FeedBrüstungsverkleidung
TechnikBau-Lexikon 1881

Brüstungsverkleidung, f. frz. lambris m. de l'appui, 1. B. an einem Fenster, engl. back ofa window, Vertäfelung der Innenseite einer Fensterbrüstung bes. bei verschwächten Brüstungen fast unentbehrlich. — 2.B.rings im Zimmer, Brustgetäfel, engl. socle-wainscotting, wainscotted socle, zu Verhütung der Abnutzung des untern Wandtheils sehr zweckmäßig, auch als Verzierungsmittel sehr brauchbar. Im Mittelalter und in Zeit der Frührenaissance waren die Wandtäfelungen meist etwa 2 m. hoch; erst in der Zeit des Barockstils machte man sie niedriger, u. jetzt wird meist ihre Höhe nach der Höhe des Fensterbretes bemessen. Grustwehr, f. Parapet, n., frz. parapet, m., engl. parapet, breast-work, lat. antepectus, n. (Kriegsb.), im allgemeinen jedes Deckmittel, hoch genug, um Truppen und Material dem Auge und dem direkten Schuß zu entziehen; hinlänglich stark, um das Durchschlagen feindlicher Geschosse zu verhindern; bei alledem aber darf dasselbe in keiner Weise den freien und vortheilhaften Gebrauch der Waffen, bes. der Feuerwaffen, hindern. Das Material ist meist Erde; Holz⸗ u. Steinverkleidungen sind wegen der oft durch einschlagende Geschosse losreißenden Splitter nur in den unteren Theilen zu verwenden. Die Brustwehrstärke richtet sich nach dem Material, bes. ob dasselbe mehr oder weniger von einschlagenden Geschossen durchbohrt wird (guter, mittler, schlechter Boden, Stein etc.), und nach Fig. der Gattung der Feuerwaffen, welche der Gegner ins Gefecht bringt. Es gelten folgende Erfahrungssätze: Die Geschosse des Vierundzwanzigpfünders dringen z. B. bei ca. 280 m. Entfernung in guten Boden 2,0, in mittlen 2,3, in schlechten 34, in Holz 0, „ —135, in Mauerwerk 0,35 m. ein, die des Zwölfpfünders resp. 2, 2,30, 2,3, O/56 bis 0, u. 0,4% m. tief. Für die meisten Fälle der Feldverschanzungen wird man demnach in gutem Boden mit 2,30 bis 2,36, in mittlem mit 2, —3,40, in schlechtem mit 2,3 bis 3,% m. Stärke auskommen. Die Brustwehrhöhe bestimmt sich vor allem nach der Höhe der zu deckenden Gegenstände, und danach, bis zu welcher Entfernung hinter derselben die Deckung noch in Kraft bleiben soll; dann aber danach, ob der Feind, in gleichem Niveau mit dem Bauhorizont, tiefer od. höher steht. Man nimmt, wenn der Feind nicht höher steht, 1½—2,„m. Brustwehrhöhe an für Infanterie, 2, —2,3 m. für aufgesessene Reiterei. Aenderungen dieser Höhen infolge der angeführten Fälle werden durch das vertikale Defilement (s. d.) normirt. Die Anforderung, daß die Deckung einen freien Gebrauch der Waffen zulasse, nöthigt, hinter derselben einen Auftritt, das Banket, anzuschütten, so hoch, daß der Mann bequem über die Deckung weg das Gewehr in Anschlag bringen kann. Die Auschlaghöhe oder Brusthöhe ist zu 1,½%½ — 1,% m. anzunehmen. Die obere Fläche des Bankets muß demnach 1½¾% m. unter der Kammlinie der B. liegen. Die Breite des Bankets ist für eingliederige Stellung zu 0,3, m., für zweigliederige zu 1,30 — 1, m. anzunehmen; praktisch ist es, für ein zweites Glied ein um 0¾5 m. tiefer als das erste liegendes Banket anzuschütten. Der oberen Fläche der B., der Brustkrone, Brustwehrkappe, frz. bonnette, re- 9 chute, f., engl. bonnett, ist ein Fall, die Abdachung, zu geben, damit der Vertheidiger das Terrain nahe der B. beschießen könne, bes. den Rand des Gra⸗. bens, welcher, vor der Deckung liegend, einestheils die zur Erbauung nöthige Erde, anderntheils ein Annäherungshindernis bietet. Es entsteht sonach eine größere innere u. eine geringere äußere Brustwehrhöhe, eine innere uäußere Kamm-od. Cretenlinie, Srustwehrlinie, frz. Fig. 10 créte f. du parapet, engl. base-line, die innere auch Feuerlinie, frz. Ugne k. de feu, créte intérieure, engl. interior line, benannt. Der Neigungswinkel der Abdachung richtet sich nach dem vorliegenden Terrain, muß aber jedenfalls so groß sein, daß der Vertheidiger den Angreifer auf dem Glacis u. bis zum äußeren Grabenrand vom Banket aus direkt zu beschießen vermag. Die Böschung der B. nach außen, die Außenböschung, richtet sich nach der Dichtheit des Bodens; man giebt ihr bei gutem ½, bei mittlem bei schlechtem die ganze Höhe zur Anlage. Die innere

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 1, S. 540Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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