Fruchtschiefer, Fruchtstein, Kleck., auch Anotenschiefer, m., frz. Carpolite, argile f. schisteuse, eine silbergraue Thonschieferabänderung, welche Glimmer mit sich führt, und rundliche oder längliche, dunkel gefürbte Partien in ihrer Masse hat, die aus einer Abänderung der Grundmasse bestehen. Auf den Schieferflüchen sind sie bald als kleine, länglichrunde Flecken, theils als braune, schwarzgrüne bis grünlichschwarze Konkretionen sichtbaru. mögen von Nadeln oder Körnern herrühren. Der F. ist ein sehr festes u. tragfähiges Material; man kann daraus Fensterbreter, Tischplatten, Balkonplatten etc. fertigen, welche bei 1½% m. Freitragung blos 3½ em. stark zu sein brauchen. Infolge seiner Zähigkeit läßt er sich sogar in 2½em. starken Platten zu Thürflügeln verwenden, an die man die Bänder durch Mutterschrauben wie an eine hölzerne Thür übefestigt; auch Röhrtröge kann man aus einzelnen, mit „Falz oder Spund und Nuth versehenen Platten dieses Steines zusammenschrauben, welche, wenn sonst die Fugen gut verkittet werden, ganz wasserdicht sind. Zu Trottoirs ist er jedoch nicht so brauchbar, wie man wohl glauben sollte; Sbibliothek Heidelberg Benennung noch zu allgemein. Während der langen Dauer vom ersten Eindringen antiker Formen zwischen die gothischen bis zum Sieg der Antike kann man drei Perioden unterscheiden: I. Periode. Die mittelalterliche Hauptdisposition, das mittelalterliche Baugerippe, wird beibehalten, selbst die Großdetails der Gothik, und nur Kleindetails aus der Antike angewendet. An Stelle der Hohlkehle tritt oft der Karnies oder eine schmale Schrägplatte, an Stelle der Blätterkehle der Eierstab, an Stelle der Blattknäufe oder Blumenknäufe antike Kapitälchen etc. Schon auf dieser Stufe aber machen sich Abweichungen bei den verschiedenen Völkern bemerkbar. a) In Italien beginnt am frühesten die erwähnte Ersetzung mittelalterlicher durch antike Details, und zwar mit den Bauten Brunelleschi's: Domkuppel zu Florenz 1420, Kirche zu St. Lorenzo daselbst 1425 etc. Die Hauptdisposition gothischer Gebäude in Italien hatte immer viel von der Klarheit und nüchternen Verständigkeit der Antike behalten. Ja selbst das eigentliche Baugerippe der Gothik, die Strebepfeiler, Spitzbogen, Giebel, Fialenetc., waren zwar adoptirt, aber vielfach veraissance. Fig. 1775. Schloß von Gaillon. Stelle der Mäßwerksbogen, z. B. an der Abbildung der früheren Vorderfagade des Doms von Florenz und am Bigallo daselbst, die Kriechblumen werden lockerer und flatteriger, z. B. an der Porta della Charta am Dogenpalast zu Venedig (1438 ff.) etc.; auch in den Profilen der Trummhölzer, den kleinen. en unter den Thürstürzen, in den Kapitälprofilen der 2 Pilaster ae. zeigt sich dieser Anfang der Rückkehr zu anliten Formen, wie denn and kleine Fialen durch antikisirende Dockenkegel, Zinnengiebelchen durch geschwungene Aufsätze mit Kugeln ersetzt werden etc. — b) In Deutschland zeigt sich zunächst nur eine Hinneigung zu Befreiung von Ueberschwenglichem in Vereinfachung der Disposition, geringerer Theilung der Hauptmassen, im Zurücktreten der Vertikaltheilung aus ihrer, die Horizontalabtheilung völlig beherrschenden Stellung, in erneuter Liebe zum Rundbogen, Wiederanwendung des Rundbogenfrieses, in Aufnahme des Stichbogens, ja selbst des elliptischen Flachbogens und der geö rnrnrd Alle aus technif schen, klimatischen und anderen praktischen Gründen Laaen Formen aber werden beibehalten. Die so gestalleten, meistzwischen iglit / mothes 1882bd?/0388 Heidelberg DFC 1460 und 1525 entstandenen Bauten bilden ein Mittel⸗ Als glied zwischen F. und Spätgothik. Die nächste Stufe be-sesz zeichnet eine Reihe Bauten, entstanden zwischen 1490 und (s. J 1540, an denen bereits, immer unter vollständiger Bei⸗ 1766 behaltung des mittelalterlichen Hauptcharakters, sowie der Cho meisten Großdetails, z. B. der in Fasen gestellten Ecksäulen, diese der sogar ziemlich gehäuft angewendeten Simsüberkreu⸗ Kan zungen statt der Gehrung, der steilen Abwässerungen, der näck Vorkragungen etc., doch in den Kleindetails fast durch⸗ 1556 gängig, in den Großdetails hin und wieder, direkt antike des Formen zu Anwendung kommen, anderwärts doch indirekt,‚ ande der antike Einfluß sich zeigt, z. B. in der Besetzung der goth Giebelstaffeln mit Rundgiebeln, Ersetzung der Fialen mit anzuführen das Untergeschoß des Schlosvon Fra Giocondo um 1500 ausgeführt der herzogliche Palast zu Nancy (s. Fig. Meister Hector Sohier 1521 begonnene Pierre in Caen (Fig. 1778). Es erhielt sich um 1535. — d) In Spanien war der Gothik gegen die Renaissance ein sehr hart-Einerseits finden sich gothische Bauten bis um zeigen schon das 1494 begonnene Portal mayor de Santa Cruz in Valladolid und derselben Zeit eine höchst pikante Mischung Hauptdisposition u. maurischer Reminiscenzen Elementen, u. in den Kleindetails ein buntes Ragout aus diesen drei Stilen, welches aber durch die ungemeine Eleganz u. Feinheit der Ausführung, durch die gleichmäßig liebevolle Behandlung der Formen, durch den reinen u. graziösen Schwung der Linien überaus besticht. Diese Richtung, mit dem Namen arquitectura plateresca belegt, erhielt sich hier und da bis nach 1560 in Geltung. — e) In England machen sich schon um 1540 einzelne antikisirende Details zwischen den mittelalterlichen Formen geltend, aber während schon zu Ende des 16. Jahrh. die II. Periode hier u. da eingetreten ist, zeigen sich noch bis zum Ende des 17. Jahrh. gothische De-II. Periode. Das gothische Baugerippe ist zwar noch beibehalten, aber scheinbar schon vollständig mit antiken Details überzogen. An Stelle der Kaffgesimse sind antike Gebälke getreten, an Stelle der Dienste Pilasterchen, an Stelle der Wimbergen Muschelnischen mit Frontons; der Sieg über die „Barbarei des Mittelalters“ scheint errungen; er scheint es aber blos, denn die antiken Formen sind nur gleichsam als durchsichtiges Gewand über den mittelalterlichen Baukörper gebreitet. Diese Periode tritt in den verschiedenen Ländern zu verschiedener Zeit ein und greift vielfach zwischen die früher erwähnte zurück. — a) In Italien zeigt sich schon an der 1457 von Martino Lombardo und Antonio quondam Marco begonnenen Fagade der Kirche San Zaccaria in Venedig und an den um 1450 vonBernardo da Venezia erbauten Theilen (Kuppel, Kreuzgang etc.) der Certosa bei Pavia (Fig. 1784) das Bestreben, und Eckakroterie, sowie bei a Profileines Halbkreisgiebels an S. Zaccaria in Venedig aus der Zeit von 1477— 1490. Auch Bologna birgt sehr viele Beispiele für diese Richtung, bes. in Backstein ausgeführt; dahin gehört auch das 1456 begonnene Ospédale grandezu Mailand u. a. m. Selbst an den ersten Bauten des Bramante, sowie an anderen Bauten bis um 1530, zeigt sich das mittelalterliche Baugerippe noch nicht vollständig besiegt. — b) In Deutschland kann man dieser Periode die Zeit von 1540—1600 zuweisen. Sämtliche Bauten dieser Zeit zeigen nämlich immer noch manchen an das Mittelalter in Massenvertheilung und Disposition. An den späteren Bauten dieser Periode schweifen allerdings die Details oft schon an das Barocke, die früheren aber zeigen sogar völlig mittelalterliches Baugerippe, ziemlich konsequent mit antiken Gliederungen bekleidet, zwischen denen wohl hier uud Schülern zuerst darauf hin, antike Details konsequent durchzuführen, ohne jedoch das maurisch-gothische Gerippe zu beseitigen. Das früheste Beispiel der so entstandenen, manca, das späteste der Obertheil der Giralda zu Sevilla 1558. Fast alle Werke dieser Periode sind ungemein reich mit Verzierungen besetzt, so die Säulenschäfte mit Ornamentranken überzogen, alle Platten mit Laubwerk, Pfeifen etc. ausgestattet; aber dabei ist doch durch die Kleinheit der Ornamente der Eindruck der Ueberladung, wenigstens bei etwas weiterem Standpunkt, fern gehalten. — e) In England sind die Bauten dieser Periode sehr selten oder, wenn mehrere noch vorhanden sind, doch sehr wenig bekannt; jedoch wäre das Schloß Wollatonständige Ueberziehung eines noch vorhandenen gothischen Gerippes mit antiken Details, so die Kirche zum Blut Gottes in Brügge, 1533 vollendet, das Nordportal von St. Jacques in Lüttich, 1558 von Lombard vollendet etc. Die Gesamtverhältnisse sind etwas schwerfällig, die Formen der Details schwülstig, theils schwunglos, theils in zu kurzen, schroffen Krümmungen gewunden. III. Periode. Diese Periode charakterisirt die wenigstens äußerliche Durchführung des antiken Konstruktionssystems in der Hauptgliederung der Facade, und die vollständige Verdrängung gothischer Details; dennoch unterscheiden sich die Werke dieser Periode von denen der eigentlichen Renaifsance noch durch die hier und da, namentlich in Vertheilung u. Anordnung der Fenster sichtbaren mittelalterlichen Reminiscenzen. — a) In Italien gehören dieser Periode ein großer Theil der Bauten der Lombardi in Venedig an, die Bauten des Leone Batista Alberti aus der Zeit von 1440—1472, die 1473 von Ambroggio Fossano, gen. Borgognone. begonnene Facade der Certosa bei Pavia (Fig. 1784) bis zu den mittleren Bauten des Bramante und den ersten Bauten Raphaels, des Baldassare Peruzzi und Antonio da Sangallo, dieser Schüler Bramante's. — b) In Deutschland fehlt diese Stufe fast ganz, wohl besonders infolge des Dreißigjährigen Kriegs. Zu vollständiger Verdrängung aller mittelalterlichen Theile des Baugerippes, namentlich aber des mittelalterlichen Charakters der Silhouette, kam es hier erst nach dem Westfälischen Frieden beim Eindringen der Spätrenaissance. und an dem 1549 von Philibert de Lorme begonnenen Schloß zu Anet. Noch sind die eingehenden Gewände, die steilen Dächer u. Dachfenster nicht überwunden. — 0 In Spanien könnte als Zeichen für das Vorhandensein dieser Stufe eine große Reihe von Bauten angeführt werden, deren Ausstattung zwar genaue Kenntnis des ganzen Apparats antiker Architektur zeigt, aber zugleich, bei ungemeiner Lieblichkeit der Details, noch ein Hängen an den poetischen Anordnungen früherer Bauweis en erkennen läßt. Wir nennen hier nur die Dombauten des Diego de Silos in Granada und Malaga, 1529—1540, des Pedro de Valdelvira in Jaen etc. — e) In England fehlt die jetzt in Rede stehende Stufe ganz. Hier ging Inigo Jones direkt von der sub Lerwähnten Weise zur reinen Renaissance über. — kf) In Belgien und den Niederlanden hat die Renaissance in vielem Bezug einen ähnlichen Gang wie in Deutschland genommen; auch hier kam es eigentlich erst dann zu voller Verdrängung des mittelalterlichen Hochgiebels und der Erker, als von außen bereits die verdorbene Spätrenaissance eindrang.