FeedErde bogenförmig und als Lehrgerüst dienend aus
TechnikBau-Lexikon 1881

Erde bogenförmig und als Lehrgerüst dienend aus, oder arbeitet auf einem hölzernen Lehrgerüst. Bei rutschigem Grund ist es sehr zweckmäßig, die E. verkehrtzu stellen, frz. à l'envers, bes. bei Kirchen, Bahnhofshallen u. ähnlichen aus Pfeilerreihen bestehenden Gebäuden, wo man dann die E. so vertheilt, daß ihre nach aufwärts gerichteten Widerlager die Fundamente für diese Pfeiler bilden; sollen fortlaufende Mauern darauf kommen, so kann man die Pfeiler oben wieder durch aufrechte Bogen verbinden. Erdbohrer, m. frz.sonde f.à tarière, serpin, m., engl. ground-auger, earth-borer, s. d. Art. Bergbohrer 2 sowie d. Art. Artesischer Brunnen. Der E. besteht aus dem eigentlichen Bohrer od. Bohrkopf, dem Gestänge u. den Bewegungsmechanismen, sowie einigenHülfsstücken,z. B. Fanginstrumenten. Der Bohrkopf ist zunächst verschieden danach, ob die Bewegung des Bohrers drehend oder stoßend ist; doch auch nach dem Material etc. Die mit schwarzem Diamant besetzten Bohrköpfe wurden in Europa durch Beaumont eingeführt, welcher auch eine Bohrmaschine mit hohlem Gestänge erfand. Die älteste Weise war, außer dem Seilbohren, welches aus China zu uns kam, das Bohren mit starrem Gestänge, à tige. Dieses ist entweder massiv oder bildet eine Röhre, in welche Wasser eingeführt wird, um den Bohrschmantzu entfernen; mit massivem starrem Gestänge kann man nur in lockeren, weichen Schichten auf geringe Tiefe drehend, sonst nur stoßend arbeiten. Bei großer Tiefe führt das zunehmende Schlaggewicht leicht Brüche an Gestänge u.Meißel herbei. Dagegen suchte Oeynhausen 1834 durch die Einsetzung der Rutschschére zwischen Ober⸗ und Untergestänge zu wirken. Vollkommen wurde der Zweck durch Kinds Freifallapparaterreicht. Dieser besteht in einer passend konstruirten Zange, welche das Untergestänge faßt, im höchsten Stand der Leitung fallen läßt, u. dann wieder erfaßtec. Fabian, Werner, Zobel, Romanowsky, Greifenhagen etc. erfanden ähnliche Apparate und führten Verbesserungen ein. Das Bohren mit hohlem Gestänge erfand Fauvelle 1833 u. trieb durch einen in das Rohreingepumpten Wasserstrahl den Schmant in dem Ring um das Rohr herauf; darauf basirt die dänische Methode, wobei zunächst ein Rohr von 45 mm. Weite als starres Gestänge eingetrieben u. in diesem ein schwächeres Rohr nachgeschoben wird, in welches man Wasser einpumpt, das nun den Schmant im weiten Rohr auftreibt. Die Seilbohrmethode vervollkommnete Jobard 1828, Sello 1832, Frommann 1833, Thomson 1852, Kolb1864, Sonntag 1868, Hochstraten 1373 seitdem Mather u. Platt, deren Bohrkopf u. Bohrmaschine sich trefflich bewährt. Ein aus Bambus riemen geflochtenes Bandseil ist an den Ring a Fig. 1627 befestigt, der durch den Bügel b u. die oben u. unten gezahnte Buchse omit der durch letztere lose gesteckten Bohrstange d so verbunden ist, daß letztere sich auf und ab schieben kann, soweit als die fest an derselben sitzenden beiden Ringe ee gestatten, die ebenfalls gezahnt sind, aber nach entgegengesetzten Seiten und um halbe Zahnbreite verschoben; entsprechend sind die Zähne der Buchse geschnitten. Fällt der Bohrer herab u. stößt am Bohrort auf, so greift die Buchse in den untern Ring u. wird dabei sich um eine halbe Zahnbreite drehen, welcher Drehung natürlich nicht der jetzt unten aufsitzende Bohrer, sondern das Seil folgt. Beim Anheben aber trifft zuerst die Buchse an den obern Ring und dreht sich in derselben Richtung abermals um halbe Zahnbreite. Bei der fortgesetzten u. gleich darauf auch den Bohrer vom Bohrort ablösenden Hebung dreht sich das Seil mit dem Bohrer um die ganze Zahnbreite zurück. Zu einmaliger Drehung des Bohrkopfes gehören also so viele Hube und Stöße, als die Buchse Zähne hat. Die Wülste g dienen zu thunlichster Geradführung und zu Erreichung des nöthigen Gewichts. Das Seil hängt an der Bohrmaschine Fig. 1628; a, b, ist das schmiedeeiserne Bohrgerüst. Das Seil dist über 2 Leiträder e u. geführt und auf die Trommel ggewickelt, welche von der kleinen Dampfmaschine hgedreht wird; i ist eine Schraubenbremse. Zu der Auf⸗ u. Abbewegung des Seils während des Bohrens selbst dient die in punktirten Linien eingezeichnete kleine Dampfmaschine, auf deren Kolben das Leitrad e sitzt. Das bei i festgebremste Seil wird also, wie das Leitrad mit dem Kolben steigt und fällt, ebenfalls im Bohrloch steigen u. fallen. Von Zeit zu Zeit wird statt des Bohrkopfs der Löffel Kan das Seil befestigt und durch ihn der Bohrschmant aufgeholt, um im Kasten 1 entleert zu werden. Ueber einen beim Grundgraben in Sand brauchbaren Trichterbohrer s. d. Art. Brunnen.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 2, S. 260Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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