Gips, Gyps, frz. gypse, m., engl. gypsum, ital. gesso, lat. gipsum, ist ein sehr verbreitetes Mineral, aus wasserhaltigem, schwefelsaurem Kalk, frz. obaux f. sulfatée, hydratée, pierref. àplatre, engl. parget-stone, hydrated sulphate of lime (46,, Theile Schwefelsäure, 32,3 Kalk u. 21 Wasser), gewonnen. Die wasserfreie Varietät des schwefelsauren Kalkes hat den Namen Anhydrit (s. d.); vgl. auch d. Art. Annalith. Einige chemische Eigenschaften u. Kennzeichen des in der Natur sich findenden G.es sind folgende: Auf Kohle vor dem Löthrohr in der Reduktionsflamme behandelt, verwandelt sich das Mineral in Schwefelcalcium, welches durch Befeuchten mit Wasser einen Geruch nach faulen Eiern (Schwefelwasserstoffgas) verbreitet. Mit Soda schmilzt der G. vor dem Löthrohr zu einem weißen Email. Ueber 100 in einem Kolben erhitzt, giebt er sein Wasser ab und verwandelt sich in wasserfreien schwefelsauren Kalk (s. d., Brennen desselben). Der G. ritzt Talk und wird von Kalkspat geritzt; sein spez. Gewicht schwankt zwischen 2.— 2,. Gewonnen wird der G. meist durch Tagebau, im Gipsbruch oder den Gipsgruben, frz. platrière, engl. gypsum-quarry. J. Arten des Gipses, der äußern Beschaffenheit nach: 1. Körniger Gips, frz. Chaux sulfatée saccharolde, albaàtre, engl. granular gypsum, albastre, graulich, gelblich und röthlichweiß, derb und eingesprengt, krystallisirt in sechsseitigen, an den Enden flach zugeschärften Säulen, welche pärweise beisammenstehen. Schichtung nicht erkennbarod. unregelmäßig. Der Bruch wechselt vom Glänzenden bis zum Schimmernden und ist meist etwas krummblätterig, zuweilen auch strahlig; zu ihm gehört der Alabaster (s. d.), der auch Gipsstein gen. wird. Mit einigen Abänderungen geht er in dichten und faserigen G. über. — 2. Erdiger Gips, Gipserde, Himmelsmehl, franz. chaux sulfatée terreuse, guhr m. gypseux, engl. earthy gypsum, kommt öfters mehr od. weniger zusammengebacken vor u. wird in diesem Fall zu Belegen von Fußböden benutzt. — 3. Faseriger Gips (Federgips, Federweiß), frz. chauxsulfatée ibreuse, engl. fibrous gypsum, s. Fasergips, bricht meistens in dünnen Schichten, springt in langsplitterige Stücke, ist weich, leicht zerspaltend u. wenig schwer. Bruch gleichlaufend, faserig und höchst zart, auch grobfaserig. — 4. Gemeiner dichter Gips, frz. chaux sulfatée, compacte, engl. compact gypsum, Farbe asch⸗ u. gelbgrau mit Abänderungen von Gelblich⸗ und Graulichweiß, mitunter auch Honiggelb u. Fleischroth; wird in ganzen Flötzen gebrochen, ist inwendig schwachschimmernd, im Bruchtheils splitterig, springt in verschiedenen eckigen u. stumpfkantigen Stücken, ist an den Kanten wenig od. gar nicht durchsichtig, weich, zerspringt leicht und ist schwer. Vgl. auch d. Art. Alabaster. — 5. Blätteriger Gips, spatiger Gips, Gipsspat od. Selenit, frz. g.spathique, cunéiforme, engl. sparry, specular gypsum, selenite, s. Blättergips, auch Frauenglas gen., u. gleich dem Glimmerfrauenglas benutzt, aber nicht so elastisch wie dieses. — 6. Schaumiger Gips, Schaumgips (Schneegips), frz. chaux sulfatée, niviforme, engl. scaly fosiated gypsum, schuppige, locker verbundene Theile, schneeweiß, perlmutterglänzend; an den Kanten durchscheinend. II. Srennen des Gipses. Bei allen Arten des rohen Gees, frz. platre cru, engl. unburnt gypsum, ist die Schwefelsäure so innig an die Kalkerde gebunden, daß sie selbst durch Glühhitze nicht daraus entfernt werden kann. Auf der andern Seite aber darf er nicht über 126 erhitzt werden, weil er sonst in Verglasung übergeht (todtgebrannt wird). Man brennt ihn daher behufs der Entziehung des Wassers und eines Theils der Schwefelsäure auf ähnliche Weise wie den Kall in Oefen od. Meilern, od. als Pulver in Kesseln od. auf Metallplatten, wobei er (bei 80, höchstens 11060.) mindestens, etwa 17—18, höchstens 21 Proz. seines Gewichts verlieren darf, indem er nicht gut bindet, wenn er nicht ca. / seines Wassergehalts behält. Vgl. auch amour duplätre. Der gebrannte G. frz. platre, platre cuit, engl. burnt gypsum, plaster of Paris, Gipskalk, Deckkalk, auch Sparkalk, u., wird durch Stampfen od. Mahlen gepulvert und dann gesiebt, und zwar liebt man zum Gießen feingesteht u.man leicht zu dem untern, 0,3, m. breiten u. 0,% hohen Schürloch gelangt. Man baut den Ofen 3,3,% —m. tief und 3—3,5 m. im Durchmesser. Vor einer starken Mauer, an der freistehenden Seite des Ofens, welche in gleicher Höhe desselben errichtet ist u. zum Schürloch einen Zugang läßt, befindet sich zum Klarschlagen des G.es eine Tenne von Lehm oder Thon, welche mit einer Hütte überbaut ist. Man nimmt beim Einsetzen des Ges in den Ofen die härtesten Steine zu unterst und läßt durch den ganzen Boden des Ofens ein Gewölbe, von diesen Steinen gebaut, von dem Schürloch aus durchgehen. Hierauf werden abwechselnd Holz⸗ und Gipsschichten in den Ofen gebracht und auf der Oeffnung desselben ein hoher Haufen von kleinen Gipssteinen gemacht. Die Feuerung durch das Schürloch dauert 12—18 Stunden. Einen neuen Gipsofen nach Mönnich giebt Fig. 1918 im Längendurchschnitt, Fig.1919im Querdurchschnitt nach Linie AB in Fig. 1918. An der einen Langseite ist bei a die Schüröffnung für die Feuerung b angebracht, die den Cylinder 6 umspielt, in den mittels des Rumpfes dder zerkleinerte Gipsstein gelangt und bei dessen Umdrehung durch das Rad k und die Kurbel e dann der Gipsstein mittels der im Cylinder befindlichen archimedischen Schraube vorgetrieben wird und bei i gebrannt herausfällt; bei g entweicht der Rauch, bei hdie aus dem G. entwickelten Wasserdämpfe. Auch hat neuerdings Violett das Brennen des G.es mit überhitztem Wasserdampf bewirkt. Ferner hat man liegende Oefen in ähnlicher Form wie die älteren Backöfen, andere mit getrennten Feuerungen. Das nach dem Brennen erfolgende Mahlen des Gees geschieht auf der Gipsmühle (s. d.). Der gut gebrannte G. muß etwas Fettiges haben, frz. amour du platre, heißt daher auch fetter G. Irz. plätre gras, engl. well burnt plaster; bei zu großer Hitze wird er leicht todt gebrannt, frz. perd l'amour, engl. is worn, unfit. Bei Aufbewahrung hüte man ihn vor feuchter Luft, sonst steht er ab; abgestandener G. aber, frz. platré eventé, engl. dead plaster, bindet schlecht. III. Verwendungen des Gipses. 1. Als Gußwerk: Man rührt den gebrannten und pulverisirten G. während des Aufgießens von Wasser oder Leimwasser schnell ein u. gleichmäßig um und gießt ihn dann in die Formen (s. d.), und zwar so schnell, aber doch so gleichmäßig, daß er keine Blasen wirft; er erhärtet sehr schnell, man muß sich daher beeilen, damit er nicht abstehe, und schon nach zwei Stunden kann man den Abguß aus der Form nehmen. Dabei ist zu merken, daß das Gipspulver durch das Zusetzen von Wasser nicht an Volumen zunimmt (quillt), sondern beinahe um ½ zusammensinkt, beim Erstarren u. Erhärten aber nicht schwindet, sondern anschwillt, ca. um ¼¾ seines Bolumens. Diese Eigenschaft ist namentlich beim Gießen von Gipsästrich sehr zu berücksichtigen, ist auch sehr vortheilhaft bei Berwendung zum Ausgießen von Fugen. — 2. Zu Erzeugung von Abdrücken durch Presfen. Man thut den zu verwendenden G. in eine Art Trommel, welche, auf einer Achse ruhend, gedreht werden kann, und setzt sie mit einem Dampfkessel in Verbindung, worauf der G. in kurzer Zeit die hinreichende Menge Wasser in sich aufgenommen hat, was durch Wägen sehr genau kontrolirt werden kann. Der so präparirte G., welcher stets seinen pulverigen Zustand behält, wird hierauf in die Formen gefüllt u. der Wirkung einer kräftigen hydraulischen Presse ausgesetzt; nach kurzer Zeit können die Formen aus einander genommen werden. Dergleichen geformter G. ist sehr hart u. nimmt die Politur des Marmors an. — 3. Als Mörtel. Dabei ist noch besonders zu merken: Im Feuchten trocknet der G. nie aus, verliert auch allmählich seine Bindekraft vollständig, man nennt ihn dann ersoffen, frz. mouillé; kommt er mit Eisen in Berührung, so wirkt die im G. noch gebliebene Schwefelsäure auf das Eisen ein, besonders wenn der G. nicht schnell trocknen kann; bis zu einem gewissen Grad wirkt diese Oxydirung günstig; zu weit, d. h. bis zur völligen Zerstörung der Nägel, Schrauben, Drähte etc., die die Gipstheile halten sollen, darf man sie natürlich nicht gehen lassen. Wenn der G. bereits mit dem Wasser zu binden begonnen hat, darf man kein weiteres Wasser zusetzen; der Gipsbrei bindet dann nicht mehr und heißt dann todt. Man muß ihn daher gleich anfangs je nach Bedarf entweder dick anmachen (frz. platre serre) od. dünn (frz. platre clair), od. endlich ganz dünn (frz. platre noyé). 3) Gipsmörtel zum Gießen. Gewöhnlich nimmt man zu 2 Raumtheilen Gipspulver 1 Th. Wasser. 1 L. gebrannter G. giebt mit Wasser an /¼ seines Gewichts 2½J. dünnen Mörtel, mit weniger Wasser angerührt wird zwar der Mörtel fester, erhärtet aber auch schneller u. ist deshalb bei der Verwendung unbequem. Durch Beimischung von ½% Alaun u. /6 Salmiak wird seine Härte noch vermehrt. b) Gipsmörtel zum Rauhputz oder zum Mauern. 3 Theile Kalkmörtel werden mit 1 Theil Gipsmörtel (nach a) vermengt, s. auch Gipsbewurf. e) Zum Ziehen von Gesimsen, s. Gipsstuck. d) Zum Modelliren. Einen sehr langsam trocknenden knetbaren Gipsmörtel geben folgende Mischungen: aa) 8Raumtheile G. werden mit 5Raumtheilen dünnem, warmem Leimwasser angemacht: diese Mischung verzögert den Beginn des Bindens um 20 Minuten, das Trocknen um 30—40 Minuten, u. gestattet also bequemes Modelliren; nach 10 Stunden läßt sich das Modellirte sehr bequem und glatt mit dem Messer behandeln, nach 11 Stunden mit der Feile, wird aber dann ungemein hart. bb) 1 Raumtheil konzentrirte Boraxlösung, mit 12 Raumtheilen Wasser zu 24 Raumtheilen Gipspulver gesetzt, ver-HEIDOELBERG O Universitatsbi zögert das Trocknen um 15 Minuten, 1½ Raumtheil Boraxlösung um 50 Minuten, 3 Theile Boraxlösung um 3—5Stunden, 6 Theile Boraxlösung um? — 10 Stunden, 12 Theile Boraxlösung um 10—12 Stunden. Vergl. auch noch d. Art. Gipsmörtel. — 4. Als Gipsästrich, frz. aire en plätre, engl. plaster-floor, s. Aestrich 4. u. 8.— 5. s. Farbe 17e, Bronziren, F. d, Ehromgelb, Schabloneetc.