Girgenti, das alte Agrigent (s. d.), Hauptstadt der gleichnamigen Provinz und des Distrikts im südwestl. Sicilien, liegt in 330m Seehöhe, Hkm von der Küste, in fruchtbarer Umgebung, am Jus ammenfluß des Drago Huug und San-Biagio (Akraas), welche den Fluß Girgenti bilden, und an der ahn von Passofonduto nach Porto Empedocle. Die Stadt ist Sitz der Provinzialbehörde, eines Kriminalgerichtshofs und eines Bischofs, zählt (1881) 19380 (als Gemeinde 21274) E. und hat ein finsteres, schmutziges Ansehen, besitzt aber ein festes Schloß, ein Lyceum, eins der beträchtlichsten Seminare der Insel, eine bedeutende Bibliothek boc Lucchesiana) und viele Kirchen, darunter die ochliegende große Kathedrale, in welcher ein antiker Sarkophag mit dem Basrelief aus der Geschichte des Hippolytos und der Phädra als Taufbecken dient. Der von G. 6 Kkm entfernte und mit der Stadt durch eine Eisenbahn verbundene, durch einen 1885 m langen, aus den Werkstücken der Tempelreste aufgeführten Molo geschützte und mit einem Leuchtturm versehene Hafen, bei dem sich die Regio Caricatojo oder die größten Kornmagazine Siciliens, in Fels gehauene Gewölbe, befinden, hieß ehemals Molo di G., jetzt Porto Empedocle, ist 0,7 ha groß und bis 7,9 metief und bringt außer Getreide, Olivenöl Mandeln und Soda etwa ein Sechstel des sicil. Schwefels zur uno hian der aus den ringsumher in dem Gips und blauen Thon liegenden Schwefelgruben unausgesetzt durch Hunderte von Eseln und Maultieren zur Küste geschafft wird. G. nimmt nur einen kleinen Raum der Riesenstadt Agrigentum ein, den Abhang der Höhe, welche dieselbe landeinwärts beherrschte und die Akropole bildete. Im östl. Teile der Stadt erhebt sich die Rupe Atenea, und von dieser südwärts bis 2,5 Miglien vom Meere hin breitete sich die alte Stadt aus, deren jetzt bewachsene Stelle noch viele Altertümer, herrliche Über—⸗ reste mehrerer Tempel, Felsengräber, Sarkophage, Stadtmauern u. s. w. birgt. Eine besondere Naturmerkwürdigkeit sind zwei benachbarte Quellen, auf welchen eine ölige Substanz schwimmt, die schon Plinius erwähnt, und der nordwärts gegen Aragona hin gelegene Schlammvulkan Maccaluba. Fast kein Ort Siciliens gibt so viel Stoff für den Landschaftsmaler als G. Im J. 872 wurde die Stadt dem oström. Reiche durch die Araber entrissen; erst 1087 wurde sie durch den normann. Grafen Roger I. von den Sarazenen befreit und zum Sitz eines Bischofs erhoben. Die Provinz Girgenti zählt auf 3861½%½ qkm (1881) 312487 E. und zerfällt in die Distrikte G., Bivona und Sciacca.