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TechnikBau-Lexikon 1881
Fig. 672. Bleiweißbereitung, holländische Methode.
Fig. 672. Bleiweißbereitung, holländische Methode.

Bleifarbe, k., engl. lead-colour. I. Arten. Man hat aus den Bleiverbindungen viele schöne Farben hergestellt, die in der Technik große, ausgebreitete Anwendung finden. Die vorzüglichsten und am häufigsten angewendeten Farben sind nachstehende: 1. Bleigelb, frz. massicot, engl. yel-Iowlead, massicot, ein gelbes Pulver, wird erhalten, wenn man Blei unter starkem Luftzutritt erhitzt; es ist eine Verbindung von Blei mit dem Sauerstoff der Luft. Eine feinere Sorte von B. ist 2. das Königsgelb oder Neugelb, welches erhalten wird, wenn man Bleiweiß gelind glüht, bis die erwünschte gelbe Nuanee erzielt wird. Beide Farben sind jetzt durch das Chromgelb (s. unter 10) fast ganz verdrängt. — 3. Mennige, eigentl. leimennig, m., Bleimennige, f., Bleiminium, u., Saturnusroth od. Bleiroth, frz. minium m., rouge m. de Saturne, engl. red lead, lead-minium, wird aus Massicoterhalten, wenn man letzteres bei 3000. längere Zeit der oxydirenden Einwirkung der Luft aussetzt. Man benutzt die Mennige bes. als Oel⸗, Wasser⸗ u. Kalkfarbe, zu Bereitung eines Kittes für Dampfleitungs⸗ und Gasröhren; s. auch Art. Anstrich 1 u. 2. — 4. Pariser Roth, frz. rouge parisien, engl. french red lead, auch rothe Mennige gen., entsteht aus Bleiweiß, wenn letzteres der oxydirenden Einwirkung der Luft in der Glühhitze ausgesetzt wird. Infolge seiner feinen Zertheilung hat dies Roth einen sehr feurigen Farbenton. Man wendet es auch als Wasser⸗, Oel⸗ u. Kalkfarbe an. — 5. Bleiweiß, n., frz. cëruse, f., blanc m. de plomb, plomb blanc, engl. white lead, lead-Wwhite, eine seit langer Zeit beliebte Malerfarbe, ist ein basisches kohlensaures Ble neuerer Zeit hat seine ausschließliche An Einführung des Zinkweiß etc. einen erheblichen Stoß erlitten. Die Fabrikation des B., frz. Céruserie, wird im großen ausgedehnt betrieben, bes. nach drei Fabrikationsmethoden: a) Die holländische oder deutsche Methode, bei welcher Essigdämpfe u. Kohlen Fig. 672. Bleiweißbereitung, holländische wird. e) Diefranzösische ulenglische Methode, wobei man erst basisch essigsaures Bleioxyd in L tem Zustand herstellt u. darauf Kohlensäure einwirken läßt. Das beste B. ist das Kremserweiß; Schieferweiß nennt man die Platten, welche beim holländis durch und durch in B. übergegangen sind werden. Die schlechteren Sorten von lich mit feingepulvertem Schwerspat od. Blanc fixe (s. d.) versetzt. So kommt im Venetianerweiß, Hamburger⸗ und Holländerweiß auf je ein 1, 2 und mehr Theile Schwerspat. Das Hauptanwendung als Wasser⸗ u. ganz be liefert mit Leinöl oder fetten Lackfirnif dend weißen, vortrefflich deckenden Anstrich. Von großem Nachtheil für Bleiweißanstriche ist das Schwefelwasserstoffgas, welches aus Kloaken sich entwickelt u. in der Luft sich verbreitet, u. welches die Anstriche zun aber ganz schwärzt. Dieser Uebelstand gab Veranlassung, sich nach Surrogaten umzusehen. Das Zinkweiß u. Blanc fixe (s. d.) haben sich zwar bewährt, kommen aber dem B. bei weitem an Deckkraft nicht gleich. — 6. Das Pattinsonsche Weiß hat man auch als Ersatz des B. vorgeschlagen, weil es der Einwirkung des Schwefelwasserstoffes besser widersteht u. ausgezeichnet deckt. Das Pattinsonsche Weiß ist basisches Chlorblei, undman erhält es, wenn man Bleiglanz in Salzsäure auflöst u. die Lösung fällt. — 7. Das Patentgelb oder englische Gelb entsteht durch Glühen des Pattinsonschen Weiß. — 8. Das Kasseler Gelb, welches bes. als Malerfarbe Anwendung findet, wird erhalten durch Zusammenschmelzen von 10 Th. Massicot mit 1 Th. Salmiak. — 9. Das Neapelgelb wird, ständigkeit wegen, in der Porzellanmalerei angewendet; es besteht aus antimonsaurem Bleioxyd, welches durch Zusammenschmelzen von 1 Theil Brechweinstein, 2 Theilen salpetersaurem Bleioxyd und 4 Theilen Kochsalz erhalten wird. — 10. Chromgelb, Chromroth, s. d. Art. Chrom und Chromgelb. — 11. Bleiorydchlorid wird England als Surrogat des Bleiweiß fabrikmäßig dargestellt, fällt aber oft ins Gelbliche. II. Behandlung. Alle Arbeiter, welche mit B. umthek Heidelberg gehen, müssen sich der größten Reinlichkeit befleißigen, so wenig wie möglich Branntwein genießen, dürfen auch nie essen od. zu Bett gehen, ohne sich zuvor sorgfältig zu reinigen. Außerdem müssen sie vermeiden, in den Räumen, wo sie arbeiten, zu essen, zu trinken, oder ihre Speisen und Getränke den Dämpfen u. Gerüchen der Gegenstände, mit denen sie bei der Arbeitumgehen, auszusetzen, da der Bleirauch, frz. kumée de plomb, engl. refiners fume, leadsmoke, flight, eine sehr böse Krankheit, die Bleikolik, frz. colique de plomb, engl. lead colie, erzeugt; die Kleidungsstücke müssen so beschaffen sein, daß sie öfters gewaschen werden können. Beim Reiben oder Auspacken der Farben muß man thunlichst vermeiden, den feinen Staub einzuathmen. Ebenso soll man vermeiden, Glaserkitt aus Bleiweiß u. Oel bereitet, mit blosen Händen anzugreifen.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 1, S. 410Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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