FeedBergbohrer
TechnikBrockhaus 1882

Bergbohrer, den Kosurabtt ein Instrument von den verschiedensten Konstruktionen und Einrichtungen, mit welchem cylindrische Röhren, Bohrlöcher, in die Erdschichtungen hergestellt werden. Derselbe dient hauptsächlich zur Aufsuchung, Untersuchung und Nachweisung von Erzlagerstätten und namentlich der Sne lerne Man bedient sich seiner, weil er bei einem kleinen Querschnitt ein tiefes Eindringen in der Erdschichtung mit verhältnismäßig geringem Zeit⸗ und Kostenaufwande ermöglicht. Das Erdbohren selbst ist in seiner Anwendung schon sehr alt und zur Auffindung von Brunnen schon den alten ** und — bekannt ewesen. Die älteste Andeutung fällt in das 12. ahrh. und tritt von da an mehrfach in Rußland, talien und Frankreich auf (Artesische Brunnen). tenfofte sind die Tiefbohrungen der Neuzeit auf Steinkohlen, Steinsalz, Sol⸗ und Petroleumquellen, welche in der beträchtlichen Tiefe von 1200 me zur Ausführung gebracht worden sind, wie in dem Salzlager zu Sperenberg bei Berlin. Die Bohrwerkzeuge werden teils durch Menschenkraft teils durch Dampfkraft bewegt und haben je nach der in Anwendung kommenden Betriebskraft verschiedene Dimensionen und Einrichtungen. —6 Bewegung des Bohrgestänges, zum Aufholen und Einlassen werden in neuerer Zeit nur Dampfmaschinen angewendet; man stellt zu ihrer zweckmäßi4* Verwendung deshalb über dem Bohrloche einen gohen Bohrturm mit Bohrgerüst auf. Der gesamte Bohrapparat, denn als solcher muß er infolge seiner großen Vielseitigkeit genannt werden, besteht zunächst in den ei entlichen Bohrern und deren Hilfsstücken, dann aber in verschiedenartigsten Hilfsvorrichtungen und Gerätstücken. Das ohren geschieht auf zweierlei Methoden: Bohren mittels steifen Gestänges oder Gestängbohren, und Seilbohren, wobei der Bohrkopf an einem gewöhnlichen Seile . Zcder ist (schon den Chinesen bekannt gewesen). Jeder Gestängbohrer besteht aus dem Bohrgestänge, dem Kopfstücke und dem Oberstücke; er wird je nach der Tiefe des Bohrlochs aus mehr zusammengesetzt. Das Gestänge besteht zumeist aus quadratischem Eisen oder schmiedeeisernen Röhren, seltener aus Holz, und wird in seinen Schaftstücken durch sog. Zungen (Fig. 1) oder Schraubenschlösser (Fig. 2) fest zusammengesetzt. 4 5 6 N7 1 ul 16 16 17 18 28 12 Das Bohren selbst erfolgt nun drehend oder 36. ßend, oder stoßend und drehend, je nach der Be-Boßrerz des Gesteins. Fig. 3, 4 und 5 zeigen ohrer zum Drehendbohren bei weichem, mildem Gestein, Fig. 6, 7, 8, 9, 10 Bohrköpfe zum Stoßendbohren bei festem Gestein, 00 11 bis mit 26 verschiedene Hilfsstücke, die sowohl beim Bohren ur Anwendung gelangen müssen, als auch in bewonden Fällen, wie z. B. bei Gestängbrüchen, beim Abbrechen der Bohrköpfe u. dgl. mehr anzuwenden sind; Fig. 27 und 28 stellt das Bohrgerüst, den Bohrturm vor. Zu dem Hilfsgezäh chert das Setzkreuz (Fig. 26) oder die Bohrkrücke, ein zweiarmiger Hebel, welcher einige Meter unter der Erdoberfläche am Bohrgestänge fixiert ist und vom Bohrmeister beim Drehendbohren umgesetzt wird; ferner die Gleit- und Rutschschere (Fig. 11), eine Vorrichtung innerhalb des Gestänges zum Zwecke der Teilung der Gestänglast; dann vorschiedenatige⸗ am Gestänge angebrachte, zur Geradführung desselben dienende Leitungsvorrichtungen, Iödann Freifallo orrich-⸗ tungen, wie sie von Kind, Fabian und Werner angegeben worden sind, welche den Vorteil eines raschen und sichern Bohrens für sich haben und darin bestehen, daß nicht das ganze Gestänge mit dem Bohrer aufschlägt, sondern letzterer als besonderes Abfallstück für sich allein, sodaß das Gestänge den direkten Stößen und so einer Beschädigung nicht ausgesetzt ist. Beim Kindschen sh hem Auf⸗ (Fig. 13) sind es zwei Zangen, die sich beim Auf- und Niedergange schließen und öffnen und so den Dur d fassen oder fallen lassen. ur Beseitigung des beim Bohren entstehenden Mehles oder Schmantes bedient man sich besonderer . el (Fig. 23), welcher von Zeit zu Zeit unter Beseitigung des Gestänges in das Bohrloch eingelassen wird und wo durch ein im Boden des Löffels befindliches Ventil der Schmant in die cylindrische Röhre des Löffels eingedrückt wird. Das Auslöffeln ist daher eine zeitraubende Arbeit, weshalb auch Konstruktionen ersonnen worden sind, das Mehl und den Schmant durch das Bohrgestänge selbst und zwar kontinuierlich zu beseitigen. Man hat daher hohle IINH in Anwendung gebracht oder wenigstens mit dem Bohrkopfe selbst Löffelvorrichtungen in Verbindung gesetzt, indem man Wasser in das Bohrloch einführt und entweder im — oder im Bohrloche den Schlamm in die Höhe steigen läßt. Da ferner die Bohrgestänge öfters Brüche erleiden, so hat man eine Menge Vorrichtungen und Apparate nötig und zwar um das Bohrloch und die gethane Arbeit nicht verloren zu geben, die Bruchteile aus dem . zu entfernen; hierher fas eben die 4 Modi trumente, von denen es fast ebenso viele Modifikationen gibt, als Brüche vorkommen können. Ihr 45„ it zu fassen; ihre Einrichtung richtet sich in Form und Art des Gebrauchs nach dem Stücke, welches zu beseitigen ist. Hierher gehören unter anderm der Geißfuß, der Winder Gig. 15), die Düllschraube (Fig. 16), der Glückshaken (Fig. 17), die Trompete (Fig. 18), der Zangenfanghaken (Fig. 19), der Katzenfuß (Fig. 20), die D ere, Fangschaufel, Teufelskralle u. dgl. mehr. Übrigens hat man nicht nur Bohrlöcher, sondern auch ganze Schächte, also Löcher in großen Dimensionen abzubohren versucht und auch mit Glück durchgeführt, ferner in neuester Zeit in festem Gesteine das Bohren mit Diamanten (Major Beaumont) versucht, sowie mit Anwendung von hohem Drucke, das Brandtsche Bohrverfahren bei einem Drucke von 100 Atmosphären und darüber. In beiden Fällen hat man einen Kern gebohrt, der dann zeitweilig abgebrochen und beseitigt wird.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 813Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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