FeedBangkok oder Bankok
ErdkundeBrockhaus 1882

Bangkok oder Bankok, die wichtigste Hafen⸗, Handels⸗ und Fabrikstadt des der Nand Reichs Siam, ungefähr 30 km oberhalb der Mündung des Flusses Me-nam in den Golf von Siam gelegen und sich auf seinen beiden 0 in der Länge von ungefähr 7 km ausbreitend. Noch zu Ende des 17. Jahrh. ein ganz unbedeutender Ort, wurde B. 1766 nach Zerstörung der 75 km nördlicher gelegenen frühern Hauptstadt Ayuthia oder Ajudhja durch die Birmanen, Hauptstadt und Residenz der Könige von Siam. B. liegt auf mehrern von dem Memam gebildeten, von einer Menge von Kanälen netzförmig durchschnittenen Inseln, in einem niedrigen Alluviallande, das, teilweise sumpfig, ordent. an einzelnen Stellen hügelartig erhebt, außerordentlich fruchtbar und entweder in Reisfelder umgeschaffen oder mit Kokos⸗ und andern Palmen, so- wie mit massenhaften Anpflanzungen der edelsten Etomungen bedeckt, 350. 3 aber häufigen übertrömungen ausgesetzt ist. Infolge dieser Bodenbeschaffenheit sind die entweder aus Holz oder, bei Conversations-Lexikon. 13. Aufl. II. den Armern, nur aus Bambus bestehenden Häuser und Hütten der Eingeborenen auf 2—3 m hohen Pfählen errichtet und eine außen angelehnte leiterförmige Treppe führt in ihr Inneres. Nur die zur königl. Residenz gehörenden, sowie die öffentlichen Gebäude, die zahlreichen buddhistischen Tempel, die Wohnhäuser der fremden Konsuln und Chefs der nordamerik. und europ. Handelshäuser, die Warenlager derselben u. s. w., entweder ganz oder teilweise aus Stein erbaut, befinden sich auf höher und trockener liegenden, meistens noch künstlich erhöhten Stellen. B., zum Teil mit einer 10 m hohen und gegen 3 mdicken Mauer umgeben, besteht aus drei Stadtteilen. Den innersten nimmt die aus einer Menge von Gebäuden, Höfen und Gärten bestehende, von einer Mauer umgebene Residenz ein. Es befinden sich daselbst die Wohnungen des ersten und zweiten Königs von Siam, deren Harems, die Kaserne der Leibgarde, die reichgeschmückten Ställe der weißen Elefanten, die Schabkammer, das Arsenal, der Tempel, in welchem der König bei seinem Regierungsantritt den Eid ablegt, mit einem 2 m hohen, sitzenden, vergoldeten, mit Edelsteinen verzierten Buddhabilde, sowie einem kleinern, 45 em hohen, aus einem kostbaren grünen Stein geschnitzten; das Mahaprasat genannte Gebäude mit dem prachtvoll verzierten Thron⸗ und emidie Leiche sowie einem zweiten Saale, in welchem die Leiche jedes verstorbenen Königs ein Jahr lang, bis zum Augenblicke ihrer Verbrennung, in einem goldenen Sarge aufbewahrt wird; Magazine aller Art u. s. w. Der am meisten von Kanälen und kleinern Wasserleitungen durchzogene mittlere Stadtteil hat nur wenige, sehr schmale Straßen sowie eine breitere als Bazar dienende. Es findet daher der äußerst lebhafte Verkehr hier fast nur zu Wasser statt. Ein nicht unbeträchtlicher Teil der Bevölkerung wohnt und lebt fortwährend in Booten und auf Flößen auf dem 11 ähnlich wie in Kanton. Der äußere Stadtteil geht .— in die Vorstädte über, wo sich die europ. und nordamerik. Handelsniederlassungen, die fremden Konsulate u. s. w. befinden. Eine ganz eigentümliche Physiognomie erhält B. durch seine überaus zahlreichen buddhistischen Tempel mit ihren vielgestalteten, sich in mehrern, gewöhnlich drei terrassenförmigen Absätzen, pyramidenartig, mitunter bis zur Höhe von 30—40 merhebenden Türmen, zumal deren Giebel und hervorstehende Dachspitzen mit reichvergoldetem Schnitz- und Bildhauerwerk verziert, die Dachziegel aber mit grüner oder gelber Glasur überzogen sind. Die bemerkenswertesten sind die Watt Sekket, Watt Nun und Watt Suthat genannten. Jeder derselben besteht aus dem eigentlichen Tempel, dem 5 gehörenden Turme, einem Klostergebäude für die nach Art der Mönche gemeinschaftlich lebenden Priester, Talapoins, deren Anzahl mitunter 2—300 beträgt sowie aus einer diese Gebäude umgebenden, na innen offenen, von Säulen getragenen, bedeckten Galerie, und liegt innerhalb weitläufiger, in chines. Stile angelegter und ausgeschmückter, von einer Ringmauer umgebener Gartenpartien. Von B. 15 km nördlich liegt auf einem Berge der berühmte Wallfahrtsort P'hrabat mit einem 1602 gegründeten, von Mauern umschlossenen Kloster. Innerhalb desselben gelangt man über eine Marmortreppe mit vergoldetem Geländer auf eine Terrasse, auf welcher sich in einem auswendig vergoldeten Turme, dessen Fußboden mit Silberplatten belegt ist, hinter einem silbernen Gitter eine Fußspur von Buddha, im Hintergrunde aber, unter einem goldenen, mit Edelsteinen besetzten Thronhimmel ein 2m hohes silbernes Standbild desselben befindet. Die Bevölkerung von B. beträgt 4 — 600000 Seelen. Mehr als ein Dritteil davon besteht aus Chinesen, ein zweites Dritteil aus Thais oder Siamesen, der Rest aber aus Birmanen, Malaien und Einwanderern aus Laos, Pegu, Annam, Kambodscha, sowie aus einigen Tausenden von 16 Chmesen, dieser verschiedenen Völkerschaften. Die Chinesen, der thätigste und intelligenteste Teil der Bevölkerung, beschäftigen sich hauptsächlich mit Ackerbau und Handel, außerdem aber auch mit verschiedenen Handwerken und Gewerben. In B. befinden sich, unter dem Sangkerat, dem höchsten Priester des Landes, gegen 50000 Talapoins oder buddhistische Geistliche. Der Handel von B. mit dem Auslande ist sehr beträchtlich, da der Me-nam, welcher auf der vor seiner Mündung in die See gelegenen Bank während der Ebbe noch eine Tiefe von 4 m besitzt, bis oberhalb der Hauptstadt I3 größere Schiffe befahrbar ist. Der Handel ist fast ganz in den Händen der Chinesen. In den Hafen liefen 1879 ein: 565 Schiffe mit 230086 t, und aus: 566 18. 91 mit 237813 t. Artikel der Ausfuhr sind: Reis, Zucker, Seide, Baumwolle, Tabak, verschiedene Harze, Kardamom iIr Elfenbein, gesalzene und getrocknete Fische rekanüsse, Sappanholz, Rosenholz, Teakholz, Adlerholz, Häute von chsen, Büffeln, Elefanten, Rhinocerossen, Hirschen, Tigern und Leoparden, eßbare Schwalbennester, Sesam, etwas 27 u. s. w. Auf den europ. und nordamerik. arkt kommen hiervon hauptsächlich Reis, Zucker, Sappanholz und verschiedene Harze. Die tenteihs aus Europa und Nordamerika besteht rößtenteils in Baumwollstoffen, Glas, Eisen und Metallgerätschaften der verschiedensten Art. Aus China werden irdene und Porzellangeschirre, Seide, Thee so- wie eine Menge Gegenstände des chines. Haushalts, Lebensbedürfnisses und Luxus eingeführt. Seit dem 1861 zwischen Siam und Preußen geschlossenen, später auf Deutschland übertragenen Handelstraktat ist die deutsche Flagge zu B. eine immer häufiger werdende Erscheinung. d.).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 433Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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