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Sport & SpielBau-Lexikon 1881

Circus, m. lat. circus, m., frz. cirque, m.,engl. circus, 1. bei den Griechen Hippodrom genannt; diese Rennbahnen gehörten zu den großartigsten Schauplätzen der Alten. Die Gestalt der unteren Fläche (arena) war in der Regel ein Oblongum, an dem einen Ende halbkreisförmig abgeschlossen, s. Fig. 1129; dieses Ende u. die beiden parallelen Langstufenreihen waren von Sitzen für die Zuschauer (spectacula) umzogen. In der Mitte auf der Längenachse lag die spina, eine lange Mauer, um welche sich die Wagen etc. herumbewegten: die auf unserer Figur den Hintergrund bildende schmale Seite, welche den Ausgangspunkt der Wettläufer und Wettfahrer bildete, war nach einem etwas schief gegen die Hauptachse stehenden Kreissegment so gebogen, daß die aus den hier im oppidum — einem von zwei für die Musiker bestimmten Thürmen begrenzten, mit einer Plattform (podium) für die Kampfrichter abgedeckten Gebäude — angebrachten garceres oder Balbiden (Ställe) hervorgehenden Thiere, trotz der nach den Radien verschiedenen Peripfherien des Halbkreises am andern Ende, gleichlange Bahnen zurückzulegen hatten, bis sie am Anfange der spina bei der meta prima ankommen, wo zwischen zwei kleinen Pfeilern (Bermulae) die ereta oder alba linea, eine weiße Linie, im Fußboden angebracht war (s. argentaria). An den Enden der spine standen kleine Obelisken, metea genannt, zum Abzählen der um die spina herum ausgeführten Umläufe durch Aufstecken von Kugeln; zwischen der eigentlichen Bahn und den spectacula lief häufig ein Kanal (euripus) hin, um bei den im C. ebenfalls abgehaltenen Thierkämpfen die Zuschauer vor den Thieren zu schützen, die Luft zu kühlen und Wettschwimmen abzuhalten. Dahinter erhoben sich die Sitzreihen, deren Einrichtung ganz derjenigen in den Amphitheatern glich. In Rom hatte der Kaiser eine Prachtloge (pulvinar) in jedem C., auf unserer Figur links zu erkennen. Die spina war oft mit Statuen etc. reich verziert. Im Scheitel des Halbkreises stand die porta triumphalis, durch welche die Sieger im Triumphzug abgeführt wurden. Zwei andere Thore waren zu den Seiten des oppidum angebracht, in dessen Mitte sich die porta pompae zum Einzug des Festzuges befand; außerdem war noch eine porta libidinensis zum Hinausschaffen Verunglückter vorhanden. —2. Jetzt nennt man C., frz. Cirqueéquestre, die Schauplätze für Bereiter. Dieselben sind meist polygon; der Schauplatz, die Arena, ist kreisrund und mit einer niedrigen, nach außen etwas geneigten, oben mit gepolstertemBrüstungsbretabgedeckten Einhegung versehen, hinter der sogleich die Sitze der Zuschauer beginnen. An zwei einander gegenüberstehenden Punkten befinden sich Thore, die zum Aus⸗ und Einreiten von mindestens drei Reitern genügende Weite erhalten müssen. Häufig wird an einem dieser Thore die Reihenfolge der amphitheatralisch aufsteigenden Sitze durch ein Podium unterbrochen, welches für Aufführungen benutzt und bühnenartig dekorirt wird.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 2, S. 56Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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