Burgfleckens und zu der Macht des Burgherrn mehr oder weniger umfänglich u. reich ausgestattet, sonst aber in Bezug auf die Einrichtung ziemlich gleich. Der B.eines hofhaltenden Edlen, Hofburg, dienten hohe Thürme als Burgwarten, und als letzter Rückzug ein von einem kleinen Hofraum umgebener, bald runder, bald viereckiger Thurm, Bergfriede (s. d.). Die innere Einrichtung hing von Lage, Terrain u. vom Willen des Burgherrn ab, und lassen sich nur schwer allgemeine Regeln darüber finden. Fast immer aber zerfiel die B. in eine innere u. äußere oder Hochburg und Niederburg; die zur B. gehörigen Landwirthschaftsgebäude, frz. bordes, lagen entweder in der Niederburg od. ganz getrennt. Die Vorburg, Niederburg, Außenburg, frz. Kaubourg, lat. forisburgum, ital. burgo, arab. alcazaba, enthielt einen großen Hof, die Burgfreiheit, rz. basse Cour, engl. base-court, court-yard, zum Tummeln der Rosse, umgeben von Stallungen, Back⸗-u. Küchengebäuden, Wohnungen für die Reisigen und Burgleute, oft auch eine Kirche und Pfarrwohnung. Hier hatte sonst die Pfalz gestanden, an deren Stelle nun, häufig mit Benutzung desselben Gebäudes, die Wohnung des Amtmanns, domus bassa, getreten war; das Ganze war geschützt durch hohe Mauern (latein. eingulum majus, antiparies, antemurale), mit einem durch einen oder zwei Thürme (frz. bastillées, barbacanes) vertheidigten, im Zickzack durch die Mauer geführten Thor, vor dem eine Zugbrücke (frz. pontlevis), seltener eine feste Brücke (pont dormant), über eine Schlucht, einen Abhang, einen Sumpfetc. od. einen künstlich angelegten Außengraben lag, damit man den hier langsam nahenden Feind vom Thorthurm aus beschießen oder mittels der Ausfallpförtchen (frz. posternes, latein. posterualae) überraschen konnte. An ausspringenden Winkeln sowie bei geraden Strecken in kurzer Pfeilschußweite traten Thürme, Wichhäuser vor die Mauern heraus, die oft, doch nicht immer, nach außen rund waren. Hinter diesem Hof, von demselben entweder durch einen Graben mit Zugbrücke od. durch zwei Mauern mit dazwischen liegendem Zwinger getrennt, lag die eigentliche B., Hochburg, Hinterburg,frz.chateéau, engl. castle, ital. castello, lat. castrum, span. castillo, arab. alcazar), auf der Spitze des Berges oder bei flachem Terrain auf einer künstlichen Erhöhung, dem Burgwall, dersurghalde (frz. mote, motte, engl. mount, hillock). Das innere Thor dieses Zwingers liegt dem äußern nicht gegenüber, oft zieht sich der Zwinger ein-oder ein pärmal rings um die innere B.herum, um den in demselben nahenden Feind beunruhigen zu können. Mindestens aber zieht sich um diese B. hinter dem Graben (Hausgraben, engl. moat) eine hohe Ringmauer, der Zingel (lat. eingulum minus, breve), welcher das Burglehn vollständig beherrscht und mit Zinnen (frz. merlons, créneaux, lat. pinnae, cernelia) oder auch noch mit kleinen vorstehenden Thürmchen, Wallwarten (frz. échauguettes, mittelalt.⸗ lat. scaraguayta) besetzt ist. An der Zugbrücke steht ein niedriger Thurm, der das Thor enthält, welches durch ein Fallgatter (frz. herse, porte colais, coladis) oder ein System von Pfählen, die ähnlich dem Fallgatter gehandhabt wurden (frz. orgue, sarrasine), verwahrt ist. Ueber dem Thor ragen kleine erkerartige Ausbauten vor, blos mit ganz kleinen Luken u. Oeffnungen im Fußboden versehen, um siedendes Pech hinunter zu schütten, daher sie Pechnasen (frz. moucharabys oder machecoulis) hießen. An ihre Stelle traten hier und da hölzerne ausgebaute Gerüste (frz. hourd, engl. hurdel, lat. hurdicium, s. d. u. bretéche). Durch dieses Thor also gelangt man in den Zwinger, Zwingolf (engl. duterbailey), aus diesem durch ein ganz ähnlich vertheidigtes Thor in den ziemlich engen innern Burghof, die Ballei (frz. bayle, engl. bailey, lat. ballium, ital. balia), der rings von Gebäuden od. mindestens von sehr hohen Mauern mit Wallgängen, parcham, umgeben ist und in dessen Mitte ein starker, viereckiger, thurmartiger Bau sich erhebt bei größerer Anlage wohl auch ein geräumigeres Gebäude. Dieser Bau (frz. palais, lat. palatium, ital. palazzo, span., vom Arab., alcazar, catal. palaü), Pfalz, Palas, Ritterhaus, Herrenhaus gen., enthielt große Kellereien, u. über oder unter denselben das Burgverließ (frz. oublietteé, engl. Keep, lat. in — pace), wenn dieses nicht im Bergfried sich befand, einen Pferdestall für die Leibrosse des Burgherrn, im niedrigen Erdgeschoß Küchen- u. Wirthschaftsräume, eine Halle für die Diener etc. Das darüber liegende erhöhte Erdgeschoß nahm ganz oder zum großen Theil die Kemnate (Caminata) ein, ein großer hoher Sal, sehr oft durch eine Freitreppe (Greden) zugänglich oder durch ein Brückchen mit dem bedeckten Gang auf der Zwingermauer verbunden. Dieser große Säl war der Sammelplatz des ganzen Hauswesens u. in der Regel mit einem ungeheuren Kamin versehen (daher der Name); Ahnenbilder und erbeutete Waffen schmückten ihn; auf dem Kamin u. einem Büffet standen die Gefäße zu Trank u. Speise. Häufig daneben, selten darunter, oft auch in einem getrennten thurmartigen Gebäude, befand sich die Burgkapelle, Schloßkapelle (lat. capella palatina, capella castellana). Ein solcher Kapellenthurm ist der sogen. Heidenthurm der B. zu Nürnberg, s. Fig. 1025. Söller od. Erker erleichterten die Uebersicht des umliegenden Terrains von diesem Säl aus u. machten es möglich, sich ohne Zugluft zu sonnen. In der Küche od. im Sal befand sich die Oeffnung eines Brunnens, theils zur Be-IDELBERG O Universitätsbibliott quemlichkeit, theils um im Fall einer Belagerung nicht Wassermangel zu leiden. Wenn nicht das Herren⸗ oder Ritterhaus, der Burgsit (frz. manoir, engl. manson, lat. das Schlafzimmer für den Burgherrn u. seine Frau, ein besonderes Wohnzimmer mit Erker für die Burgfrau, die Kafehte (engl. bower), daneben eine Spindestube (Stube mit Schränken) u. noch ein Zimmer für die Frauen, ebenfalls mit einem Erker versehen; darüber noch Wohnzimmer oder vielmehr Schlafräume für die Söhne des Hauses, für Freunde und vertraute Diener, und darüber die Zinne des thurmartig aufwachsenden Palas mit schmalem Umgang das Dach umgebend u. nur von einem großen Wachtthurm oder mehreren kleinen Bartizans überragt; im ersteren Fall im Thurm, im zweiten im Dach die Wohnung des Burgwarts, der sogen. tour du temple in Paris (Fig. 1026) war ein solcher Palas. Nahe dem Palas, vollständig isolirt, in einem kleinen besonderen Hof, stand der Bergfried, umgeben von einer Mauer mit Schießscharten, chemise dela tour. Die arabischen Blen waren oft weitläufiger, die Räume lagen nicht wie bei den deutschen über, sondern neben einander, die Gemächer für die Frauen dem Blick des Fremden möglichst entzogen. Bei ganz kleinen Ben, Zurgställen, Burgstadeln, war der Bergfried etwas weiter u enthielt zugleich die Wohnräume des Burgherrn, der Palas fehlte dann, die hochliegende Thür dieses Thurmes (engl. keep-tower) war für gewöhnlich durch eine Stufenleiter zugänglich, die man bei Belagerungen entfernte. Hier und da dienten auch einzelne Thürme zu Vertheidigung einer Ortschaft od. eines Landhauses, z.B. die piletowers an der englisch-⸗schottischen Grenze. Erst durch die Kreuzzüge u. das dadurch herbeigeführte Kennenlernen der orientalischen Ben wurden die wohlhabenden deutschen Burgherren zu weitläufigeren Anlagen vermocht, welche nun auch in ihren Zusammensetzungen bald so manchfach wurden, daß man eben im allgemeinen nur sagen kann: sie enthielten dasselbe wie die älteren B.en, aber in der verschiedensten Weise der Gruppirung. Die Schießscharten in den äußeren Thürmen bekamen andere Formen und Entfernungen seit Erfindung des Schießpulvers, welche es auch veranlaßte, daß die Vertheidigungsanlagen sich auf größere Ausdehnungen aus einander schoben u. sich mehr den Anlagen von Festungen näherten. Wie schon oben bemerkt, waren die Been in ihrer Eintheilung sehr verschieden; noch mehr mußte dies hervortreten, wo eine bes. Stellung der Besitzer ihren Einfluß äußerte, so bei den B.en der Bischöfe, geistlicher Orden etc. Die B. des deutschen Herrenordens zu Marienburg zeigt einen regelmäßigeren Grundriß als viele andere, siehe Fig. 1027. Viele der Benennungen sind mit Worten eingeschrieben, von den eingeschriebenen Ziffern folgt hier die Erklärung. Die Vorburg hat mehrere Zugänge, einen im Süden bei dem neuen Thurm, durch das Vorthor, einen von der am jenseitigen Ende noch durch eine Bastei vertheidigten Nogatbrücke durch das Wasserthor und einen von der Stadt durch das Schuhthor 7 am Sperlingsthurm 8. In diesem Theil der Vorburg ist 3 ein Hof, in welchen man auch über den trockenen Graben 14 auf der Niklasbrücke gelangt; 1 ist ein Speicher, 2 die Niklaskapelle, 4 das Schulhaus, 5 das Sattelhaus. In den anderen Theilen der Vorburg ist 15 das alte Schnitzhaus, 16 Schäferwohnung, 17 der Schnitzthurm, 21 Harnischthurm, 22 das Tränk-od. Niederthor, 23 Baderei, 24 Pfeilschäfterei, 25 Thurm, 26 Kornmeisters Wohnung, 27 und 28 Scheune, Kornhaus, Stallungen für 400 Pferde, 29 Fischhof, 30 Buttermilchsthurm, 31 Viehmeisters Wohnung, 32 Viehställe, 33 Kirche St. Lorenz, 34 Knechtefirmerie, 35 Bottichhof, 36 Kellermeisters Wohnung, 37 bis 39 Brauerei und Küche, 40 Backhaus, 41 Schlachthaus, 42 Hochmeisters Heuscheune, 43 dessen Ställe, 44 Holzhof, 45 Steinhof, 46 Steinmeisters Wohnung, 47 Apotheke, 48 der Tempel (Vorrathshaus), 49 Teich, 50 Speicher, 51 Pfeilschäfters Wohnung, 52 Poststall, 53 Hochmeisters Marstall, 54 Schirrhaus, 64Karwan, Zeughaus; zu ihm gehören: die Buden 55, die Scheune 56, die Schmiede 57, das Gießhaus 58; 59 war das Haus des Pferdearztes, 60 der Dreßlerstall, 61 Großkomthurs Marstall, 62 das Schnitzhaus (Büchsenschäfterei), 63 Wohnung des Karwansherrn, 65 Wohnung des Schmiedemeisters,66 Kohlenschuppen, 67 Haus des Büchsengießers, 68 Draperie (Tuchu. Gewandhaus), 60 Wohnung des Drapiers, 70 Zimmerhof. Von den Thürmen, welche den Hausgraben vertheidigten, nennen wir: 8 den Sperlingsthurm, 10 den Dietrichsthurm, 20 den Lorenzthurm; die drei anderen Thürme, 6, 18 u. 19, enthielten zugleich Abtritte, Danzke, und zwar 6 den Herrendanzk, 18 den Großkomthursdanzk und 19 den Firmeriedanzk. Zwischen beiden letzteren gelangen wir in die Hochburg, zunächst in den Hof des mittleren Hauses, welches die Residenz des Hochmeisters, die Wohnungen der Ritter, die Remter, Konventssäle, Konventsküche etc. enthielt, dann aber über die trockenen Gräben 14 in das von einem Parcham umzogene Hochhaus. Hier ist 1 der Begräbnisplatz, 12 die Schloßkirche und 13 der Pfaffenthurm. Das Hochhaus enthielt den Kapitelsäl, Kreuzgänge rings um den Hof etc. Näheres über Burgeinrichtungen etc. s. in M. M. a. W. HBür gerhaus, n., s. d. Art. Haus und Wohnhaus.