FeedGalvanismus
TechnikBau-Lexikon 1881

Galvanismus, m., frz. galvanisme, électricits voltalque, engl. voltaism, nennt man die von Alois Galvani (geb. 1737, gest. 1798) zufällig entdeckte Berührungselektrizität, für welche jedoch erst später Volta, der sie als hervorgebracht durchzwei ungleichartige Metalle erkannte, die richtige Erklärung fand. Der G. hat in verhältnismäßig kurzer Zeit seine ältere Schwester, die Reibungselektrizität, an Wichtigkeit für das praktische Leben weit übertroffen. Der galvanische Strom zeichnet sich vor dem Strom der Reibungselektrizität bes. dadurch aus, daß er keine Neigung hat, den Leiter, in dem er sich eben befindet, zu verlassen, wenn er auf den zweiten nicht durch eine gut leitende Verbindung geführt wird; wogegen der letztere leicht in Funken von einem Leiter zu einem andern, bessern überspringt. Man erzeugt den galvanischen Strom meist durch ein oder mehrere Elemente (s. d. unter 4), welche man verschieden mit einander verbindet, um für jeden gegebenen Fall die erwünschte Intensität des Stromes zu erlangen. Außer der ausgedehnten Anwendung in der elektrischen Telegraphie brauchen die Gewerbe den G. z. B. 1. zum Aetzen von Metallplatten. Zu diesem Ende wird eine solchegrundirt, diezu ätzende Zeichnung mit der Nadel eingerissen, so daß die Metallfläche blosgelegt wird, u. die Platte dann in einem Gefäß mit geeigneter Flüssigkeit, die je nach den Metallen verschieden ist (bei Kupfer z. B. eine starke Lösung von Hupfervitriol), mit dem vom negativen Pole eines Elementes oder einer Batterie (d. h. bei einem Daniellschen Element vom Kupfer, bei einem Bunsenschen von der Kohle) ausgehenden Draht verbunden. Ihr gegenüber wird dann in demselben Gefäß eine andere Platte, mit dem vom positiven Pole(Zinnende) lommenden Draht, angebracht. Die galvanische Aetzung ist schärfer u. kann tiefer ausgeführt werden als die durch Säuren. — 2. Will man mittels der Galvanoplastik plastische Ablagerungen hervorbringen, so dreht man die Sache einfach um; das mit Metall zu überziehende Original, ist, eine leitende Oberfläche geben muß, wird am positiven Draht, eine gleiche Metallplatte am negativen sich Metall an jenem nieder. — 3. Auf eben diese Weise vergoldet u. versilbert man auch Gegenstände durch den G., indem man gold⸗, resp. silberhaltige Flüssigkeiten anwendet. Derlei Apparate werden für kleinere Gegenstände in kompendiöser Form so zusammengesetzt, wie es Fig. 1811 zeigt, u. werden dabei die Elemente beide auch nur mit verdünnter Schwefelsäure gefüllt. Stets muß die Oberfläche der Körper, auf welchen ein galvanischer Niederschlag fest haften soll, metallisch rein, der angewendete Strom möglich schwach sein. — 4. Man benutzt den G. auch zur Färbung der Metalle, Galvanochromie, in Regenbogenfarben.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 2, S. 394Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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