Eis, n., frz. glace, f. engl. ice. A. Genutzung desselben im Bauwesen. — 1. Als Kühlmittel in Kellern, s. d. Art. Eiskeller. — 2. Als (gewissermaßen) Heizungsmittel in Gewächshäusern, Gemüsekellern re. Um Pflanzen vor dem Erfrieren zu schützen, kennt man nur zwei Mittel, entweder sie in eine solche Tiefe zu bringen, daß sie von der äußeren kalten Luft nicht erreicht werden, oder dieser Luftumgebung auf künstliche Weise den nöthigen Grad von Wärme geben. Da nun unbedecktes Wasser stets schneller gefrieren wird als das Vegetationswasser der Pflanzen, so ergiebt sich ein sehr einfaches Mittel, um Pflanzen vor den Einwirkungen des Frostes zu schützen. Es wirdnatürlich dieses Verfahren sich auf Kalthäuser und Gemüsekeller beschränken, welche nur dazu dienen sollen, daß das Wasser in den Pflanzenzellen nicht gefriert. Um vom flüssigen zum festen Zustand überzugehen, giebt das Wasser bekanntlich ein Quantum von Wärme ab, das genügend sein würde, eine gleiche Quantität Wasser von Nullpunkt bis zu 79Grad des hunderttheiligen Thermometers zu erhitzen. Findet diese Wärmeentwickelung in geschlossenem Raum ohne Luftzug statt, wo die Durchlassung deräußern niedern Temperatur langsam und fast unmerklich ist, so wird die Quantität des gefrierenden Wassers im Verhältnis zu der Stärke des Frostes stehen, und wenn die Wassermasse beträchtlich genug ist, bes. genügend große Oberfläche bietet, so wird das sich bildende Eis stets hinreichend sein, um das Gleichgewicht zu erhalten, d. h. die Temperatur auf den Nullgrad zu beschränken und so den weitern Frost fern zu halten. Zu Erreichung des gewünschten Zweckes nun ist es nöthig, daß die Räume während des Frostes geschlossen und ohne Luftzugang sind, daß sie einen natürlichen Schutz haben u. große Oberfläche und wenig Tiefe bekomme — daß das entstandene Eis oft genug abgenommen werde, daß das Wasser dann stets um so viel wieder ergänzt werde, aber auch leicht abgelassen werden kann, sobald keine Fröste mehr zu befürchten sind, weil dann die Nässe schädlich werden würde. Nie schadet dieselbe während des Frostes, weil sich die Luft dann nur mit sehr kleinen Wasserquantitäten beladen kann. Es sind Versuche angestellt worden. wonach alle Gemüse, alleOrangeriepflanzen u. sogareinige Kaktusarten bei derartigen Heizungen überwintert werden können. B. gereitung des Eises. Da Wasser bei einer Temperatur von 16²0C. für jedes Pfund ca. 95 Einheiten Wärme mehr enthält, als dieselbe Gewichtsmenge E., so handelt es sich 3. B. bei der Herstellung von 100 Pfd. E. aus Wasser von mittlerer Temperatur darum, daß dem letzteren 9594100 = 9500 Wärmeeinheiten entzogen werden. Es kann diese Wärmeentziehung künstlich auf verschiedene Weise, bei Fabrikationim großen bes. durch Verdampfen von Flüssigkeiten oder durch Expansion vorher komprimirter atmosphärischer Luft bewirkt werden. Die Mengen der beim Verdampfen verschiedener Flüssigkeiten absorbirten (latent gemachten) Wärmeeinheiten sind pro Pfund beziehungsweise folgende: Wasser 540, flüssiges Ammoniak 500, Alkohol 219, Aether 90. Man wird jedoch, trotzdem das Wasser hiernach bei der Verwandlung in Dampfdie größte Wärmemenge absorbirt, Wasser nicht wählen, weil dasselde erst bei 1006C. kocht, sondern lieber zu den flüchtigeren Stoffen, wie Alkohol, Aether und Ammoniak greifen, wobei zur Umwandlung eines Centners Wasser von 156 C. in Eis folgende Mengen verdampft werden müssen: Aether 105 Pfd., Alkohol 47 Pfd., flüssiges Ammoniak 19 Pfd. Hieraus folgt, daß es am praktischsten sein wird, Ammoniak zu künstlicher Eisbereitung zu benutzen. Bei der Wärmeabsorption durch Expansion atmosphärischer Luft ist ein Hauptübelstand, daß zur vorher nothwendigenKompression großer Kraftaufwand erforderlich ist. Da in jedem dieser Fälle die Eisproduktion auf künstlicher Würmeerzeugung, also auf der Verbrennung von Kohlen beruht, so ist zu fragen: wie viel Pfd. Kohlen braucht man zu Herstellung von 100 Pfd. E.? Man hat berechnet, daß eine theoretisch vollkommene Eismaschine pro Stunde und Pferdekraft 294 Pfd. E., also in 10 Arbeitsstunden ca. 3000 Pfd. E. von 3²Kälte aus Wasser von 10O. produziren kann. Setzt man pro Stunde u. Pferdekraft einen Konsum von 3 Pfd. Kohlen voraus, so würde demnach 1 Pfd. Kohle zu Produktion von 100 Pfd. E. genügen. Die wirklich ausgeführten Eismaschinen weisen aber höchstens 10/ dieserLeistung auf, d. h. man braucht zu Erzeugung von 10 Pfd. E. mindestens 1 Pfd. Kohle. Ueber Anlage- und Betriebskosten entnehmen wir dem Preisverzeichnis der Aktiengesellschaft für Fabrikation von Eismaschinen etc. (vorm. Oskar Kropff & Co. in Nordhausen, Preußen, erste Fabrik dieser Maschinen in Deutschland), folgende Data. Der Betrieb der betr. Eismaschine geschieht durch Verdampfen von Salmiakgeist mittels Wärme, entweder durch direktes Feuer oder indirekten Dampf. Der gebrauchte Salmiakgeist wird immer wieder benutzt und beträgt dessen Verlust ca. 1 Pfd. auf 20 CEtr. E. Anlagekapital und Rentabilitätsnachweis einer kontinuirlich arbeitenden Eismaschine von 500 Pfd. stündlicher Leistungsfähigkeit stellen sich wie folgt: ö 3330 Mark jährl. Zinsen, itatsbibliothe Heidelberg also, das Jahr zu 300 Arbeitstagen gerechnet, pro Tag 11 Mark 10 Pfg. Die gesamten täglichen Unkosten, inel. Zinsen, 3 Arbeiter, 1 Maschinist, w1900 Pfd. Kohlen, 5 Pfd. Chlorcalcium, 12 Pfd. Salmiakgeist, Beleuchtung, berechnen sich zu 43 Mk. 50 Pfg. Da nun in 24 Stunden 12000 Pfd. E. erzeugt werden können, so kosten je 100 Pfd. 37½ Pfg. Bei kleineren Maschinen stellt sich der Preis des Eises höher, bei größeren niedriger. [Sc²⁰.