FeedFrosttage
PflanzenreichBrockhaus 1882

Frosttage ist die meteorolog. Bezeichnung für diesenigen Tage, an denen die Temperatur nur unkt) we (also nur im Minimum) unter O' C. inkt, während man als Eistage diejenigen bezeichnet, an welchen die Temperatur stets (also selbst im Maximum) unter 0' C. bleibt. Einige Meteorologen bezeichnen indes als F. nur diejenigen Tage, an denen die mittlere Temperatur unter 0˙C. steht. rostwirkung im Pflanzenreiche. Frost, wenn er lange genug anhält, bewirkt das Gefrieren des Zellsaftes und führt den Tod der hiervon betroffenen Partien des Gewebes herbei, wahrscheinlich infolge einer krankhaften Veränderung des Zellinhalts. Die F. ist nach Stärke und Ausbreitung verschieden, je nachdem sie in der Zeit eintritt, wo die Pflanzen sich im Zustande der Ruhe befinden, oder dann, wenn die Vegetation bereits angeregt oder in vollem Gange ist. In der zuerst genannten Periode leiden meistens nur Kulturgewächse, welche in ihrer Heimat eine etwas mildere Wintertemperatur auszuhalten haben oder durch besondere Umstände hierzu disponiert sind. Bei Wild- und Obstbäumen wirkt Frost am verderblichsten in der Zeit, in welcher sie im vollsten Triebe sich befinden, wie im Mai 1880. Selbst diejenigen Bäume, welche nach jener Katastrophe noch gesund zu sein schienen, gingen noch nachträglich zu Grunde. Dies ist noch 1883 der Fall bei Obstbäumen, welche im Winter 1870/71 vom Frost berührt wurden. Selbst äußerlich noch gesunde Triebe anscheinend verschont ebliebener Bäume starben, zur Veredelung von Wildlingen benutzt und vollkommen angewachsen und in Vegetation, fruher oder später ab. Eine in Obstgärten nicht selten vorkommende Erscheinung sind die Frostplatten, d. h. plattenartig eingesunkene Stellen der Rinde, welche die Bewegung des Saftes hemmen und in den Haushalt des Baumes störend eingreifen. Sie entstehen meist auf der Südwestseite des Stammes, wenn im Winter der Saft unter dem Einflusse der Sonnenwärme in Thätigkeit gesetzt und durch darauf folgende niedrige Nachttemperatur krankhaft verändert wurde. Um diesen Schaden zu heilen, hebt man die abgestorbene Rindenpartie samt den darunterliegenden Gewebeschichten ab und verschließt die Wunde durch eine aus dickflüssig gemachtem Lehm, Rindermist und einigem Kälberhaar bereitete Salbe. Frostspalten oder Frostrisse an Bäumen entstehen nicht, wie früher angenommen wurde, infolge der Ausdehnung des gefrierenden Saftes, sondern nach Casparys Beobachtungen dadurch, daß das Holz sich unter der Einwirkung hoher Kältegrade in der Richtung des Radius weniger stark zusammenzieht, als in der der 4 — — Solche Spalten, wenn sie sich nicht von selbst wieder schließen sollten, füllt man ebenfalls, nachdem man die Wunde etwas erweitert hat, mit der angegebenen Salbe aus.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 381Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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