtet die Verbindung so ein, daß man eine Verkürzung herbeiführen kann; am einfachsten wird das erreicht, wenn das Ende des einen Theils gabelförmig um das Ende des andern liegt und beide Löcher haben, in denen Keile stecken, oder nach Fig. 203. Die in beiden Fällen durch das Antreiben der Keile herbeigeführte schädliche Erschütterung wird vermieden, wenn an die beiden Enden a und b Fig. 202 Schraubengänge nach entgegengesetzten Richtungen angearbeitet sind, die in einer doppelten, ziemlich langen Mutter (Muffel) stecken, durch deren Umdrehung sich die Schrauben einander nähern; die Mutter ist an den Seiten durchbrochen, damit man einen Hebel zum Umdrehen derselben einlegen, auch die Enden der Schrauben abfeilen kann, wenn sie zusammenzustoßen drohen. Solche Anker kann man auch benutzen, um aus einander gewichene Mauern schadhafter Gebäude wieder zusammenzuziehen; freilich müssen zu diesem Behuf die Verbindungsorte der einzelnen Ankertheile zugänglich sein. Wo dies nicht der Fall ist, kann man sie auch blos durch einen Ring an dem einen u. einen Haken an dem andern Theil an einander hängen oder mit einander vernieten; dann aber müssen die Köpfe aus angeschraubten Platten bestehen, so daß man die Anker durch Anziehen der Mutter verkürzen kann. Wolfram hat vorgeschlagen, bei beabsichtigter Zusammenziehung der Mauern die Anker durch Kohlenfeuer zu erwärmen, die dadurch locker gewordene Schraube anzuziehen und dem Erkalten des Eisens das Zusammenziehen der Mauern zu überlassen; nun ist es wohl wahr, daß dadurch viel Anstrengung erspart wird, indem man die Hauptarbeit der allerdings enormen Zusammenziehungskraft des erkaltenden Metalls überläßt; aber in den meisten Fällen müßte man diese Prozedur öfter wiederholen, wobei das Eisen durch die wiederholte Erwärmung leiden würde. 14. Schlaudern in eisernen Gespärren, die als Theile des ganzen eisernen Verbandes anzusehen sind, siehe unter den Art. Hängewerk und Eisendachung. OTHHEK LBERG O Universitatsbibliot 15. Dem Begriff nach gehören auch die Klammern, frz. rampons, zu den Ankern, sie sind eigentlich Pratzenanker mit zwei Pratzen. Bei den Steinklammern sind die Pratzen oder Füße mit Steinschrauben versehen, bei den Holzklammern zugespitzt; s. übrigens d. betr. Art. 16. Gebindeanker od. Winkelanker. Sehr wesentlich sind A. bei Oefen, Essen u. Apparaten, die durch Einwirkung von Wärme auf die im Mauerwerk enthaltene Feuchtigkeit leicht aus einander getrieben und dadurch unbrauchbar werden, also bes. im Hüttenbau. Früher benutzte man dazu die Schlüsselanker (s. oben 7 und Fig. 193/194), und sind dieselben auch noch da zu verwenden, wo Winkelanker nicht anzubringen sind. Nur wendet man als Federn (Schlüssel, Splint) alte Eisenbahnschienen oder Keisen an, die durch ihren Querschnitt eine außerordentliche Festigkeit gegen Wegbiegen darbieten. Die Winkelanker aber, Fig. 204, haben den großen Vortheil, daß sie z. B. an Dampfessen, kleinen Schmelzöfen u. s. f. außerhalb derselben anzubringen sind, daß das Mauerwerk nicht durch die kleinen Kanäle, in die ein Schlüsselanker einzulegen sein würde, geschwächt wird. Die an den Ecken hinauflaufenden Winkelschienen a b sind von Gußeisen oder-Walzeisen, 1—7 em. stark im Eisen und von 7—15 em. Schenkellänge; an diesen Schenkeln sind Laschen 6 mit Löchern angegossen oder angenietet, durch welche einfache Stangen deaus Rundeisen von 1—3 em. Stärkehindurchgesteckt werden, welche an einer Seite einen Kopf, an derandern eine Schraube mit Mutter haben u. also leicht in. die Laschen eingebracht u. angezogen werden können. 82.) 17. (Maschb.) Die Anker der Dampfkessel etc., engl. grappling-siron, werden je nach der Gestalt etc. der Dampfkessel verschieden konstruirt. Natürlich kann man außer den oben angeführten Arten. noch auf sehr manchfache Weise die A. und deren Theile konstruiren, u. muß der Baumeister den jedesmaligen Bedarf sehr genau erwägen und demselben die Verankerung. anzupassen wissen. Jedenfalls aber muß zu den Ankern zähes, festes Eisen verwendet, Schweißung möglichst vermieden werden. Sprödes, kaltbrüchiges Eisen eignet sich gar nicht. Man hat vielfach hölzerne etc. Anker auf analoge Weise konstruirt; s. unter III u. Art. Ankerbalken 2,