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ErdkundeBrockhaus 1882

Gallipöli (Callipolis, zu Plinius' Zeiten Anxa), eine etwas befestigte See⸗ und Handelsstadt in der ital. Provinz Lecce (Terra d'Otranto), zur See 74 km im SO. von Tarent, zu Lande 44 km im WSõ. von Otranto, verdankt ihren griech. Namen Kallipolis (Schönstadt) wahrscheinlich ihrer seniniet Lage am Golf von Tarent auf einer Feleninsel, die durch eine schöne Brücke von 12 Bogen mit der Vorstadt Lizza auf dem Festlande verbunden ist. Der Hafen, jast anz durch einen künstlichen Molo gebildet und durch den seit 1855 begonnenen Neubau verbessert, ist geräumig, aber wegen vorliegender Klippen die Einfahrt nicht ganz gefahrlos. Die ziemlich gut gebaute, von einer Citadelle und andern Befestigungen schwach verteidigte Stadt zählt (1881) 10687 E. Dieselbe ist Sitz eines Bischofs und Hauptort eines Distrikts (von 1707 qkm mit 1881] 133 171 CE.) und hat eine schöne Kathedrale, ein Gymnasium, ein geistliches Seminar, eine technische Schule, Baumwoll⸗ und Wollmanufakturen und sehenswerte, in den Fels gehauene Olbehältnisse. G. ist eine Hauptstation für die Dampfschiffahrt von Ancona und Messina zwischen Ancona, Messina und Neapel und treibt Handel mit Öl (dem besten Pugliaöl oder neapolit. Ol), wovon 1874 an 6800000 kg am Müte wurden, für welches es der Haupthafen am Mittelmeer ist, mit Baumwolle, Apfelsinen und andern Südfrüchten, sowie großen Thunfischfang. Die Hafenbewegung belief sich auf 768 Schisse von 150540 t. allipöli (Kallipolis, türk. Geliboly), See- und Handelsstadt, Residenz eines Mutessarif (Statt-Iniets C welcher dem Generalgouverneur des Viajets Erirneh (Provinz Adrianopel) untergeben ist, 60 Km oberhalb (ostwärts) der Mündung des Hellespont, auf der Halbinsel des Thrazischen Chersones an derjenigen Stelle der Dardanellenstraße Ritte n von wo ab diese sich verengt, WMaarmn die Ritte in ihr einnehmend zwischen dem Marmara- und Agäischen Meere, ist auf einem halbinsolartigen Küstenvorsprung erbaut, welcher zwei Buchten von unterschiedlicher Größe gegeneinander abgrenzt. Die westliche und ausgedehntere von beiden bildet den eigentlichen Hafen, welcher, zum Teil den Winden vom Marmarameer her offen, unmittelbar bei der Stadt, die vergleichsweise größte 5. Jahch. darbietet. Letztere ist seit Anfang des 18. Jahrh. im Verfall, zählte früher über 100000 und gegenwärtig kaum 15000 E. (Türken, Griechen, Armenier und neuerdings viele Juden). Die Straßen sind schlecht gepflastert, eng und krumm. Sehenswert ist der aus alter Zeit stammende Bazar. Es gibt einige größere Moscheen und außerdem Denkmäler aus byzant. Zeit. Die Dardanellenstraße hat zwischen G. und dem ihm unmittelbar gegenüber gelegenen Marktflecken Tscherdakh eine Breite von 4200 m. Da indes bei letzterer Ortschaft bis zur Seefläche aufragende Sandbänke über 1000 m weit sich in den Kanal erstrecken, so verengt sich das Fahrwasser thatsächlich auf 3000 m. Die militärische Bedeutung G.s beruht einerseits hierauf; andererseits auf seiner Nahelage zu demjenigen Iwärle auf dem sich der Thrazische Chersones, westwärts von Bulair, bis auf weniger als 5000m verringert. Der Besitz von G. bietet mithin die doppelte Gelegenheit: die Seestraße und die Halbinsel zu sperren. Im J. 1854, bei Eröffnung des Orientkriegs, legten franz. Ingenieure, um den Chersones gegen einen etwaigen feindlichen Angriff sicherzustellen, bei Bulair eine Kette von Verschanzungen an, die vom Hellesvont bis zum Meerbusen von Saros reicht: dieselbe wurde seit Juli 1877 wiederhergestellt und nicht unwesentlich verstärkt. Das alte Kallipolis, dem asiat. Lampsakos schräg gegenüber und nahe dem Agos-Potamoi gelegen, wo Lysander 405 den entscheidenden Seesieg über die Athener erfocht, hieß wahrscheinlich ursprünglich Krithöte und erscheint unter jenem Namen erst zur Zeit der spätern macedon. Könige. Die Stadt war schon frühzeitig Bischofssitz und hatte, von den byzant. Kaisern befestigt, im Mittelalter große Wichtigkeit als Schlüssel des Hellespont und als Stapelplatz des ital. Handels. Hier setzten 23. bis 25. März 1190 die deutschen Kreuzfahrer unter Friedrich Barbarossa nach Asien über. Bei der Gründung des Lateinischen Kaisertums 1204 kam die Stadt unter die Herrschaft der Venetianer, wurde 1234 vom Kaiser Vatatzes von Nicäa erobert, 1306 von den Cataloniern unter Roger Flor besetzt, nach dessen Tode fast ganz ausgemordet und nach längerer Belagerung durch die Griechen und Genueser erst nach Zerstörung der Festungswerke 1307 geräumt. Auch war G. die erste europ. Eroberung der osman. Türken, welche nach ihrer ersten Landung 19. Sept. 1356 bei dem 6,5 kmeoberhalb gelegenen festen Schlosse Tzympe oder Zimpe (ljetzt Dschemenlik oder Tschini) 1357 die Stadt nebst den Schlössern Konur und Bulair einnahmen unter Soliman, der bei Sidi⸗-Kawak (d. h. Cids Platane) zwischen beiden Schlössern 1358 starb. Von den Osmanen wurde die Stadt neu befestigt, 1391 von Bajazet noch mehr verstärkt und mit einem neuen Hafen versehen. Am 29. Mai 1416 erlitten die Türken zwischen G. und Lampsakos durch die Venetianer eine Niederlage zur See. Murad II. entriß 1421 G. dem Usurpator Mustafa, der daselbst aufgehängt ward. Im Orientkriege landeten hier die Franzosen und hielten den Ort 1854—55 besetzt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 493Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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