Feedbirmanische Bauweise
ErdkundeBau-Lexikon 1881

birmanische Bauweise, k. frz. architecture birmane, engl. burmese architecture. — Das Gebiet, welches gewöhnlich Birma, Borma oder Burma genannt wird, zerfällt jetzt in zwei Haupttheile: a) Niederbirma, auch Britisch-Birma gen. u. wiederum zerfallend in Arracan, Rakhang od. Roschang; Pegu oder Pegué, das Deltaland des Irawadi mit der Hauptstadt Rangun, und Tenasserim, ein schmaler Küstenstrich der malayischen Halbinsel. P) Oberbirma od. Ava, noch selbständig, mit der Hauptstadt Mandalay. — In Birma führte König Asoka's Sohn od. Enkel, Rahamam, den Buddhismus um 243 v. Chr. ein, nachdem schon um 308 die Apostel Uktara und Sauna in Thatung bei Maulmein ihn gepredigt hatten, und erhob die Stadt Prome am Irawadi zur Residenz. 107 n. Chr. verlegte Sämudda Raja die Residenz weiter stromaufwärts nach Pugan. Im 13. Jahrh. zogen die Könige noch einmal weiter stromauf, u. wohnten abwechselnd in Chitkaing, Ava und Amerapura, die sehr nahe bei einander liegen. Um 1300 wurde Panya zur Hauptstadt erhoben und 1356 Pugan von den Chinesen gestürmt; 1364 traf Sbibliothek Heidelberg „Stadt des Sieges“, gründete u. zur Hauptstadt der Pro⸗( mal vinz machte. Residenz wurde jedoch Monchabo; 1784 den wurde auch Arracan von den Birmanen erobert, nachdem Dar es 1763 durch ein furchtbares Erdbeben heimgesucht wor⸗ die den war; um diese Zeit (n. A. schon 1782) wurde Amera-fahn pura Residenz, 1819 wieder Ava, dann 1857 wiederAmera-Ti's pura und seit 1857 ist Mandalay der Sitz des Herrschers Ban von Oberbirma. 1824 begann der Krieg mit England, Dief OELBERG O Universitatsbibliothek He gen Wänden mit Wetterdächern, die zierlich und reich geschnitzt, roth bedahin. Die Wände zeigen die Höllenqualen in lebhafter man auf einer Steintreppe achteckig, bei etwa 460 m. Umfang. Die ganze Pagode ist ca. 90 m. hoch, aus Kalksteinen aufgemauert und mit Blattgold überzogen. Der Schirm des Ti ist 7½ m. hoch u. erst 1871 auf Kosten des Königs von Ava erneuert worden; er hat an Gold und Edelsteinen einen enormen Werth. Das Hauptgebäude ist hier wie anderwärts von kleinen Pagoden auf breiten Steinstufen, von Tempeln u. anderen Gebäuden und von Greifen etc. umgeben Die meisten der kleinen Tempel, Thein (s. V.) enthalten Bilder des Gautama-Buddha, aus Holz, Ziegel, Marmor, Kalkstein od. Metall hergestellt, meist schwer vergoldet. Die sitzenden sind bis 3½, die stehenden bis5 ⅛½ m. hoch. Kerzen, Blumen u. kleine Papier-Opfertischen. Hohe Stangen, mit rothen Kampfhahn (Birma's stehen rings um die Pagode. der vier letzten Buddha's, nämlich den Stab des Kakusanda oder Kanthathon, den Wasserschöpfer des Gaunagan od. Konagamma, ein Kleid des Kasyapa oder Kathapa, acht Häre des Gautama Buddha. Einer der umstehenden zierlichen Pavillons birgt die große Glocke. — Die goldene u. 4 weiße Pagoden zu Prome (Proum, Prji) sind in der Disposition ganz der von Rangun ähnlich. — Die Khumaduh⸗ oder Kung-Wu-Deu-Pagode am Irawadi, gegenüber von Ava, hat am Fuß 290 m. im Umfang, ist von 802 Sandsteinpfeilern von etwa 1½ m. Höhe umgeben; die Pagode selbst ist 50 m. hoch u. trägt ein Ti von 4, m. Durchmesser und 7 m. Höhe. Auffallend ist die Aehnlichkeit mit der Sanchi-topa; sie wurde 1626 zuletzt vergrößert. — Die auf steiler Felswand hängende Pagode von Magenka-Taung, die Pagoden von Magwe, Pokoku re. — In Pugan oder Paghan, welche Stadt um 107 n. Chr., n. A. erst 847 n. Chr. gegründet und 1356, n. A. 1284 von den Chinesen zerstört worden, ragen noch mehr als achthundert Pagoden und Tempel aus den Trümmern der Riesenstadt empor, darunter die Tsetnaphaya-Pagode besonders auffällt, die aber auch die einzige ist, welche die alte Tope-form zeigt. Die anderen Tempel, nach Angabe der Birmanen 999 an der Zahl, sind mehr oder weniger zerstört; nur drei der größten und etliche der kleinen sind restaurirt und noch im Gebrauch. Die meisten sind im Grundriß quadratisch, mit einem Anbau an jeder Seite, so daß ein kreuzförmiger Plan entsteht. Das mittlere Quadrat trägt eine in Spitzbogen aufsteigende Kuppel, die sehr schlank, thurmähnlich aufsteigt. Ueber diese Tempel od. Thein s. unter V. In der Thapinya-Pagode steht eine rothe Buddhastatue von 6½ m. Höhe. An jeder Seite der Pagode, auf dem Austritt der am Dache angebrachten Treppe, stehen Priesterstatuen mit Schirmen. Noch steht ein Stück der aus Ziegeln erbauten Stadtmauer u. ein Thor. Bogen und Gewölbe kommen ziemlich häufig vor. In Paghan steht auch die sog. Kürbispagode, Fig. 590, welche auffällig an manche Topes des eigentlichen Ostindien erinnert. Die Terrasse besteht aus Tschunam, einem Beton aus Muscheln und weißen Korallen. Die Terrassenränder sind mit (symbolischen) Kleeblättern verziert. Die Treppenstufen bezelnen Steinen, häufiger aus kleinen Hausmodellen, welche die Asche der Verstorbenen enthalten und von den Angehörigen, wenn diese in eine andere Gemeinde ziehen, mitgenommen werden. An den Begräbnisplätzen, auch an anderen der Gemeinde gehörigen Plätzen werden Päre von gabelförmigen Stäben, zierlich geschnitzt, mit schwarzen heiligen Charakteren bemalt etc., dem „Nat“, d. h. Schutzgeist des Ortes, zu Ehren aufgestellt, der, so glaubt man, gern in einem Baum wohnt, an den solche Stäbe sich lehnen. blos eingeschnitten, alle aber mit großer Virtuosität gearbeitet. VI. Khyungs od. Kiuhms, d. h. Alöster, sind Wohnstätten der Phongyis (Priester) u. zugleich Schulen. In der Disposition den Vihara's u. Raths von Ostindien ähnlich (s.d. Art. Buddhistisch), weichen sie von denselben insofern ab, als sie gleich allen weltlichen Gebäuden, das Königsschloß selbst nicht ausgenommen, aus Holz bestehen müssen und gleich den meisten Wohnungen auf Pfählen errichtet sind. Diese Pfähle nun sind allerdings bei den reicheren Klöstern durch Steinsäulen ersetzt, so daß das Gebäude auf einer hohlen Terrasse steht, zu der Freitreppen hinaufführen. Das in Fig. 594 abgebildete Kloster zu Myanung ist eines der ältesten, denn begreiflich allgemeinen keine lange Dauer. zu Mandalay. sind, wie erwähnt, ebenfalls aber gleich den reicheren Klöstern Ornamenten verziert, auch gleich Steinpfeilern hoch gestellt und zugänglich. Gerade an diesen beiden nun die stilistischen Eigendeutlichsten. Die hier gegebene Abbildung (Fig. 595) stellt den jetzigen Wandalan 325 05 macht alle nähere Schi denn sie zeigt ziemlich deutlich die Anlage einander schiebenden Dächer etc. Der Pale der Mitte der Stadt, die sehr regelmäßig angelegt ist. Der Palast von Amerapure umfassungen, dann ein hohes Pfahlwerk v dann noch eine Backsteinmauer. Sobald man die letzte Mauer hinter sich hat %% durch jede führen 4 Thore), steht man vor dem Mayenan, dem Erdpalast, dessen Boden aus gestampfte: Erde besteht und der de 20 m. tiefen Audienzsal, ,%0% Zaydawon-Loung, enthält. VIII. Krüchen bestehenpp aus hohen Teakpfosten, welche durch Querbalken verbunden und mit Dielen überlegt sind. Die Geländer sind reich geschnitzt, die Pfeiler durch Pfahljoche gebildet. IX. Dzyats, d. h. Ruheplähe, sind offene Häuser zu Benutzung der Reisenden, in regelmäßigen Abständen an den Straßen entlang vertheilt.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 1, S. 383Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 12

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Erdkunde 6