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BaukunstBau-Lexikon 1881

Haus, m., 1. frz. maison, engl. house, ital. casa, span. Casa, lat. domus, griech. 406. I. Geschichtliches. Der Baul von Wohnhäusern ist zwar nicht die höchste, aber die häufigste Aufgabe für Architekten. Jedenfalls waren auch die Häuser die ersten organisch durchgebildeten Bauwerke, f wenn ihre Formbildung sich auch niemals zu solcher Höhe erhoben hat, noch erheben wird, wie die der Gotteshäuser. d Ueber die ägyptischen, aztekischen, chinesischen, assyrischen r und indischen Wohnhäuser, sowie über die etruskischen und a byzantinischen u. dgl. s. d. betr. Stilartikel. — Ueber das u griechische Wohnhaus ward ebenfalls schon Einiges d im Art. Griechisch beigebracht. Durch die Haupteingangs-r thüre, ονειοαε οο, kam man in die ziemlich enge Haus⸗ d Ställen, Thürhüterlogercflankirt war. Durch eine zweite3 Thüre gelangte man in den Hof, 8)e, welcher oft mit einem Peristyl umgeben war und in welchem sich die Wohnung der Männer, 4Heoyrris, befand. Durch eine Zwischenthüre, τοοοε Hpe, gelangte man in die innere, zweite Abtheilung, das Frauenhaus, vuvcyEri6E; in dem Hof derselben lag, der marNoe Höce gegenüber, die Rooorche oder Roserce, ein nach dem Hof zu ganz offenes, d. h. nur durch Vorhänge geschlossenes Gemach, zu dessen Seiten Arbeitszimmer, orchysg. Natürlich waren so nur die Häuser der Reichen u. Mächtigen beschaffen; von denen der Armen haben wir gar keine Kenntnis; in der Zeit Alexanders nahmen die Häuser der Reichen sehr großen Umfang an, erhielten auch oft zwei und mehr Höfe. — Das römische Wohnhaus, welches wir theils aus Vitruv, theils aus Ruinen kennen, hatte nach der Straße zu in den Städten eine Reihe Handwerksläden od. Werkstätten (s. 23 in Fig. 2078); durch die zwischen denselben liegende Hausthüre, ostium 1, gelangt man in das vestibulum 2, welches aber auch vor der Hausthüre (als prothyrum oder area) liegen kann; von hier aus kommt man entweder direkt durch eine zweite Thüre 3 0d. durch eine zweite Vorhalle 4(mit Thürhüterzelle 5) in den Hof, atrium 6, auch cavaedium genannt. Von den im Art. Atrium (s. d.) erwähnten, das atrium umgebenden Räumen liegt das tablinum 11 (Empfangs⸗ und Geschäftszimmer des Herrn vom Hause) womöglich dem Haupteingang gerade gegenüber, u. neben demselben häufig der decus quadratus 16(das Empfangs- und Hauptgemach der Frau), dessen Haupteingang nach hinten zugekehrt ist und sich somit nach dem gewöhnlich mit einem Peristyl 13 versehenen zweiten Hof 14 zu öffnet. Das peristylium ist eine bedeckte Säulenstellung, welche einen Garten einschließt, und mit dem atrium durch die kauces 12, enge Gänge zu den Seiten des tablinum, in Verbindung gebracht wird. An einer Seite des Peristyls lag das triclinium oder oenaculum 25, auch diaeta genannt (Gesellschafts-Speisezimmer), neben demselben manchmal noch eine exedra 20 (Konversationszimmer); außerdem lagen am Peristyl Küche, culina 17, u. Speisekammern, Schlafzimmer, cubicula 15 etc., und dasselbe „hhatte womöglich einen Ausgang nach einemSeitengäßchen. Oft kamen hierzu noch verschieden ge-Certe, genöthigt, mehrere Stockwerke aufzusetzen, um diepenhaus hing deshalb nicht mit dem Innern zu-Dach des Peristyls weisen. War das H. von größerer Ausdehnung, so bildete es allein schon eine insula. Es finden sich in Pompeji auch sehr kleine Häuser, selbst solche ohne Hof, obschon entschieden das Streben auch der Minderbemittelten dahin ging, einen Hof als Mittelraum des H.es anzulegen. — Während der Herrschaft der altchristlichen Bauweise (s. d.) war der Wohnhausbau nur allmählichen Aenderungen unterworfen, so daß die damaligen Wohnhäuser Italiens wohl noch ziemlich die römische Disposition zeigten, blos mit der Veränderung, daß die Frauengemächer samt Zubehör sich mit um das atrium reihen u. das Peristylblos Prunkzimmer umgeben. Das Familienleben war durch das Christenthum inniger nek Heidelberg DFC geworden. Aber auch die Theilnahme am öffentlichen Leben beschränkte sich nicht mehr blos auf die Gänge des Hausherrn zu Volksversammlungen etc. Auch im Haus wollte man in Verbindung mit der Welt sein. Schon fing man an, die Fenster nach der Straße heraus größer zu machen, auch im Parterre befanden sich Wohnzimmer nach der Straße heraus, das Vestibül (ares) wurde breiter. Durch Verschmelzung mit byzantinischen (s. d. betr. Art.) Elementen bildete sich zunächst eine Umwandlung, welche durch den Einfluß germanischer Stämme, der Ostgothen, dann der Longobarden und Franken (s. d. betr. Art.) noch schärfer ausgeprägt ward; italienische Wohnhäuser des frühen Mittelalters sind uns leider nicht wirklich erhalten. Aus gelegentlichen Aeußerungen der Schriftsteller, aus einzelnen Theilen von Bildern etc. können wir uns einen halben Begriff davon machen. Das Erdgeschoß öffnete sich in breiter Laube, antica oder loggia, nach der Straße. Neben der Halle, in der sich die Klienten sammelten, lagen Geschäftsräume, Werkstätten re. Im Obergeschoß war der Kern ebenfalls eine Halle (ala, aula, sa la), in welcher die Familie sichzusammenfand sie warflankirt von Schlafkammern etc.; bei dem kleineren, bürgerlichen H. war meist die ganze Vorderseite offen. Aber unsere Kenntnis ist noch sehr beschränkt. Von frühmittelalterlichen Wohnhäusern auch anderer Länder OVNE fehlen uns fast gänzlich erhaltene Beispiele, doch ist in Heldengedichten re. wenigstens für die Kenntnis des fränkischen Wohnhauses mancher Stoff vorhanden. Die Paläste der fränkischen Könige waren von hohen Mauern vertheidigt und theilten sich in folgende Hauptpartien: Zunächst gelangte man in einen offenen Vorhof (franz. préau, lat. proaulium), dann in einen Wartesal (salutatorium), an dessen Seite der Gerichtsraum (lat. Consistorium) und ein dreischiffiger Speisesal (lat. trichorum) für die Fürsten, Hausbeamten u. Fremden lag; dann folgten die Wohnzimmer (lat. zetae hiemales u. zetae aestivales) für Winter und Sommer, ferner das epicaustorium zum Einathmen von Wohlgerüchen, einige triclinia acubitanes, Speisesäle nach römischer Weise. Ein weiterer Theil des Palastes enthielt Bäder, ein Gymnasium, die Küche und Rennbahnen. 0 Nach Ottfried Wendelin heißt der Hof Fig. vor dem Gerichtssal mallobergum (deutsch Maalberg, weil er das Maal od. Ting birgt). Das Gerichtsgebäude (lat. sala) diente zugleich als Gefängnis und Sklavenwohnung. Das atrium nennt er eine Zimmerreihe für den feierlichen En »fang, als eigentliche Wohnräume nennt er palatium, aula und praetorium. Außerdem umfaßten die Palastanlagen meist noch einen Buchenhain (frz. fay), eine mit jungen Hagebuchen besetzte Parkanlage (frz. boissière) u. eine Meierei (frz.borde). Das kleinere fräukische H.scheint sichbesonders in zwei ganz verschiedenen Typen dargestellt zu haben. Auf dem Lande, überhaupt da, wo Platz war, führte der Eingang auf der Langseite in eine durch die ganze Haustiefe hindurchgehende Flur, von der man auf der einen Seite in die Familienstube und dahinter liegende Kammer, auf der andern Seite in ein pür Kammern gelangt, zwischen denen auch wohl ein Gang zu den Ställen führt. In den Städten scheint damals im Norden wie in Italien ein ungemein starker Platzmangel geherrscht zu haben, der nur in einer Beziehung eine typische Folge hatte, nämlich die Aufthürmung vieler Geschosse über einander. Die Halle schrumpfte zum schmalen, oft dunklen Gang zusammen. in Deutschland, das mittelalterliche Bürgerwohn⸗

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 3, S. 14Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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