Gänge des Pferdes nennt man die Fortbewegung des Pferdes durch aufeinanderfolgende gleichmäßig ausgeführte und gleichmäßig sich wiederholende Bewegungen, im Gegensatz zu den Sprüngen des Pferdes, bei denen die Fortbewegung in ungleichmäßiger Weise durch Fortschnellen des Körpers stattfindet. Man teilt die G. in gerade und Seitengänge; bei den erstern geht das Pferd in der Richtung seines Längendurchschnitts fort, bei den letztern ist das Pferd gebogen, sodaß die Vorderhufe einem andern Hufschlage folgen als die Hufe der Hinterbeine. Außerdem teilt man die G. in niedere und höhere Gänge ein, von denen die erstern in das Gebiet der Campagne⸗ und die letztern in das der Schulreiterei gehören. Zu den Schulgängen werden gerechnet: der Schultritt, der Schultrab, die Passage, die Piaffe, der span. Tritt, die Galoppade, zu den Campagnegängen der Schritt, der Trab, der Galopp, die Carrière. Der Schritt ist der natürlichste und langsamste Gang des Pferdes, bei welchem die vier Füße einzeln zur Erde gesetzt werden, sodaß man die vier Hufschläge hört. Beim Trabe hebt das Pferd die zwei kreuzweise gegenüber befindlichen Füße, sodaß nur zwei Tritte hörbar werden. Der Galopp ist für den Reiter eine schaukelnde, für das Pferd eine sprungartige Gangart, bei der die beiden Füße des Pferdes derselben Seite im Vorsprunge begriffen sind; je nachdem dies die beiden rechten oder linken Füße sind, nennt man die Gangart Rechtsgalopp oder Linksgalopp. Trab und Galopp können in verschiedenem Tempo geritten werden und man unterscheidet nach der Schnelligkeit einen gewöhnlichen und einen starken Trab und Galopp. Die Carrière bezeichnet die Gangart, in der das Pferd sich mit gestrecktem Körper in höchster Schnelligkeit vorwärts bewegt. Die Kavallerie legt im Schritt 125, im Trabe 300, im Galopp 500, in der Carrière etwa 600 Schritt in der Minute zurück.