Gußeisen, n. frz. fer m. de fonte, fonte, f., engl. castiron (Hütt.), diejenige Eisenart, aus welcher nach dem heutigen Stand der Technik alle anderen Eisenarten fast ausschließlich dargestellt werden. Unter G. im weiteren Sinn, besser Klußeisen, frz. ker fondu, engl. ingot-iron, versteht man alle durch Schmelzen erhaltene Eisensorten. I. Arten des Gußeisens. a) Das durch den Hochofenprozeß aus den Eisenerzen gewonnene kohlenstoffreiche Eisen wird als Roheisen, frz. fonte brute, fer oru, engl. crude iron, pig-iron, bezeichnet; s. d. Art. Eisen. Durch wiederholtes Schmelzen erhält man daraus bp) das eigentliche Gußeisen, franz fonte de deuxième fusion, fer de fonte, im engern Sinn, engl. cast-iron, welches wiederum je nach seiner Beschaffenheit in mehreren, hauptsächlich aber in drei Sorten vorkommt, die sich im Bruch od. Korn u. im Grad der Schmelzbarkeit von einander unterscheiden. Durch das Umschmelzen wrd das G. reiner, dichter, fester und feinkörniger, und zwar mehr im Lien ett Irer wenn man dasselbe längere Zeit flüssig erhält, als im Kupolofen. Bei der Auswahl u. dem Gattiren (Vermischen verschiedener Sorten) ist hauptsächlich die Art der zu gießenden Stücke maßgebend. Marke Nr. 1, weißes Gußeisen, franz. konte blanche f. d'affinage, engl. white cast-iron, forge-pig, cast-iron No. 5, u. lichtgraues Gußeisen, frz. f. grise claire, engl. castiron NO. 3, die bei großer Hitze sehr dünnflüssig wird; Potterie, d. h. Gefäße und Verzierungen, überhaupt sehr dünne Gegenstände, in denen schwammige Stellen gar nicht vorkommen dürfen, bei denen auf Festigkeit gar nichts, auf Weichheit (welche das Zerspringen des Gusses verhindert) und auf Dünnflüssigkeit (also auf Fähigkeit, die Form gut zu füllen) Alles ankommt, werden aus dieser am schwersten schmelzbaren Eisensorte gegossen. Der Bruch dieses Eisens ist weiß und grobkörnig. Maschinentheile, bei denen es mehr oder weniger auf Festigkeit u. Dichtigkeit ankommt, werden aus einem geeigneten Gemisch von Marke Nr. 1 u. 2 gegossen, halbirtes Gußeisen, frz. fonte truitée, engl. mottled pig-iron, castiron No. 4. Die Marke Nr. 2, graues Gußeisen, frz. konte grise, fonte HEIDOELBERG O Universitatsbi de moulage, engl. foundry-pig, cast-iron No. 2, eignet sich für die meisten Gießereizwecke; diese Sorte ist leichter schmelzbar u. hateinen etwas ungleichmäßigen Bruch. Für gröbere Maschinentheile und Bautheile kann diese Sorte unvermischt (ungattirt) zur Verwendung kommen. Die Marke Nr. 3, schwarzes oder hartes Gußeisen, frz. tonté dure, fonte noire, engl. black or hard pig-iron, cast-iron No. 1, ist von sehr feinem Korn, leicht schmelzbar, aber strengflüssig, erstarrt langsam und erst, nachdem sie einen teigartigen Zwischenzustand durchlaufen hat, schwindet wenig u. giebt einen dichten u festen, aber auch spröden und nicht gut zu bearbeitenden Guß. Die Beschaffenheit des G.s erkennt der Praktiker nicht nur am Bruch, sondern auch am Spiegel des flüssigen Metalls. Geschmolzenes Eisen bildet nämlich, wenn es sich im Zustand möglichster Ruhe, z. B. in einem Tiegel befindet, worin es geschmolzen wurde, eine desto reinere und um so mehr spiegelnde Oberfläche, je wärmer das Eisen ist. Ist das Eisen dagegen nicht in Ruhe, was fast immer der Fall ist, wenn es sich in der Gießpfanne befindet, so erblickt man auf den Spiegel desselben Figuren, welche durch eine Art komplizirter Wellenbewegung entstehen und aus deren Gestalt und Bewegung man auf die Beschaffenheit des Eisens schließen kann. Sehr warmes Eisen von grobem Kort zeigt in dieser Beziehung auf seinem Spiegel ein rasches Flammen u. Zucken u. beim Kälterwerden schnell wechselnde Sternchen, die um so größer werden, je kälter (matter) das Eisen wird. C) Schmiedbares Gußeisen, hämmerbares Gußeisen, adoncirtes Gußeisen, auch Flußeisen im engern Sinn, Flußschmiedeeisen, Gußschmiedeeisen gen., frz. konte malléable, engl. malleable cast-iron, wird dadurch gewonnen, daß man Gußartikel, besond. kleinere, schwierig durch Schmiedarbeit herzustellende Maschinentheile, Schloßtheile, Thürgriffe, Klopfer etc., durch Eisenguß erzeugt u. nachträglich unter Abschluß der Atmosphäre, in thönernen oder gußeisernen Tiegeln mit dem Adoueirmittel, d. h. sauerstoffhaltigen Substanzen, wie Braunstein, Eisenoxyd, Zinkoxyd, eine genau abzumessende Zeit hindurch roth glüht, wodurch der Kohlenstoff des G.s theilweise oder gänzlich pverbrannt wird und Schmiedeeisen entsteht. Dieses in der Rothglühhitze schmiedbare, bei großer Vorsicht auch schweißbare G. gewinnt eine immer ausgebreitetere Anwendung. Zu Erzeugung dient der Bessemerprozeß (s. d.) oder der Martinprozeß im Flammofen, dessen Produkt man auch Flammofenflußeisen nennt; s. d. Art. Gußstahl. d) Nichtrostendes Gußeisen, frz. fonte inoxydable, laiton blanc, engl. wFhite-brass, ist eigentlich kein G., sondern Messing mit Eisenzusatz. II. Das Schmelzen des Roheisens erfolgt meistens im Kupolofen (s. d.); das früher übliche Umschmelzen in Tiegeln kommt nur noch sehr selten vor. Das geschmolzene Eisen wird durch ein Loch an der Sohle des Ofens in die eisernen Gießpfannen abgelassen, welche mit Lehm ausgestrichen sind. Diese Pfannen heißen Handpfannen, wenn sie von einem Mann an dem angebrachten Stielgetragen werden können. Größere Pfannen, von zwei, drei u. vier Mann getragen, nennt man, wegen der gabelförmigen Stiele, Gabelpfannen. Größere Massen werden in den Krahnenpfannen mit Hülfe eines Krahnes vom Ofen nach den Formen bewegt. III. Anforderungen an das Roheisen, Verhalten desselben beim Guß. Das Eisen muß, damit es zum Gießen tauge, ohne zu große Schwierigkeit schmelzbar sein, nach dem Guß aber dichtes Gefüge ohne Blasen etc. besitzen, und die Gießform selbst nach dem Erstarren möglichst vollständig ausfüllen; dies wird geschehen, wenn es in geschmolzenem Zustand möglichst dünnflüssig ist, doch auch dann nie ganz vollständig, da alles gegossene Eisen während des Erstarrens selbst sich ausdehnt, bei der Abkühlung aber sich zusammenzieht (schwindet). Das Schwindmäß kann man beim Gußeisen als lineare Zusammenziehung auf im Kubikinhalt auf ½ annehmen. Für das Zeichnen etc. von Modellen gilt als bequemer Anhaltepunkt, daß man die Längen etc. in so viel rheinischen Zollen aufzeichnet, resp. im Modell bemißt, als der gegossene Gegenstand nach dem Erkalten sächsische Zolle haben soll. Durch das Schwinden allein würde die Gestalt sich nicht verändern; da aber die Erkaltung an schwächeren Stellen schneller vor sich geht, so wird an solchen Stellen leicht ein Reißen, auf größeren Oberflächen ein Einsinken, das sogen. Saugen, an anderen Stellen durch ungleichmäßige oder zu schnelle Abkühlung ein Werfen eintreten. Am besten nun eignen sich hellgraues u. halbirtes Roheisen zum Guß; dunkelgraues wird meist porös im Guß, ist auch nicht fest genug; weißes ist zu spröde, nicht dünnflüssig genug u. zieht sich leicht beim Erkalten. IV. Formen und Gießen, frz. moulage et coulage, engl. moulding and casting. Die Formen werden theils über, theils unter der Sohle des mit Formsand ausgefüllten Gießereifußbodens hergestellt u. sind in Hinsicht der Verwendung entweder verlorene, d. h. nur einmal brauchbare, od. bleibende; nach dem Material, aus dem man sie herstellt, entweder Sand⸗, Masse-oder Lehmformen. — 1. Sandformen, frz. moule m. en sable maigre, engl. sandmould, zu Herstellung des Sandgusses, welcher wieder in Herdguß u. Kasten-od. Flaschenguß zertheilt wird, werden über Modelle von Holz, Messing, Zinn, Eisen, Blei, Gips etc., welche je nach ihrer Gestalt in verschiedene Theile zerlegbar sind, geformt. Da der (magere) Sand in trockenem Zustand leicht zerbröckelt, so werden die Sandformen feucht verwendet; da sich aber in solchen Formen das Eisen schnell ablühlt (abschreckt), so wird es leicht zu hart. Ferner entwickelt sich beim Eingießen des flüssigen Metalls Wasserdampf und Wasserstoffgas, welches man durch Luftabzüge (Windpfeifen) aus der Form ausläßt. a) Kastenguß od. Flaschenguß heißt der Eisenguß, wenn er in eine Kastenform, frz. moule en chassis, engl. flask mould, d. h. eine allseitig umschlossene Form, geschieht, die aus Sand in einem hölzernen oder eisernen Kasten, auch Formflasche genannt, hergestellt wird. b) Bei der Herdformerei, frz. moulage à découvert, engl. open sand-moulding, und dem Herdguß, frz. fonderié à découvert, wird das Modell einfach in die obere Fläche des Sandes eingedrückt; in die so entstehende Form läßt man das Eisen einlaufen, ohne die Form abzudecken. Man kann demnach blos Platten und andere solche Gegenstände in Herdformen gießen, die eine rohe Rückseite haben können. Herdguß ist natürlich billiger alsKastenguß, weil er weniger Arbeit beim Formen verursacht. — 2. Lehmformerei. Größere, bes. hohle Gegenstände werden in Lehm geformt, und zwar entweder über Lehm oder über Holzmodelle (Kerne), oft über beide zugleich gegossen, welche die Gestalt der Höhlung haben. Die Lehmformen, frz. moule en argile, engl. Ioam-mould, werden in einem verschließbaren u. stark zu erwärmenden Raum, der Trockenkammer, verfertigt. Bei Kesseln etc. werden die Kerne aufgemauert, mit Lehm überzogen, dann die dem Gegenstand zukommende äußere Form von Lehm aufgetragen (Eisenstärke) u. über diese der Mantel wieder von Lehm geformt, welcher meist durch Schienen von Eisen seine Festigkeit erhält (Manteleisen). Nach Vollendung des Mantels wird dieser abgenommen, die Eisenstärke weggebrochen und Mantel und Kern eingedämmt, bei großen Gegenständen in die dazu bereitete Dammgrube. Bei ganz kleinen Gegenständen wird die Eisenstärke von Wachs aufgetragen u. schmilzt dann beim Hineinfließen des Eisens weg. — 3. Masseformerei, frz. moule en sable gras, engl. green-sand-moulding, unterscheidet sich von der Sandformerei nur durch die Zubereitung des Sandes, welcher durch Mischung mit Lehm eine größere Dichtigkeit erlangt. —4. Das Formen in Schalen, Schalenguß, frz. moule en coquilles, engl. chilled-work, giebt sehr harte Gußwären. — 5. Das Formen in Metallformen, bes. in Formen aus Eisen u. Kupfer, ist da vorzuziehen, wo sehr viel Exemplare desselben Gegenstandes zu gießen sind. — 6. Das Formen in verlorener Form, frz. moule à creux perdu, engl. moulding in dead môuld, die entweder aus Sand, oder aus Lehm, Gips oder dergl. bestehen kann, empfiehlt sich nur dann, wenn nur ein einziger Abguß gebraucht wird. — 7. Die Schwartenformerei, franz. moule ù la croùte, engl. moulding withclay-sheats, d. h. das Formen mit Thonschalen, gehört eigentlich zu 6. — 8. Die Handformerei, frz. moule à la main, engl. hand-moulding, wo die Form in Lehm oder Sand aus freier Hand gemacht wird, also ohne Modell, gehört ebenfalls zu 6. — 9. Die Schablonenformerei, frz. woule 12 trousse, engl. templet-moulding, für lange Körper (Balten, Simse etc.), auch für Säulen und Decken etc., ist eigentlich eine Art der Handformerei, wobei die Form mittels einer Schablone am Schlitten gezogen wird. — 10. Das Stürzformen, Umstürzformen, frz. moule au renversé, engl. turn-moulding, wobei die Form ohne Kern hergestellt wird. Bei jeder Art des Formens muß hauptsächlich darauf gesehen werden, daß es den in der Form sich bildenden, durch die Hitze des fließenden Eisens entwickelten Gasen möglich ist, sich aus der Form entfernen zu können, weil sonst der Guß porös werden würde. Man muß daher, bes. bei Anwendung von Kernen, also beim Guß hohler Gegenstände, überall Oeffnungen u. Kanäle anbringen, wo jene Gase ausströmen können, die man dann beim Gießen anbrennt. Man unterscheidet auch wohl harten u. weichen, groben u. feinen oder Kunstguß. Hart oder weich wird der