Bad, n., I. Badeanstalt, frz. bain, m., engl. bath, ital. bagno, span. bano. Bäder im allgemeinen sind einzutheilen in natürliche u. künstliche; dhader wiederum in Seebad, F lußbadu. Mineralbad; letztere in Wasserbad, Dampfbad 2c. Je nach Beschaffenheit des zu gewährenden Bades nun sind auch die baulichen Einrichtungen „einer Badeanstalt verschieden. tsbibliothek Heidelberg A. Natürliche Bäder. a. Seebä der, frz. bains de mer. Hier beschränken sich die Gebäude meist auf Zellen zum Entkleiden; an einer flachen Stelle des Strandes werden e entweder auf Pfählen oder Flößen kleine Zimmer, oft nur mit Bretwänden, erbaut; aus jedem führt ein kleines Treppchen ins Wasser. Erlauben die Umstände nicht, die Herren-1 bäder in genügender Entfernung von den Damenbädern e anzulegen, so hat jedes Bad hinter sich einen kleinen Raum, d um welchen herum in das Wasser hinein bis zum Grund Lattenwände gesetzt sind, die über dem Wasser in der Regel mit Segeltuch überzogen sind, damit der Badende nicht ge-e sehen werden kann. Die Zelle muß mindestens 2 m. Person enthalten; das Möblement besteht aus Toilettenrisch, Spiegel, Stuhl od. Bank, Kleiderhalter etc. und ist je nach dem Benutzungspreis mehr od. weniger einfach od elegant.! Man kann die Zellen auch auf Räder setzen, um sie nach dem Wasserstand weiter in das Wasser hinein oder an den 1 Strand hinaufzurücken. Bei den Zellen auf Flößen ist dies ebenfalls leicht zu bewerkstelligen; stehen sie auf Pfählen oder ist das Wasser sehr tief oder der Boden nicht mit rundem Kies, sondern mit scharfen Steinen oder mit Schlamm belegt, so giebt man den Wasserräumen hinter den einzelnen Zellen einen Bretfußboden, der an Stangen hängt, die durch Zähne, durch Seile mit Rollen od. durch Bolzen hoch und tief gestellt werden können. Das einzige vollständig überbaute Seebad befindet sich seit 1871 auf Helgoland; zunächst bestimmt, bei stürmischem Wetter zu dienen, wo die Uberfahrt nach der, Düne“ (an welcher die Bäder gelegen) nicht möglich war — wurde es bald von schwachen, die Seefahrt scheuenden Badegästen auch außer dieser Zeit benutzt. Das Wasser wird auf der Seeseite der Insel, weit ab vom Strand mittels eiserner Röhrenleitung durch eine Dampfmaschine eingesogen und ist immer klar, da unter der Aufnahmestelle sich Felsboden befindet. Das Bassin ist groß, mit Badezellen umgeben und gut ventilirt. Mit ihm sind „Wannenbäder“ verb. Flußbäder, frz. bains de rivière. Dieselben sind, wie die Seebäder, als Einzelbäder oder auch als Gesellschaftsbäder eingerichtet; bei letzteren pflegt man in der Regel die Geschlechter zu sondern, und sie theilen sich demnach in Männer⸗ u. Frauenbad, die aber im allgemeinen einander gleichen. Am Ufer auf einer Terrasse oder an einem bedeckten oder unbedeckten Gang hin liegen die Ankleide zellen, deren Schlüssel an möglichst sichtbaren Tafeln hängen, die von einem Badebeamten kontrolirt werden. Vor der Terrasse nun breiten sich die Bassins aus, in der Regel sind es deren zwei; das eine für Nichtschwimmer mit hölzernem Fußboden, ungefähr 1m. unter der Oberfläche des Wassers (oft noch ein Kinderbassin mit weniger Tiefe); das Schwimmbassin möglichst tief und hinreichend groß, um sich ausschwimmen zu können. Jedes Bassin ist von einem Gang umgeben, der bei reißenden, ihr Niveau oft verändernden Flüssen auf einem Floß, bei ruhig fließenden Flüssen auf Pfählen ruht. Auf diesem Gang erheben sich die Gerüste zum Herabspringen in das Wasser, der Springthurm etc. Uber das Wasser hinein ragen vom Gang sowie von jenen Gerüsten aus die Sprungbreter, lange Pfosten, welche vermöge ihrer Elastizität unter dem Daraufstehenden sich schwingen u. so den Absprung leichter u. elastischer machen. Auch kann man vermöge einer Pumpe Gelegenheitz. Regenbädern, Strahldouchen etc. geben. Eine Restauration ist häufig mit solchen Badeanstalten verbunden; angenehm ist es, wenn ein schattiger Spaziergang zum Abkühlen vor d. Bad vorhanden ist. Um im hohen Sommer die brennende Sonnenhitze von den Badenden abzuhalten, sowie sie vor kalten Regenschauern zu schützen, hat man hier und da die ganzen Bassins überbaut. Ganz massive Häuser ringsum od. über den Bassins zu errichten ist nicht rathsam, weil der Genuß der freien Luft (freilich ohne Zugluft) die heilsame Wirkung solcher Bäder bedeutend steigert. ELBERG O Universitatsbibliothe Will man daher eine Uberbauung anbringen, so sei sie möglichst luftig, also von Holz od. Gußeisen; die Wände brauchen blos auf ungefähr 3 m. Höhe dicht zu sein. C. Kurbäder, frz. bains de santé, bains salutaires, Badeanstalten zu Hebung von Krankheiten, meist durch Benutzung warmer oder mineralischer Quellen. Hier kommt es bes. darauf an, das betr. Wasser vor dem Verdunsten der darin enthaltenen heilsamen Substanzen oder der Wärme zu schützen und den Leidenden den Gebrauch des Wassers genau nach der ärztlichen Vorschrift möglichst zu erleichtern. Der Hauptzweck der betr. Baulichkeiten ist also zuvörderst Uberbauung der Quelle mit umgebenden Ankleidezellen, od. auch Vertheilung des quellenden Wassers nach einzelnen neben einander liegenden Badezellen. An diese je nach Einzelbeschaffenheit des Quells, der Gegendeetc. sich richtenden Baulichkeiten schließt sich ein überbauter, möglichst vor Zugluft geschützter, aber der Sonne zugänglicher Spaziergang, nebst unmittelbar damit zusammenhängendem Gesellschaftssal, meist Kursäl genannt. Weiteres über die Einrichtungen s. unten und in Art. Badewanne, Badezimmer re. B. Die Bäder, in denen man das Wasser nicht direkt so verwendet, wie es die Natur giebt, die man also füglich künstliche Bäder nennen könnte, kann man eintheilen in Wannenbäder, Bassinbäder, Dampfbäder, Schwitzbäder etc. Zu einer vollständig geordneten Badeanstalt gehören aber diese alle, und alle die Völker, welche theils durch ihre Religion, theils durch andere Gründe vermocht wurden, besondere Aufmerksamkeit auf das Badewesen zu verwenden, haben sie, freilich in verschiedener Weise, vereinigt. Bei solchen Völkern sorgte meist der Staat für Badeanstalten, und diese waren daher großartiger und zweckmäßiger als jetzt, wo für öffentliche Bäder fast nur Spekulanten sorgen u. monumentale Badeanstalten außer an Mineralquellen kaum mehr errichtet werden. Betrachten wir: 1. Die Gestaltung öffentlicher Bäder bei einigen Völkern in historischer Reihe. a. Griechisches Zad, ⁰νανεο½. Leider kennen wir die Badeeinrichtungen der Griechen nicht aus erhaltenen Beispielen, sondern fast nur aus schriftlichen Nachrichten u. Vasenmalereien. Auf diesen finden wir zunächst Dienerinnen, welche aus einer Hydria Wasser über den Rücken der vor ihr sitzenden nackten Herrin ausgießen, dann ein Weib, welches mit der Hand den Wasserstrahl auffängt, der aus einer an der Wand angebrachten Maske in ein Becken strömt; auf einer in Berlin aufbewahrten Amphore erblicken wir das Innere eines Raumes, der durch eine dorische Säulenstellung in zwei abgesonderte Zellen getheilt ist. In jeder befinden sich zwei badende Frauen. Die Säulen scheinen hohl zu sein, so daß in ihnen das Wasser aufsteigt, denn in einer Höhe von etwa 2 m. über dem Fußboden erblicken wir Röhren, welche die Säulen verbinden u. aus denen durch zierlich geformte Löwen⸗,Eber- und Pantherköpfe ein feiner Staubregen auf die Badenden herabfällt; die Röhren sind zugleich benutzt, um Badetücher an ihnen aufzuhängen, vielleicht auch, da warmes Wasser in den Röhren eirkulirt, dieselben zu wärmen. Für Männer gab es öffentliche und Privatbadeanstalten 5Cα . Dic), welche erstere oft mit den Gymnasien (s. d.) verbunden waren. Diese Badeanstalten zerfielen nun in verschiedene Theile. Das kalte Bad, Noreey, war eine nach einer Seite geöffnete Halle mit großem Bassin, welches nur zu kalten Waschungen diente; das laue Bad warein kleiner, geschlossener Raum, daran sich die Schwitz- oder Dampfbäder, opiae, Noeαντρie, anschlossen, unter denen ein Feuerungsraum, Iοπνπ εἀ, lag. In den Schwitzbädern setzten sich die Badenden in theils freistehende, theils in den Fußboden eingelassene Wannen, We,or (bei Homer 0αανο), und nach vollendetem Schwitzbad wurden sie durch den Badediener mit kaltem Wasser begossen, dann aber im Salbliglit / mothes 18815d1/0230 zimmer, eIPν od. Nιρee¹⁸ν, mit der Striegel gereinigt u. mit wohlriechendem Oel eingerieben, worauf sie sich im Ankleidezimmer, οοονιρι⁰, wieder bekleideten. b. Römisches Bad, latein. balinéeae, balneum. Jeder Römer badete täglich mindestens einmal. Zuerst benutzten die Römer Flußbäder, von den Griechen nahmen sie dann die Bäderanlagen in geschlossenen Räumen und die Verbindung derselben mit Gymnasien od. Palästren (s. d.) an, jedoch waren dieselben bis zu Ende der Republick noch keineswegs zahlreich in Rom u. von keiner prachtvollen Ausstattung; Luxus u. Großartigkeit brachte erst die Kaisergenannt, u. mit Nischen (exedrae) E umgeben, auch wohl, wie bei unserm Beispiel, noch mit Nebensälen D versehen; nun tritt man in den Hauptbadesal F(balneum), in dessen Mitte sich der große Badeteich (piscina) befand; daneben reihen sich dann die anderen Räume, als vestibula G, Bibliotheken K, Wirthschaftsräume IJ, Peristyle mit Schwimmbassins K (natationes), Vorbereitungsräume für Ringer und Schwimmer L, Salbzimmer M, Ausgänge N, Warmbäder X, Schwitzbäder 4, das Hauptgebäude umgeben dann noch Ringbahnen, Rennbahnen nebst den dazu gehörigen, oft noch ins Hauptgebäude eingescho-X dern sind, umgeben dieselben dem Bad versammelte. Hier wurden Geschäfte abgemacht, Unterhaltungen gepflogen, e körperliche Ubungen u. Spiele vorgenommen. Bes. geeignet war der Platz für Anzeigen aller Art, wie man auch bei der Ausgrabung dergleichen Anzeigen noch gefunden hat. An diesen Hof stößt die exedra, das Zimmer, worin sich die Badenden abkühlten u. das als großes Konvers sationszimmer diente. Hatte man sich für das kalte Bad gehörig abgekühlt, so begab man sich durch einen bei Abend hell erleuchteten Korridor in das Offnung zum Lüften angebracht. In das warme Bad stieg man auf zwei gelangte so auf die schola, setzte sich, Caldarium in Veleja. vus), in welsellae) angebracht waren. Schwitzbad nun, dessen Fußboden und Luft geheizt wurden, waren in 10 cm. Wand Thonplatten als zweite Schicht lraum in dem türkischen „Bruckbad“ in Ofen. Frauen. Vom Heizraum führten auch Röhren die heiße Luft nach den hohlen Räumen zwischen den Wänden rce. Meist auf der andern Seite des Heizraumes liegt das Frauenbad, denn erst in späterer Kaiserzeit hörte die Trennung der Geschlechter in den Bädern auf. In Pompeji bestand das Frauenbad aus einem apodyterium, dem sich das frigidarium alkovenartig anschließt; von hier aus gelangt man in das tepidarium und caldarium. C. Mahommedanische ZBäder. Nächst den Römern sind wohl die Mahommedaner Diejenigen, bei denen die Badeeinrichtungen am weitesten ausgebildet waren. Dieselbe Einrichtung, wie die ältesten arabischen Bäder in Cordova vom Jahr 770, wie die königlichen und Privatbäder in Granada aus dem 13. Jahrhundert, wie die zu Ofen aus dem 16. Jahrhundert, haben noch jetzt die Bäder in Algier, Oran u. Tetuan, sowie in der Türkei etc., wenigstens in der Hauptsache, wenn auch in Einzelheiten hier und da Abweichungen vorkommen. Ein Garten, od., wenn dies der Platz nicht erlaubt, ein sonniger Hof, mit einem Springbrunnen in der Mitte othek Heidelberg TCDFC dient zur ersten Abkühlung, ein schattiger Portikus stößt daran zur weiteren Abkühlung; aus demselben gelangt man in ein überwölbtes, durch Pfeiler in mehrere Schiffe oder auch verschlungene Gänge getheiltes, sehr kühles Gemach. Nach dem hier erfolgten vollständigen Abkühlen begiebt man sich aus diesem Raum in das anstoßende, mäßig geheizte und durch hoch angebrachte Seitenfenster erleuchtete Entkleidungszimmer (Maslakh, bei den Türken Mesluh, an dessen Wänden sich eine Estrade, mit Matratzen und Teppichen belegt, hinzieht, auf denen der Entkleidete ruht, bis der Kreislauf des Blutes langsam genug geworden. Aus diesem gelangt man in den Hauptraum (dessen früheste architektonische Gestaltung s. unter d. Art. arabischer Stil. In Fig. 334 sind die Formen dem spätern türkischen Stil entsprechend. Vgl. auch d. Art. Maurisch). Dieser Raum nun ist durch Röhren in den Wänden und Heizkanäle unter dem Fußboden zu ungefähr 26—28 R. erwärmt; über den sehr wenig geneigten Marmorfußboden rieselt heißes Wasser. Die Badenden wandeln nackt, blos mit einem Bademantel bekleidet, in diesem Raum umher, bis sie anfangen, gelind zu schwitzen; um diesen Raum herum sind kleine Zellen mit Badewannen gruppirt, welche zum Theil mit heißem, lauem und kaltem Wasser gefüllt sind. Wer blos einfach baden will, geht in eine Wanne mit lauem Wasser, dann in eine mit kaltem und dann sofort zurück in das Ankleidezimmer; wer aber das ganze Bad durchmachen will, geht zunächst in die Wanne mit heißem Wasser, dann in das Schwitzbad, ein kleines, in der Regel achteckiges und mit einer Kuppel überwölbtes Gemach, in welches die Wasserdämpfe aus dem dicht daneben befindlichen Kessel geleitet werden, oder in welchem von dem Scheitel des Gewölbes ein feiner Strahl kochenden Wassers herabströmt und so Dämpfe erzeugt. In der Mitte des Fußbodens steht ein Becken von ca. 1, m. Tiefe. Von hier aus gelangt er in ein Zimmer mit lauem Wasser, wo er geseift und gebürstet wird. Dieses Zimmer ist nicht überall vorhanden; bei den persischen Bädern geht man nachher noch in den Kaseneh (Schatz), wo man in einem Bassin mit ganz heißem Wasser sich nochmals abspült. Bei den Türken tritt an Stelle des Dampfschwitzbades ein trockenes Schwitzbad, Harara, bei den ostindischenMahommedanern kommt noch das Durchkneten der Gliedmäßen hinzu, bei den Agyptern folgt auf das Schwitzbad zunächst eine sehr heiße, dann eine minder heiße, dann eine laue Abwaschung. Zuletzt begiebt sich der Badende auf einen Augenblick in die kalte Wanne, dann aber zum Nachschwitzen und Ausruhen in ein nur mäßig erwärmtes, oft sehr elegantes, durchräuchertes Gemach, wo er auf einem üppig weichen Ruhebett, in wollene Decken gewickelt, seine Pfeife raucht. Auch für Salbung, Frottirung u. dergl. ist gesorgt. Die Wannen, oder bei größeren Bädern Bassins, sind theils von Jaspis od. Marmor, theils auch gemauert und mit Azulejos belegt. Die Röhrenleitungen sind größlentheils von gebranntem Thon, hier und da von Blei od. Bronze, die Lichtöffnungen im Gewölbe durch darüber gelegte Platten vor Regen geschützt (s. Oberlicht); ein Abtritt ist in der Nähe. Die Versorgung mit Wasser geschieht durch Eisternen, in denen sich das Regenwasser sammelt, oder durch Zuleitung eines Quells. d. Die russischen Zäder. Aus dem Ankleidezimmer, welches mäßig erwärmt ist, kommt man in einen Sal; der hier stehende Ofen wird zum Glühen erhitzt; die auf demselben ausgebreiteten Kieselsteine werden von 5 zu 5 Minuten mit Wasser übergossen, das sich in Dämpfe verwandelt u. eine Hitze von 40—50 R. erzeugt. An den Wänden ziehen sich stufenförmige Bänke hin; der Badende legt sichzunächst auf die unteren, dann auf die höheren, und läßt sich hier zu Vermehrung des durch die Dämpfe hervorgebrachten Schweißes mit Birkenruthen peitschen, mit Seife u. wohlriechendem Wasser waschen etc. Endlich steigt er herab, um eine kalte Douche zu empfangen od. in ein Bassin mit kaltem Wasser zu springen u dann auf einem Ruhebett, in wollene Decken gewickelt, nachzuschwitzen und auszuruhen. Ee. Bei den übrigen orientalischen Völkern hat sich das