FeedThaumatrop
TechnikBrockhaus 1882

Thaumatrop (grch.) oder Wunderscheiben heißt ein von Paris (1827) erfundener Apparat, welcher auf der Nachdauer genügend kräftiger Lichtempfindungen beruht, nachdem die Lichtquelle bereits erloschen ist. Vermöge dieser Nachdauer verschmelzen kurze Lichteindrücke, welche in schneller Folge auf der Netzhaut des Auges hervorgerufen werden, zu einer einzigen, kontinuierlichen Lichtempfindung; so z. B. gewahrt man eine schnell schwingende glühende Kohle als leuchtenden Bogen, während ein langsam bewegter Lichtpunkt stets nur als solcher erscheint. Das T. besteht gewöhnlich aus einer kreisförmigen Pappscheibe, welche sich vermöge zweier Fäden, von welchen je einer in der Verlängerung eines Durchmessers jener Scheibe liegt, um letztern schnell drehen läßt. Hat man auf der einen Seite dieser Scheibe einen wagerechten, und auf der andern einen diesen halbierenden Strich gezeichnet, so erblickt man bei rascher Umwendung der Scheibe, wegen der Nachdauer des 297 ontalen Strichbildes, ein Kreuz. In solcher eise kann man durch die «Thaumatropiey die Bilder zusammengehöriger Dinge, welche auf den verschiedenen Seiten der thaumatropischen Scheiben getrennt dargestellt sind, auf der Netzhaut zu einem einzigen Bilde vereinigen. So enthalten z. B. die T. auf der einen Seite einen Käfig, auf der andern einen Vogel, was beim schnellen Umdrehen des T. den Vogel im Käfig sehen läßt. Auf dem thaumatropischen Prinzip beruhen auch das Dädaleum (s. d.), das Stroboskop (s. d.) von Stampfer, das Phänakistiskop von Plateau und die aus der Kinderstube bekannten hohlen Wundercylinder, bei welchen innen am Cylindermantel liegende Papierbänder die getrennten Zeichnungen dem durch Schlitze des Cylinders sehenden Auge darbieten. An der Netzhaut des letztern vereinigen sich dann die Bilder derart, daß man bewegte iguren wahrnimmt. Das Prinzip des T. hat auch in der Wissenschaft mannigfache Anwendungen gefunden, so zum Studieren der Schwingungen, der Zusammenwirkung verschiedener Farben u. dgl. m.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 600Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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