FeedBogenlehre
BaukunstBau-Lexikon 1881

Bogenlehre, f., Lehrgerüst, n., frz. eintre m. de charpente, armement des ares, engl. entering, span. cimbra, formero, nennt der Maurer das behufs der Einwölbung eines Bogens errichtete Gerüst, insofern es der Form des herzustellenden Bogens genau folgt und dem Arbeiter somit zugleich die Gestalt des Bogens vorschreibt. Bei Herstellung dieser Gerüste hat man bese dreierlei Gesichtspunkte im Augezu behalten: Erstens die genügende Festigkeit zu Tragung der ganzen Last der Einwölbung bis zum Einbringen des Schlußsteins, zweitens die Form der Bogenlinie und drittens die Lage der Stoßstufen der Wölbsteine. A. Der Verband der Bogenlehren, der nach der Wölblinie bearbeiteten, aus Bretern (Bogenhölzern, Bogenstücken) zusammengesetzten Rippen oder aus Zimmerholz hergestellten Lehrbögen mit der darübergelegten Einschalung von Latten od. Bretern nebst der erforderlichen Unterstützung derselben, ist nur von der Last bedingt, unabhängig von der Art der Ueberwölbung. Für scheitrechte Bögen besteht die Einrüstung aus einer Lage von Bretern od. Bohlen, welche an den Enden eine gemeinsame Unterstützung durch untergelegte Schwellen erhalten, od. bei geringer Spannweite des Bogens an den Enden scharfkantig behauen und in die offenen Fugen der Widerlagerschicht eingeschoben werden. Da alle gemauerten Bogen nach der Mitte sich einbiegen, sich einschlagen, so wird darauf bei der Einrüstung Rücksicht genommen, und es werden zu dem Ende die oberhalb eingekerbten Rüstbohlen durch untergesetzte Spreizen in der Mitte um so viel in die Höhe getrieben, als das muthmaßliche Einsenken des Bogens beträgt. Die Rippen oder Scheiben für gekrümmte Bögen werden aus doppelt oder dreifach über einander genagelten Bretstücken hergestellt. Fig. 748 stellt eine Rippe dar, welche aus einer doppelten Lage von Bretstücken besteht und durch eine aufgenagelte Latte am Fuß zusammengehalten wird. Die radialen Stoßfugen der einen Lage treffen auf die Mitte der Breter der andern Lage, so daß die zunächst jeder Stoßfuge angebrachte Vernagelung für jedes einzelne Bret „ein evierfache ist. Die in Fig. 759 dargestellte Rippe für einen Bogen von größerer Spannweite besteht aus dreifach über einander genagelten Bretstücken. Die mittleren Bretstücke sitzen Sbibliotne Heidelberg LODFC zunächst dem Scheitel des Bogens an einem senkrechten Bret nach der Richtung der radialen Stoßfugen an, über welches am Fuß zwei horizontale Breter greifen, die mit diesem senkrechten Bret und den unteren mittleren Bretstücken der Bogenrippe vernagelt sind. Die äußeren Bretstücke der Bogenrippe sitzen am Fuß auf den horizontalen Bretern entweder stumpf oder, wie in Fig. 749 angegeben, nach innen versatzt auf und sind, beiderseits von gleicher Länge, in der Mitte der dazwischen befindlichen mittleren Bretstücke wie in Fig. 748 gestoßen und bei jedem Stoß vernagelt. Fig. 750 ist eine Rippe für einen gedrückten Bogen, welche ebenfalls aus dreifach über einander genagelten Bretstücken besteht und sich von der in Fig. 749 dargestellten nur dadurch in der Konstruktion unterscheidet, daß außerdem noch zwei Strebebreter in der mittleren Breterschicht angebracht sind, welche — nach der Richtung der, je zwei tBogenstücken des aus drei Mittelpunkten beschriebenen Korbbogens gemeinsamen, Radien geführt und von den doppelten Umfangsbretern umschlossen — gegen seitliches Ausbiegen sichern. FJig. 751/ stellt die Rippe für einen aus zwei MittelbeschriebenenSpitzbogen dar, bei deren Zusammensetzung aus dreifach über einander genagelten Bretern die „horizontale Verspannung durch ein einfaches Bret hergestellt und dem Heben und Senken der Rippe im Schluß

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 1, S. 433Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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