Bauanschlag, Kostenanschlag, m., lat. aestimatio, frz. devis, m., mémoire estimatif, engl. valuation, account for building-costs, estimation, device, ital. valutazione, span. tanteo, die Berechnung aller zu einem vorhabenden Bau erforderlichen Materialien u. Arbeitslöhne. Man unterscheidet: 1. Bauvoranschlag, Voranschlag, Vorausmäß, Überschlag, oberflächlicher B., vorläufiger Kostenanschlag, frz. devis préliminaire, mémoire général, engl. appro-Ximate estimation, rough valuation. Um einen solchen zu fertigen, vergleicht man das zu errichtende Gebäude mit anderen unter ähnlichen Umständen u. in ähnlicher Weise ausgeführten nach Geschoßanzahl und Flächeninhalt, erkundigt sich nach den Kosten jenes und überschlägt danach in Proportion des Flächeninhalts die zu erwartenden Kosten für den vorhabenden Bau: z. B. man hat ein Gebäude entworfen von 2 Geschoß Höhe und 600 àm. Grundfläche. Kurz vorher ist ein Gebäude von 3 Geschoß und 1000 Grundfläche in ganz ähnlicher Weise erbaut worden und hat à 4 1000 Mk. gekostet; ein anderes von 1 Geschoß u. 400 qm. Grundfläche kostet b6 100 Mk., so kostet also Iam. zu 3 Geschoß a Mk. und 1 Qm. zu 1 Geschoß b/4 Mk., dann wird also qm. zu 2 Geschoß annähernd das arithm. Mittel von beiden, also —1 Mibbosten, das 75αb Mk. Diese Berechnung ist sehr schnell und genügt in bielen Fällen, z. B. wenn der Banherr noch nicht völlig zum Bauen entschlossen ist.Anfang 1880 galten in Deutschland etwa folgende Pvrise: Bürgerliches Wohngebäude., 1 3,40 75— 90 massiv, unterkellert, mit 2seitigem 2 90—120 Ziegeldach, gewöhnlichem Aus⸗ 3 „120— 160 Desgl., massiv, mit Schieferdach, 1 506 105—135 Fallrohren, Flügelthüren mit. 2 „ 140—180 Desgl., ebenso, aber mit herr⸗ 14,10 165—195 schaftlichem Ausbau, Basquill- 2 bis 210—230 Monumentalbauten öffentl. od. 1 4,30 300—-390 priv., Ziegelrohbau od. m. reicher 2fbis 400—450 Steinmetzarbeit, Centralheizung, 3 4,80 480—600 eich. Doppelfenster mit Spiegelscheiben, Stuckdecken etc. Kirche, einschiffig, Holzdecke, ohne Desgl., theilweise ewülh, mit sonst einfach .. — — 270—360 Städtische Kirche, in solider, aber einfacher Ausstattung, bis 1000 Personen — — 360—450 Desgl., mit 1200u. mehr Plätzen — — 400—500 solidester totals 2 „ 100—115 unterkellert und mit Dachboden, 3 „ 125—140 dazwischen Geschosse: 4 „ 150—170 Fabrikgebäude mit Holzstützen u. 1 3,50 60— 70 Holzträgern, total unterkellert 85— 100 und mit Dachboden, dazwischen 3 „105—120 Werkstätte, in Fachwand 1 — 35—60 Schauer mit Pappdach Schuppen, geschlossen.. ˖— 26—30 Nebengebäude, 1 Geschoß u. Dachboden —42—50 Pferdeställe, elegant, mit Kutsch und Futterboden darüber 80—120 Stallgebäude mit Gewölbbee 60— 80 Scheuer mit massiver Umfassung 40— 45 Speichergebäude, mit anteso 66— 75 So., Aber in Fachwand 45— 60 do., dreistöckig in Fachwand 60— 85 5095 vierstöckig in Fachwandd 80—115 Dorfschule, einstöckig, mit Kniestock. 60— 72 do., zweistöckig, mit Kniestock 75— 90 Stadtschule, zweistöckig, mit Kniestock 100—120 do., etwas stattlicher, dreistöckig. 200—270 2. Eigentlicher Zauanschlag, spezieller Auschlag, frz. détail estimatfif, analyse f. de prix, engl. analytie or special valuation. Man hat verschiedene Verfahrungsarten u. tabellarische Schemata für die Anfertigung solcher Anschläge aufgestellt. Für die eigentliche Praxis aber soll das Verfahren so einfach wie möglich sein. Die erste Bedingung zu einem zuverlässigen Anschlag ist das Vorliegen eines genau und richtig gezeichneten, ausführlich dargestellten Entwurfs, welcher unabänderlich und unumstößlich feststeht und von einer in jedes Detail der Konstruktion eingehenden Baubeschreibung begleitet sein muß, die zugleich die Einleitung zu dem Bauanschlag bildet. Nach Zeichnungen u. Beschreibung berechnet man nun die einzelnen Posten des Anschlags. In Bezug auf die Reihenfolge der einzelnen Abtheilungen wird verschieden verfahren; sehr oft führt man die ganzen Arbeitslöhne der verschiedenen Gewerke hinter einander auf, ohne Trennung nach Geschossen, und läßt hierauf die Angabe sämtlichen erforderlichen Materials folgen. Dies ist aber nicht überall zu empfehlen, weil viele Gewerke die Besorgung des NRaterials mit übernehmen, wie auch z. B. bei Tischler-u. Glaserarbeit sehr oft für verschiedene Geschosse verschiedene Meister angenommen werden, und es die Abschließung von Akkorden dann sehrerleichtert, wenn man Alles, was zu einem Akkord.gehört, gleich beisammenstehen hat. Nach F. Mangers „Hülfsbuch zur Anfertigung von Bauanschlägenetc.“, Berlin 1869, gliedertsich ein Anschlag wie folgt: A. Erläuterungsbericht, Beschreibung des Ent-Maurerarbeit nach Theilen des Baues, Maurerzuthaten, Holzbedarf etc. C. Kostenberechnung mit Rekapitulation der Summen aus B. für die einzelnen Gewerke. D. Wiederholung. In Ssterreich zerfallen die Bauanschläge in: Vorausmäß, welches lediglichzur Berechnung der Arbeitsmassen nach Mäß und Anzahl dient. In jeder der einzelnen Abtheilungen, für Maurerarbeit, Steinmetzarbeit, Zimmerarbeitec., sind wieder Unterabtheilungen nach Kubikmäß, Flächenmäß, Kurrentmäß und Stückzahl enthalten. 6) Kostenausweis; enthält, gleich dem in buchhalterische Form gebracht und sich bei jedem Posten auf beziehend, die Kostenberechnung der dort aufgeführten Arbeiten im Einzelpreis und Totalpreis.