FeedChorgestühl
ReligionBau-Lexikon 1881

Chorgestühl, n., frz. bane m. d'oeuvre, Gesamtheit der Chorstühle; diese, frz. stalles, lat. stalli, stalla, scheinen erst zu Ende des 12. Jahrhunderts aufgekommen zu sein an Stelle der früheren Presbyterialbänke; s. unter Basilika 1. Gewöhnlich stehen an den Wänden des hohen Chors entlang zwei Reihen; die zunächst der Wand, um eine Stufe erhöhten, heißen frz. stalles hautes, gradins, lat. scali, die vor ihnen niedriger stehenden, frz. stalles basses, lat. lormaè chlori, sind von Zeit zu Zeit durch Zugänge zu den hinteren unterbrochen, zwischen beiden ein Gang von mindestens 70 om. Breite. Jede Banksteht aufeinem Fußtritt (Rost), frz. marche-pied, socle, engl. foot-board. Das Sitzbret selbst, frz. sellette, siége, engl. seat-form, lat. formula, für jeden Sitz 55 70 em. breit, ist meist beweglich am Sitzbacken angebracht und also zum Aufklappen eingerichtet(dann frz.bascule). Sie trägt dann an ihrerUnterseite einen konsolenartigen Ansatz, der bei Aufklappung während des durch den Ritus vorgeschriebenen, oft viele Stunden andauerndenStehens 62 70 em. vom Fußboden hoch steht und statt des vorher gebräuchlichen Krückstockes zur Unterstützung des Gesäßes dient, daher etwas nach vorn geneigt, frz. patience oder gulotte, lat. misericordia, antipodium genannt. Zwischen je zwei Sitzen befindet sich eine Scheidewand, Sitzbacken, frz. und engl. parolose, lat. divisoria, welche den Sitzenden bis an die Schultern reicht u. deren ausgeschweiftes Deckbret, Schnauze, lat. sponda, frz. museau, den Stehenden als Armlehne, frz. accotoir, accoudoir, engl. elbow-rest, dient. Oft ist auf halber Höhe dieser Seitenlehne noch eine Armlehne für den Sitzenden angebracht. Bis zur Oberkante der Seitenlehne heißt die Hinterwand Rücklehne, frz. dossier, arrière-dos, engl. back, lat. dorsale, postergale, darüber Rückgetäfel, frz. haut-dossier,engl. wainscot. Darüber ragt ein Baldachin vor, frz. dais, engl. dais, canopy, lat. dasius, dasium, selten über jedem Stuhl einzeln, in der Regel fortlaufend u. an den Enden jeder Stuhlreihe von hohen Stirnwänden, frz. montans, jouées, engl. bench-ends, getragen. Vor jedem Stuhl befindet sich ein Betpult, zugleich als Oberglied einer Brüstung (frz. appui). Die Rücklehnen sind oft mit kostbaren Teppichen behängt, auf den Sitzen liegen Polster u. vor denselben Fußteppiche. Näheres s. in M. M. a. W.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 2, S. 50Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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