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HeilkundeBrockhaus 1882

Freyeinet (Charles Louis de Saulces de), franz. Staatsmann, geb. 14. Nov. 1828 zu Foir im Depart. Ariége, wurde auf der Polytechnischen Schule für das Ingenieurfach vorgebildet und trat zunächst in der Bergverwaltung in Dienst. Von 1856 bis 1861 war F. Betriebsdirektor der Jabren 1892 Südbahn, unternahm dann in den Jahren 1862—67 wissenschaftliche Reisen im Auftrage der Regierung und veröffentlichte auf Grund seiner Studien und Beobachtungen ein treffliches Werk über das Gesundheitswesen in Städten, „Principes de Passainissement des villes o (Par. 1870), welches die Aufmerksamkeit der wissenschaftlichen Kreise und der höhern Staatsbeamten auf ihn lenkte. Nach dem Sturze des Kaiserreichs stellte sich F. dem Minister Gambetta persönlich vor und trug demselben seine Ansichten über die Lage und die Hilfsmittel Frankreichs vor, worauf 6. Sept. 1870 seine Ernennung zum Präfekten des Depart. Tarn-et-Garonne erfolgte. Als Gambetta Anfang Oktober zu Tours neben der Verwaltung des Innern auch das Kriegsministerium übernahm, berief er sogleich F. als «persönlichen Delegierten des Kriegsministerso an seine Seite. F. nahm nicht nur teil an der Aufstellung aller auf militärische Angelegenheiten bezüglichen Entwürfe Gambettas, sondern verlieh diesen Entwürfen durch die selbständige Bearbeitung der Ausführungsvorschriften erst Gestalt und Leben. Gambettas beständige Eingriffe in die Führung der im Felde stehenden Armeen brachten bald Reibungen zwischen den franz. Heerführern und F. zuwege, die insbesondere im Bereiche der ersten Loirearmee des Generals Aurelle de Paladines auffälligen Einfluß auf den Verlauf der Operationen gewannen. Wie Bedeutendes F. in seiner schwierigen Stellung damals geleistet hat, ist seinem Werke «La guerre en province pendant le siége de Paris 1870—715 (Par. 1871; deutsch, Bresl. 1872) zu entnehmen. Die schnelle Einrichtung des Feldtelegraphen- und Feldeisenbahndienstes bei den neuerrichteten franz. Heeren, sowie die reichliche Ausstattung der Stäbe und Truppen mit brauchbaren Karten sind lediglich der Thätigkeit F.s zuzuschreiben, während die von Aurelle de Paladines in der Schrift La première armée 300 Freycinet (Louis Claude Dese de la Loires bekannt gegebenen schädlichen Eingriffe in die Truppenführung dem rastlosen Treibden Gambettas, dessen Weisungen F. befolgen mußte, beizumessen sein dürften. Bei den Ergänzungswahlen im Juli 1871 kandidierte F., wurde jedoch nicht gewählt und trat wieder in den Eisenbahndienst zurück; dagegen wurde er 1876 in den Senat gewählt und schloß sich der republikanischen Linken an. F. wurde 13. Dez. 1877 im Ministerium Dufaure Minister der öffentlichen Arbeiten und entwarf einen großartigen Plan für den systematischen Ausbau der franz. Eisenbahnen und Kanäle. Im J. 1878 erhielt F. vom Parlament die Ermächtigung, eine Anzahl Privatbahnen zum Preise von 500 Mill. Frs. für den Staat anzukaufen, übernahm dann nach dem Rücktritt Waddingtons 29. Dez. 1879 den Vorsitz des Ministeriums und die Leitung der auswärtigen Angelegenheiten, während sein Freund Varroy das Ministerium der öffentlichen Arbeiten übernahm. Durch Gambettas Einfluß wurde der maßvolle und deshalb den europ. Mächten allseitig genehme F. mit Hilfe der Kammer zu mehrern radikalen Maßregeln (vollständige Amnestie der Communards, Dekrete gegen die nicht autorisierten Kongregationen) genötigt, doch trat er in Montauban den unbedachten, 18. Aug. von Gambetta zu Cherbourg ausgesprochenen Worten mit Nachdruck entgegen, suchte die chauvinistische Bewegung in ruhigere Bahnen zu leiten und mit dem Vatikan bezüglich der Kongregationen eine Verständigung herbeizuführen. Da veranlaßte Gambetta 21. Sept. 1880 F.s Rücktritt von der Staatsleitung, um dieselbe selbst zu übernehmen, erwies sich jedoch nach wenigen Monaten bereits als so wenig hierfür befähigt, daß er dieselbe freiwillig niederlegte. F. trat hierauf 30. Jan. 1882 abermals an die Spitze der Regierung und leitete zugleich das Ministerium des Auswärtigen. Er suchte im Innern wie bei den fremden Mächten die Folgen der agitatorischen Thätigkeit Gambettas zu beseitigen und Frankreich aus seiner Isoliertheit zu erlösen und vermied die ihm zur Entwickelung von Frankreichs Macht im Mittelmeer angesonnenen Abenteuer, überließ in der ägypt. Frage die Führung der brit. Regierung, wollte jedoch an der Beschützung des Suezkanals sranz. Truppen und Schiffe teilnehmen lassen. Die Kammer bewilligte indessen die hierzu erforderlichen Mittel nicht, worauf F. 30. Juli von der Leitung des Ministeriums zurücktrat. Von der Akademie wurde F. an Bussys Stelle zum Mitglied erwählt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 299Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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