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BaukunstBau-Lexikon 1881

Gerüste, n., frz. échafaud, m., engl. scaffold, altengl. staykfold, ital. tavolato oder palco, span. cadalso, andamiada, lat. armamentum, artes, mittelalt.⸗lat. macina, pontonus. 1. Für die Arbeiter, um darauf stehen zu können. Die Stärke der G. richtet sich nach Größe und Gewicht der hinaufzuschaffenden Werkstücke, ihre Breite nach der Anzahl der Arbeiter, die darauf placirt werden sollen; man macht sie jedoch in der Regel zwischen 1,3 und 2,3„ m., für blosen Abputz 0,% —1 m. breit. Es giebt verschiedene Arten, die Gerüste zu konstruiren; die gebräuchlichsten sind folgende: a) Bockgerüste, Poblatzsche, Pummlätsche, bei 2, —3,3 Höhe, sowie im Innern angewendet, bestehen 750 aus Rüstböcken mit Bretern belegt. Man hat Gerüstböcke, Rüstböcke, frz. tréteaux, chevalets, engl. trestles borses, jacks, easles, von verschiedenen Formen u. Höhen; zu den Bockgerüsten gehören auch die Fußgerüste (s. d.). p) Standgerüste, Hauptgerüste, Stammgerüste, Stangengerüste, österreichisch Lantennengerüste, franz. échafaud d'échasses et boulins. Bei größeren Höhen stämme, Gerüststämme, Rüststämme, auch Standbäume, ö Fig. 1853. Einreihiges Stangengerüste. Fig. 1854. Rüststangen, österreichisch Lantennen genannt, frz. baliveaux échasses, engl. scaffolding-poles, imp-poles, ste. Gerüstknagge. „uphers, a in Fig. 1853—1855, unbearbeitet und je nach uder Höhe verschieden stark, in die Erde eingegraben und atsbibliothek Heidelberg DFC verkeilt. In manchen Städten ist das Eingraben verboten. Da stellt man die Stämme entweder stumpf auf das Pflaster und befestigt sie durcheingeschlagene Keile, oder an daneben gelegte Schwellen, oder man stellt sie auf Schwellen, oder, wie dies in Paris gebräuchlich ist, man setzt sie aufs Banket und umgiebt sie mit einem Gipskegel von etwa 03 m. Höhe und Durchmesser. Die Standbäume werden in der Regel blos in einer Reihe, um die zu erlangende Gerüstbreite vom Haus entfernt, nach Fig 1853, oder auch, und zwar besser, in zwei parallelen Reihen, nach Fig. 1855, deren eine dicht am Haus steht, aufgestellt. In verkehrsreichen Straßen richtet sich die Breite nach der Trottoirbreite. Den äußeren Stangen giebt man gern eine geringe Neigung nach dem Haus hin. Etwa in der Stockwerkshöhe, am liebsten in halber Höhe der Fensteröffnungen, werden an die Stämme mittels angenagelter Knaggen u. Klammern, od. mittels besonders dazu konstruirter Gerüstznaggen, wie Fig. 1856 —1858, ferner mittels der Krückelschen Sicherheitshaken (Reichspatent 9375), welche die Ehrenfelder Nietenfabrik bei Köln a. Rh. liefert (s. Fig. 1859), oder endlich, was aber weniger gut ist, nur mit Strängen und Würgknüppeln (s. in Fig. 1855oben) lange, der Hausfrontparallel laufende, horizontal liegende Stangen, die Streichen, Streichstangen, Barren, österr. Polsterhölzer, frz. barres, longrines, longuerines, engl. stringbieces, B in Fig. 1853, b in Fig. 1855, befestigt, auch wohl Fig. 1858. Gerüstknagge. 1855, tragen. Die Rüststämme stellt man, wie gesagt, nicht gern ganz lothrecht, sondern läßt sie etwas nach der Mauer zu hängen. Den Schußriegeln giebt man ebenfalls gern etwas Fall nach der Mauer zu; besser ist es, wie schon erwähnt, an der Mauer hin eine zweite Reihe Rüststümme zu errichten, weil sich dann die bes. bei Handhabung großer Lasten unvermeidliche Erschütterung des Gerüstes der noch mörtelfeuchten Mauer nicht mittheilen kann. Von diesem G. aus wird nun die Hälfte eines Stockwerks aufgeführt, zur zweiten Hälfte aber noch ein Bockgerüst darauf gestellt; bei oberen Geschossen werden auch wohl noch Handleisten, ee Fig. 1855, an die Rüststämme befestigt. Ist eine theilweise Erhöhung des Gerüstes nöthig, so setzt man noch kürzere Rüststangen, kt Fig. 1855, an. Neuerdings stellt man die Rüstbäume nicht mehr in die Erde, sondern auf Schwellen. Daraus sind die sogenannten Thurmgerüste, richtiger Gerüstthürme, frz. Echafaudages roulants, entstanden, welche gewöhnlich 2,3 —3,4 m. lang sind, deren Schwellen auf Rädern stehen, so daß man sie bequem verrücken kann; eine weitere Ausbildung derselben besteht darin, daß ihre Geschosse nicht fest auf einander stehen, sondern sich in einander hineinschieben, so zwar, daß man denselben durch Einbringung von Bolzen in dazu vorhandene Löcher an den Säulen beliebige Höhe geben kann. ) Zum Hinaufschaffen der Materialien bedient man sich der Flaschenzüge, Haspeln, Winden, Kraniche etc. oder auch der Laufstege, Bumbams, Aufläufe od. Fahrbrücken (s. d.), frz. pont d'échafaud,engiscaffolding-bridge, lat. ponticulus, die aber sehr viel Platz wegnehmen. Ziegel und Kalk in kleinen Portionen kann man zwar auch in Eimern oder Paternosterwerken aufziehen, diese Mittel sind aber blos da anzuempfehlen, wo es an Arbeitern fehlt; sonst thut man besser, diese Materialien auf Leitern hinauftragen oder, wie dies namentlich in Leipzig geschieht, hinaufwerfen zu lassen, s. d. Art. Ziegeltreiben. d) Zum Abputzen oder zur Vornahme leichterer Reparaturen bedient man sich mit Vortheil der Fahrzeuge oder hängenden Gerüste, franz. échafauds suspendus, engl. hangingscaffolds; dieselben bestehen in der Regel (Fig. 1860) aus einem mit Geländer versehenen Fußboden B B von ca. 0,80 m. Breite und 1/½—8, m. Länge, sie hingen in Rahmen CC, D D, und diese wiederum in Seilen a1,ah u. Kloben EE, und mittels derselben kann man sie höher und tiefer hängen; der Arbeiter steht mit seinem Material auf diesem G. Man sollte sie nie zu groß machen, um ihr Gewicht nicht zu sehr zu vermehren; auch müssen die Scheiben EF stets mit guten Sperrvorrichtungen versehen sein, und die hek Heidelberg DFC in der Regel aus Dachfenstern herausgesteckten Hölzer,‚ Ausschußbäume 6 H, frz. écharpes, engl. outriggers, an denen sie hängen, müssen genügende Stärke u. innerlicheine gehörige Abspreizung erhalten. Neuerdings hat man auch diese G. vielfach verbessert; man klammert zunächst in die Fensteröffnungen Querhölzer ein, b in Fig. 1861 u. 1862, an diese hängt man die eisernen Träger a, welche die Pfosten otragen, auf denen die Rollen e laufen, die mittels der Hölzer d die Stangen kstützen. ist ein kleiner bewegl. Balkon, der Standpunkt der Arbeiter, welcher mittels der Hülsen han der Stange kauf und ab gleiten kann. Das über die Rolle i und um die Kurbel K= laufende Seil! dient zum Aufziehen; die Seile m, welche nach dem Ende der Pfoste e laufen, zumSeitwärtsbewegen des G.s. Die eisernen Träger und die Rolleneinrichtung ist begreiflich häufiger Veränderungen u. Verbesserungen fähig, deren die Zeitschriften auch fast monatlich neue bringen. e) Zu Arbeiten, die sich blos auf kurze Stücke einer Fagade erstrecken, namentlich an den oberen Theilen, oder wo das Einsetzen von Rüstbäumen nicht gestattet ist und ein Fangzeug nicht gut anzubringen wäre, bedient man sich der schwebenden Gerüste (fliegenden G.), frz. Echafauds volants, engl. lyingscaffolds, Fig. 1863 u. 1864. Es werden zu ihrer Herstellung durch die Fenster oder durch Maueröffnungen Hölzer a, Ausleger, Ausschußbäume, frz.écharpes, engl. outriggers, herausgesteckt und innerlich abgespreizt; die äußeren Enden derselben — sind durch Sprießen, Spreizen, Bügen b unterstützt; auf die Ausleger kommen die Streichhölzer e, auf diese der Gerüstboden, auf den man dann noch ein Bockgerüst dbringen kann. f) Das Künchener Gerüste, Fig. 1865 und 1866, besteht aus schief gelehnten Standbäumen a mit Stützschwertf; mittels der Stütze b und der Riegel ç wird die Auflage für die Streichhölzer g g und die Netzriegel h geschaffen, die den Boden tragen.. Die etwa 2½—3 m. von einander entfernten Joche werden durch Schwerter ee mit ein⸗“ ander verbunden. Für blose Abputzung pflegt man in München einfach sehr starke Leitern Fig. 1861. an das Hauptgesims anzulehnen, u. auf die Sprossen nach den Fenstern zu Streckhölzer od.starke Pfosten zu legen, welche dann die Streichstangen tragen. Bei sehr hohen Gebäuden bekommt die Leiter ein Stützschwert. g) Gerüste für außergewöhnlich hohe Bauwerke, Thürme re., sowie für solche, wenn auch nicht sehr hohe Gebäude, bei denen viel schwere Werkstücke verwendet werden, muß man förmlich abbinden, auch ihre Fußböden mit SIBLIOTHEK HEIDOELBERG O Universitat einem Geländer versehen; meist versieht man sie auch mit Schienengeleisen, auf denen fahrbare Winden hin und her gehen, um die Werkstücke nicht blos aufwärts, sondern auch seitwärts zu schaffen, auch wohl mit Krahnen etc. Das Abrüsten muß sehr vorsichtig geschehen, um nicht Simse, Putzfläche etc. zu beschädigen. — 2. Wölbgerüste, auch Lehrgerüste, sind hölzerne Gestelle von der Form des aufzuführenden Bogens oder Gewölbes, für mäßig große Bogen Hängegerüst neuerer Art. Jig. 1862. und Gewölbe in der Regel blos aus Pfosten oder Bretern zusammengesetzt, s. dar. d. Art. Bogenlehre. Größere G., 3. B. für weitgespannte Brückenbögen, werden natürlich vollständig abgebunden; ihre Gestalt und Konstruktionsweise ist, je nach Gestalt und Größe des herzustellenden Gewölbes, sehr verschieden, und ist eine Anleitung zu Entwerfung derselben daher nicht in dem Raum eines Lexikons zum Malen, Tapezieren etc.bestehen meist nur aus schmalen, hohen Böcken, welche mit Pfosten überlegt werden. — 4. G. für Vergolder oder Oelmaler müssen ringsum mit Leinwand verhangen werden, um allen Staub und Luftzug abzuhalten.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 2, S. 425Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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