Amphitheater, n., großes Schauhaus, welches ringsum Sitze für die Zuschauer, die Bühne also in der Mitte hat. Daher der Name aπανναοο Die Griechen kannten wahrscheinlich die A. nicht; die Etrusker hatten welche, theils in den Felsen gegraben, theils von Holz erbaut; die Römer bauten die ersten A. ebenfalls von Holz, und zwar mit Hülfe etruskischer Arbeiter; erst sehr spät wurden steinerne aufgeführt, deren eine große Anzahl in mehr oder weniger guterhaltenen Ruinen auf uns gekommen sind und uns eine ziemlich vollständige Idee von der Einrichtung dieser Gebäude geben; nur selten waren sie ganz kreisförmig, in der Regel elliptisch im Grundriß; s. Fig. 158 und 160. Die in der Mitte liegende Bühne Fig. 158, welche mit Sand bestreut war und daher Arena 160 hieß, war bei vielen unterwölbt mit einem System von Schleusen und Behältnissen, die theils als Versenkungen, theils dazu dienten, die ganze Arena schnell unter Wasser setzen zu können, um Seegefechte, Naumachien, darauf auszuführen, und dann eben so schnell das Wasser ablassen zu lönnen; umgeben war die Arena zunächst von einem wassergefüllten Graben aa, euripus, und einer 12—15 Fuß hohen Futtermauer, podium genannt, in welcher sich die Eingänge b für die Kämpfer, die Einfahrten für Schiffe, Thüren zu den Käfigen oder Stallungen, carcexes caveae, co, der bei den Thierkämpfen gebrauchten Thiere befanden; auf dem Podium d hinter einer Brüstung u. Eisengittern standen oder saßen auf den subsellia oder einzelnen tragbaren Sesseln die Vornehmen, Beamten etc., bei 1, auf dem pulrinar, suggestus, unter einem Baldachin, papilio, der Kaiser oder Präfekt; hinter denselben nun, abermals getrennt durch eine reich verzierte niedrige Mauer, balteus, rz. baudrier, zogen sich Stufenreihen, gradationes, graaus spectatorum, in die Höhe, so daß also der innere Raum des Amphitheaters, das visorium, die cavea, sich nach oben erweiterte. Diese Stufenreihen zerfielen in Abtheilungen e, f, g, moeniana, getrennt durch Podeste mit größeren Stufen oder niederen Brüstungsmauern praecinctiones. Die unteren moeniana, e, waren für Grundriß des Amphitheaters des Flavius. die Priester, Ritter und Tribunen, die nächsten, f für die reicheren Bürger, die oberen, popularia, g, für das gemeine Volt bestimmt, zu dem Alle gezählt wurden, die unter 400,000 Sesterzien im Vermögen hatten. Bei großen Arn war für letztere od. auch für Sklaven über i eine besondere Galerie zum Stehen hinter der letzten Stufenreihe aufgebaut; bei dem für 87,000 Zuschauer eingerichteten Colosseum, Fig. 159—161, sogar zwei hinter und über einander. An der Rückwand dieser Galerien waren dann (ob bei allen Arn, wissen wir nicht) Vorrichtungen, meist steinerne Oesen oder Krampen angebracht, um Mastbäume hineinzustecken, von denen aus starke Seile Plätzen, zu denen es Billets gelöst, in verschiedene Thüren vertheilt wurde, was die Kontrolle bedeutend erleichterte. Bei dem Colosseum sowie bei mehreren größeren Ann führten nach dem Podium, also nach den Sitzen der Vornehmen, diejenigen Eingänge, die den vier Enden der beiden Achsen der Ellipse entsprachen, n; die anderen waren (gewöhnlich am Schlußstein) durch Buchstaben u. Nummern bezeichnet, damit das Publikum gleich wisse, wohin es durch jede einzelne gelange. Die Außenarchitektur der A. war natürlich in mehrere Stockwerke getheilt und zeigte eben so viele Arkadenreihen, deren Pfeiler mit Säulen od. Pilastern besetzt, oder auch blos miteinem Kämpfergesims versehen waren; hierin herrschte viele Willkür und große Mannigfaltigkeit; s. Fig. 159 und 161. Je nach den in denselben vorgesührten Schauspielen hieß das A. bei den Römern theatrum venatorium, naumachia etc. Da während der grausamen Christenverfolgung die Anhänger der neuen Lehre vielfältig verurtheilt wurden, in den Ain im Kampf mit wilden Thieren zu sterben, so faßten die Christen tiefen Widerwillen gegen diese Kampfspiele, die A. standen lange leer u. verfielen endlich. Nur in Spanien hat sich in den Stiergefechten noch ein Rest jener Kampfspiele erhalten; die zu Abhaltung derselben dienenden A. sind selten elliptisch, meist kreisrund; die sandbestreute Arena umgiebt eine Planke von etwa EIDELBERG O Universitatsbib Flavius (Colosseum). Oberkante gepolstert ist und hinter der sogleich die stufenartig aufsteigenden Sitze anfangen, welche nur bei einigen bis an die Umfassungswände gehen, bei anderen hinter sich Logen, bei noch anderen solche über sich haben. Noch sind zu erwähnen die Schauplätze für die Hahnengefechte, Amphitheater mit einer sehr kleinen, von hoher Schranke eingefaßten Arena und diesem Umstand entsprechenden sehr steilen Stufenreihen. Die Benennung Amplhitheater hat aber diese modernen Gebäude verlassen und wird jetzt für den vornehmsten Platz in dem Zuschauerraum der Theater gebraucht, und zwar hier und da für den (sonst Parket genannten) vorderen, dem Orchester zunächst liegenden Theil des Parterres, anderwärts für die hintere, der Bühne gerade gegenüberliegende Parterreloge, deren Brüstung dann gewöhnlich bedeutend in das Parterre hineingeschoben ist. s.