Dachziegel, m., frz. tuile, engl. tile, thack-tile, latein. tegula, ital. tegola, coppo, span. tega ladrillo, margilla; über ihre Verwendung s. d. Art. Dachdeckung. I. Die gebräuchlichsten Arten sind folgende: 1. Gemeiner Dachziegel (Biberschwanz, Taschenziegel, Flachwerksziegel, Flonnstein, Ochsenmaul, Zungenstein, Flachziegel, Ochsenzunge, Hakenziegel, Plattziegel, Plattstein, Dachtasche, Dachzunge, franz. tuile plate, tuile à crochet, engl. flat tilé.) Diese sind in den verschiedenen Gegenden Deutschlands 36 —40 cm. lang, 14—18 em. breit und 11½ em. stark. Theils fertigt man sie unten abgerundet, theils gerade mit verbrochenen Ecken Fig. oder unten nach einem Spitzbogen gestaltet. Alle aber haben an der unteren oder vielmehr inneren Seite des oberen Endes einen Haken zum Aufhängen, die Nase gen. — 2. Halber Biberschwanz, Ortziegel, Anziegel, frz. demituile, engl.bordertile, Closer, meist halb, doch auch / so breit, wie die ganzen Biberschwänze, dient zu Anfang und Ende, Ort, der beim Verband versetzten Schären an Giebelkanten. Für die Orte an Walmen u. Kehlen fertigte man ebenfalls schon ziemlich früh bes. Walmortsteine, die unten breiter, u. Kehlortleine, die unten schmäler sind — frz. tuile gironnée, engl. gyronny closer. — 3. Hohl⸗ Fig. 1329. ziegel, frz. tulle 8 creuse, tuile imbricée, engl. hollow tile, lat. imbrex; sie theilen sich in: a) Firstziegel, auch Dachkenner gen., franz. tuile fattière, enfaiteau, engl. ridgetile, lat. imbrex, imbrexius, 37 47 em. Iang, an einem Ende 12—16 em., am andern 17—20 em. breit, 1½ om. dick, in der Form eines halben, hohlen, abgekürzten Kegels; dienen zum Ueberdecken der Firste; haben meist eine Nase am weiten Endeäußerlich, die eigentlich nicht nöthig ist, im M.⸗A. aber oft sehr groß gemacht, ja ornamental gestaltet wurde, in welchem Fall dann der Ziegel Kammziegel, frz. tuile de créte, d'endossure, engl. crest-tile, heißt. b) Gratziegel od Knüpfziegel, frz. tuile de roupe, tuile arétière, engl. hip-tile, in Oesterreich Preisse gen., ähnlich dem vorigen, doch etwas weiter, also weniger gekrünmnt; erhält zweckmäßigerweise eine zweite Nase, 7 bis 10em vom engern Ende, auf welche sich der nächste stützen kann ec) Mönch, ebenfalls Knüpfziegel, auch Priepe geunnnt, frz. couvreJoint, Chapeau, zu dem Priependach, ist ganz ähnlich dem Gratziegel; die erste Nase kann wegbleiben, die zweite muß ziemlich starksein; oft hat der Mönch über dieser Nase noch ein Nagelloch. d) Hohlziegel im engern Sinn, Kehlziegel, frz.chanée, tuile gouttière, cornière, engl. gutter-tile, cornertile, lat. tegula colliciaris, imbreéso supinus, von ähnlichen Mäßen, dienen zum Eindecken von Einkehlen; die Nase, an der konvexen Seite des weiten Endes, wie beim Firstziegel angebracht, muß aber die rechtwinklige Seite nach dem Ziegel zu haben. e) Nonne, Haken, frz.tuile de Guyenne, ganz ähnlich dem vorigen, doch meist viel weniger konkav, oft auch mit einerzweiten Nase, auf der konkaven Seite, 7 —10 em. vom engen Ende, oder mit einem Nagelloch, 5 em. vom weiten Ende, statt jener erstenRase versehen. — 4. Fittichziegel, Paßziegel, Paßstein, Eßstein, frz. tuile lamande Fig. 1330. Fig. 1332. Zu Art. Dachzerlegung. trés-recourbée, engl. pan-tile much recurved. Diese, bereits seit dem 12. Jahrh. häufig angewendet, haben im Querschnitt die Gestalt eines und sind mit einer Nase versehen. Die Länge ist 47 — 55em., die Breite 22 —28 em. und in den Kanten parallel; die konkave Seite (frz. nolet) wird durch die konvexe (frz. olostre) des nebenliegenden bedeckt. Man findet aber auch viel kleinere auf alten Dächern. — 5. Dachpfanne oder Breitziegel, frz. tuile flamande, engl. pentile, pan-tile, flemish tile, ähnlich den vorigen, doch nicht so sehr gekrümmt; an der Ostsee macht man die großen, 37 — 39 em. lang, 25—26 em. breit, 1½ em. stark, mit 2 Nasen, die kleinen, sog. holländischen, 24 50 em. lang, 23½ em. breit, 1¼ em. stark; am Rhein sind sie 29—30 em. lang, 20cm. breit, 1½ bis 2cm. stark; sie kommen seit dem 14. Jahrh. vor, gleich den vorigen häufiger bei Profan⸗, als bei Kirchenbauten, und haben entweder 2 Nasen am obern Ende, od auch 2 Nagellöcher. — 6. Schlußziegel, Kremm⸗, Krämp⸗, Kramp-Sitätsbibliothek Heidelberg ILDOI ziegel, Blattstein, frz. tuile plate recourbée, engl. flap-⸗ tile; sie sind an den Langkanten entgegengesetzt umgebogen, der mittlere Theil ist flach, ohne Krümmung; von den umgebogenenKrämpen heißt die abwärtsgebogene die Schluß⸗, die andere, aufwärts gebogene, die Wasserkrämpe. Jede Krämpe ist gegen 2 enn. aufgebogen, und es greift die Schlußkrämpe in die Wasserkrämpe; auch sie haben Nasen an der Innenseite des oberen Endes, oder Nagellöcher an dem oberen Ende und eine Nase an der Außenseite, etwa 7—10 cm. vom oberen Ende entfernt; sie kamen bes. in Süddeutschland, Schweiz u. Oberitalien im späteren Mittelalter u. der Renaissancezeit vor. — 7. Die italienischen Krämpziegel, franz. tuile romaine recourbée, engl. italian flap-tile, an der einen langen Seite mit schmaler, aufwärts gebogener Krämpe, an der andern mit einer einem Gratziegel ähnlichen größeren Krämpe versehen; jetzt noch in Italien vielfach in Anwendung u.zwar wie bei den Römern auf sparrenrechter Schalung. — 8. Die römischen Dachpfannen, Bortsteine, frz. tuile romaine rebord, nouette, f., engl. brimmed tile, lat. tegula hamata, liegen flach auf den ganz geraden pianelle (ital.), ähnlich wie die ital. Krempziegel, sind aber an beiden Langkanten halbröhrenförmig od. rechtwinklig schmal aufgebogen u. werden mit einem schmalen Hohlstein überdeckt. Sie waren in Rom in Gebrauch, im Mittelalter auch in Steiermark, Bayern, Schwaben etc. — 9. Quadratziegel, frz. tuile carrée, engl. square:tile, bestehen aus einem ◻ von 24 — 26 em. Seitenlänge und haben die Nase in einer Ecke des Quadrats, so daß die Diagonale beim Aufhängen in der Richtung der Sparren liegt. Zuweilen haben sie auch Nagellöcher, wo sie auf Latten oder Bretschalung aufgenagelt werden; auch giebt man den beiden oberenSeiten aufwärts gebogene, den beiden unteren Seiten abwärts gebogene Ränder, so daß sie über einander herumgreifen. Dies giebt eine schöne und sehr solide Eindeckung. — 10. Kapp-od. Kaffziegel, tuile en oreille de chat, engl. cat's head-tile, große, in der Mitte der untern Seite aufwärts gebogene Ziegel, die an die Stelle kleiner Luken eingedeckt werden u. aussehen wie die Froschmäuler, s. Dachfenster 4. — 11. Kappenziegel, frz.tuile à chaperon, dalle de brique, engl.caping-brick, Mauerbedeckungsplatte, gehören eigentl.nichtzu den Dachziegeln; s. übr. d. Art. Dachdeckung A. I. II. Bereitung der Dachziegel. 1. Formen a) der Flachziegel. Auf ein glattes, mit einem Einschnitt für die Nase versehenes Bretchen wird ein Rahmen von gewünschter Gestalt u. Stärke der Ziegel gelegt. Der Arbeiter klatscht den ihm gebrachten zugerichteten Thon hinein, streicht ihn mit einem Leistchen breit, stürzt ihn auf das mit Sand bestreute Abtragebretchen und übergiebt ihn dem Abträger. Sollen die Flachziegel noch Furchen zur Ableitung des Wassers bekommen, so fährt der Arbeiter auf der betreffenden Fläche mit den Fingern der Länge nach herunter und nach diesem wird der Stein verputzt. b) Zu den Hohlziegeln werden zuerst die Blätter gestrichen, welchen der Former die vorgeschriebene Form giebt; da die Dachziegel viel dünner sind als die Mauersteine, müssen sie mit viel Vorsicht behandelt werden. Bei dem Streichen der Dachpfannen muß das gestrichene Blatt so viel Konsistenz haben, daß es unbeschädigt durch eine zweite Hand gehen kann; es muß sich ohne Unterlage aufheben lassen u. in seiner neuen Form unverrückt bleiben. — 2. Trocknen; während desselben müssen die Dachsteine auf ihren Bretern öfters gewendet werden; haben sie die halbe Trockenheit erlangt, so rostet man sie auf, d. h. man nimmt sie vom Bretchen ab u. stellt sie mit der hohen Kante auf die Erde, so daß immer die Nase des einen Steines eng an den Kopf des andern anschließt. Formsteine dagegen müssen so lange auf den Trockenbretern liegen bleiben, bis sie vollständig trocken sind und bei dem Aufrosten nicht mehr mit den Händen zerdrückt werden können. Es ist nöthig, die Steine in den Trockenbreter müssen stark mit Sand bestreut werden, damit der Ziegel nicht zu fest aufsteht u. die Luft nothdürftig durchstreichen kann. — 3. Glasiren. Man nimmt 20 Gewichtstheile Bleiglätte, 3 Gewichtstheile Braunstein, setzt dann so viel Thon hinzu daß eine aus Thon geknetete Kugel in der Glasurflüssigkeit sich schwimmend erhalte. Zu gewöhnlicher Glasur reichen auf 50 Gewichtstheile Bleierz 3 Gewichtstheile Braunstein hin und die Glasur wird vollkommen schwarz, wenn man ,¾ —1 Gewichtstheil Kupferoxyd hinzufügt (s. Glasur). Das Auftragen der Glasur geschieht auf nassem oder trockenem Wege. Bei ersterem, welches am meisten in Gebrauch ist, reibt man die Ziegel rein ab und gießt mit einem hölzernen Löffel die Glasur auf den etwas schräg gelegten Stein, so daß dieselbe von einer Seite zur andern läuft. Die Glasur trocknet bald und man kann die Ziegel nach kurzer Zeit wieder zusammensetzen. Man kann die Ziegel roh glasiren, besser jedoch, nachdem sie gebrannt sind, worauf sie nochmals gebrannt werden müssen. — 4. Brennen der Dachziegel. Im allgemeinen s. dar. d. Art. Ziegelfabrikation. Bei dem Einsetzen glasirter Ziegel in Oefen ist darauf zu sehen, daß sie sich nicht berühren, und daß die Glasur am Fuß abgerieben werde, weil sie sonst aneinander kitten. III. Kennzeichen guter Dachziegel. 1. Grad der Festigkeit beim Zerbrechen, theils durch Versuche mit der Hand, theils durch Schlag auf den hohl gelegten Ziegel zu prüfen. — 2. Das Ansehen des Bruches muß gleichartig, feinkörnig und ohne eingesprengte Kalktheile sein. — 3. Sie müssen das Wasser leicht annehmen u. dergestalt absorbiren, daß sie bald wieder trocken scheinen. — 4. Die härteste Probe ist, daß man sie der Rothglühhitze unterwirft und dann plötzlich mit kaltem Wasser begießt. Springen oder verwerfen sie sich dabei nicht, so ist auf ihre Festigkeit vollkommen zu trauen. — 5. In betreff der Farbe sind die mit glänzenderem Ansehen härter als die mit mattem Ansehen. — 6. Je dichter der Ziegel ist, desto heller ist sein Klang; je lockerer, desto tiefer. — 7. s. d. Art. Glasur.