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BaukunstBau-Lexikon 1881

Badewesen in analoger Weise mit geringen Abweichungen entwickelt; Schwitzen, Frottiren, Gliederkneten, Gelenkknacken etc. und ähnliche Strapazen spielen dabei eine Hauptrolle. 2. Die modernen Badeeinrichtungen vereinigen oft zur beliebigen Auswahl mehrere der bisher genannten Systeme. Unabhängig davon hat man bei deren Anlegung jedenfalls auf folgende Räumlichkeiten Rücksicht zu nehmen: Ein Salon, elegant u. bequem ausgestattet, zum Abkühlen bestimmt, während dessen man sich die Zeit mit bereit liegender Lektüre vertreibt; von hier aus gelangt man auf einen mäßig erwärmten Korridor oder Vorsäl, um den sich die Enkleidungszellen u. die einzelnen Räumlichkeiten für die verschiedenen Badearten reihen. Die am häufigsten vorkommenden dieser Badearten sind folgende: a. Wannenbad; gewöhnlich einzeln oder zu zweien in Zellen angebracht, die demnach zugleich als Entkleidungszellen dienen können; s. übrigens d. Art. Badewanne und Badezimmer. b. Schwimm bad; zunächst vergl. A. a, b, eu. B.I. a,b. Auch neuerdings errichtet man vielfach Schwimmbäder unabhängig von Flüssen. Der Hauptraum ist ein überbautes Bassin, worin täglich ein-oder mehrmals das Wasser erneuert u. von unten geheizt wird, bis zu einer Temperatur in der Luft von 20 226, im Wasser von 15—186R.;ringsum sind Gänge zum Abkühlen, Promeniren etc., u. an deren Wänden entweder Bänke zum Entkleiden oder Thüren zu einzelnen Entkleidungszellen angebracht. c. Dampfbad; im allgemeinen nach dem Vorbild der russischen Bäder s. oben 2. d., eingerichtet. Jedoch wird der Dampf meist in einem Dampfkessel erzeugt. d. Trockenes Schwitzbad. Die Hitze darf nicht wohl über 30 R. steigen u. wird meist durch Cirkulation heißer Luft in Fußboden und Wänden erzeugt. e. Nachschwitzzellen, in welchen der Badende nach dem Dampfbad der Ruhe pflegt und schwitzt. k. Douchebad u. Regenbad, für kaltes u. warmes Wasser eingerichtet; die Röhren, aus denen das Wasser durch Offnen des Hahns auf den Badenden einströmt, und zwar nach Belieben von oben, von unten od. von der Seite, in scharfem, aber dünnem Strahl, in kräftigem und dickem Strahl, in dickem, aber nicht sehr heftigem Strahl, in großen Massen oder als Staubregen durch ein Sieb, müssen je nach diesen Anforderungen konstruirt sein. g. Irisch-römisches Bad nennt man eine in neuerer Zeit sehr beliebt gewordene Kombinatiön mehrerer der genannten Badearten unter Anlehnung an die römischen u. mahommedanischen Badeeinrichtungen, die zuerst von Dr. Barter in St. Ann's Hill bei Cork in Irland 1856 versucht, in Deutschland von Luther in Nudersdorf bei Wittenberg 1860 nachgebildet ward. Der Badende kommt zunächst in das apodyterium, auch wohl krigidarium genannt, einen mäßig (16—18R.) geheizten Raum, in welschem sich an einen Mittelgang coupéartige Abtheilungen anreihen, deren Wände nicht ganz bis zur Decke hinaufgehen. Jede der so gebildeten Zellen enthält einen Toilettentisch, Spiegel, Stuhl re., und ein Ruhelager zum Nachschwitzen, dafern nicht die Nachschwitzzellen sich in einem böesonderen Raum befinden. Der Entkleidete geht nun, in einen Bademantel gehüllt, in das tepidarium, welches bis zu 32R., besser blos bis zu 286, erwärmt ist, u. wenn der Schweiß aus der durch Frottiren mit groben Handschuhen noch gereizten Haut auszubrechen beginnt, begiebt er sich in das caldarium, in welchem eine Wärme von 40 —45 R. herrscht, deren Trockenheit durch einströmenden Dampf gebrochen wird. Hier werden auf der Massirbank Knetungen u. s. w. vorgenommen. Bei manchen Bädern aber geschehen die Knetungen schon in dem dann bis zu 352 erwärmten tsbibliothek Heidelberg worauf der Badende in das krigidarium gelangt, in welchem sich ein Bassin mit mäßig (bis zu 18° R.) erwärmtem Wasser, das lavacrum, befindet und in welchem auch die verschiedenen Douchevorrichtungen angebracht sind. Von hier geht er in die Nachschwitzzelle. h. Luftbäder. Zu diesen gehören z. B. die sogenannten pneumatischen Bäder, luftdicht verschlossene Zellen zum Einathmen verdichteter Luft etc. Die von Spekulanten in größeren Städten errichteten Privatbadeanstalten enthalten meist mehrere od alle genannten Badearten zur Auswahl. Natürlich kann man die Ausbildung einer solchen Anlage sehr verschieden gestalten, Haupterfordernisse dabei aber sind: Übersichtlichkeit für die Bademeister, ohne welche leicht Unglückpassiren kann; Verhüten alles scharfen Luftzugs, möglichste Erleichterung einer sorgfältigen Reinhaltung und Ventilation, möglichste Heizungsersparnis etc. Gut ist es, an alle diese Räumlichkeiten nocheinen Salon zum Ausruhen nach dem Bad undzur Konversation anzufügen, der ziemlich erwärmt sein muß und aus dem man dann wieder in den kühleren Eingangssalon gelangt. Daß man bei der Konstruktion wegen der vielen in solchen Gebäuden konzentrirten Feuchtigkeit sehr vorsichtig u sorgfältig zu Werke gehen muß, braucht wohl kaum erwähnt C. Offentliche Badranstalten, frz. bains publies, m. Pl., engl. balneary, bagnio. Im Alterthum wie in altchristlicher Zeit war die Sorge für Unterhaltung von Badeanstalten noch allgemein als Pflicht der Behörden anerkannt. Konstantin der Große baute ein Bad für Kleriker bei der Apostelkirche in Konstantinopel; St. Agnellus von Neapel (7. Jahrh.) stiftete ein Kapital zu Unterhaltung von Bädern; Karl der Große sorgte für Bäder. — Auch im eigentlichen Mittelalter sorgten die Behörden, ja schon im 12. Jahrh. einzelne Mildthätige durch Stiftungen, vom 14. Jahrh. an meist die Magistrate für allgemein zugängliche Badeanstalten, Badestuben genannt. Nach dem Dreißigjährigen Krieg erlahmte dieser Theil der Sorge für das Wohl der Bürger. In der Neuzeit hatte zuerst während einer Choleraepidemie 1832 eine Waschfrau im ärmsten Theil von Liverpool eine Privatbade- und Waschanstalt eingerichtet (s.d. Art. Waschanstalt), u. 1842 etablirte der Magistrat von Liverpool eine solche; 1845 folgte London nach, und nun wurden solche städtische Badeanstalten auch in Deutschland vielfach eingerichtet (1852 in Brüssel und Hamburg, 1853 in Berlin, 1856 in Wien etc.). Die besseren derartigen Anstalten (3. B. in Magdeburg) enthalten Schwimmbassin, Wannenbäder 1. u. 2. Klasse, Abkühlungsraum etc. Mit denselben ist meist eine Waschanstalt (s. d.) verbunden. Kelm. Ms.] II. Bad in anderer Bedeutung: a. (Chemie.) Zu chemischen Zwecken, um z. B. Körper auf eine konstante Temperatur zu erhitzen od. Flüssigkeiten abzudampfen etc., läßt man häufig nicht das freie Feuer auf die Gefäße, in welchen die betr. Körper oder Flüssigkeiten sich befinden, einwirken, sondern man umgiebt die Gefäße mit gewissen festen, flüssigen od. auch dampfförmigen Medien und bedient sich dabei der sogen. Bäder. Je nachdem man die Gefäße in heißen Sand, kochendes Wasser, Dampf, geschmolzenes Zinn od. dgl. bringt, unterscheidet man nach den angewandten Medien: Sandbäder, Aschenbäder, Wasserbäder, Dampfbäder, Zinnbäder u. s. f. b. (Technik) Auch in der Technik unterscheidet man verschiedene Bäder; in der Färberei u. Bleicherei (s. d.) werden verschiedene Flüssigkeiten verwendet, welche meist dazu dienen sollen, die Wolle, Stoffe u. Gewebe etc. in geeigneter Weise vorzubereiten. Werden hierzu Laugen od. Säuren angewendet, so bezeichnet man die Bäder als ELBERG O Universitatsbiblic C. (Maurer.) Ein sehr dünner Mörtel, mit welchem eine Vertiefung, z. B. Grundgrube, Pisékasten u. dergl., zum Theil angefüllt wird, um dann die Steine hineinzusetzen; nicht zu empfehlende Konstruktionsweise. Vergl. d. Art. Bain 2. Wa m., Badekutsche, f., Badeschiff, n., s. d. Art.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 1, S. 221Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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