FeedGanges (im Sanskrit Ganga)
ErdkundeBrockhaus 1882

Ganges (im Sanskrit Ganga), der Hauptstrom Vorderindiens, entspringt aus zwei Hauptquellflüssen, der Bhagirathi-Ganga im W. und Alaknanda-Ganga im O., die von fast gleicher Länge sind, auf der Sudseite des Himalaja in dem brit.⸗ ind. Schutzstaate Garhwal. Die Bhagirathi-Ganga entspringt unter 305 54 nördl. Br. und 79° 7 östl. L. von Greenwich, indem sie, in der Nähe von Gangotri in einer Meereshöhe von 4195 m, zwischen dem 7424 m hohen St.⸗Patrick und dem 7378 m hohen St.⸗George, unter einer Schnee⸗ und Eiswand von 104 m Dicke, aus einer Gletscherhöhle hervortritt. Gegen NW. fließend, nimmt sie bei Bhairgati, in 2770 m Höhe, den von NO. herkommenden bedeutendern und wildern Dschanawi auf, der früher von den Europäern als der eigentliche Quellstrom angesehen wurde. Bei Sakhi bahnt sie sich dann, in 2478 m Höhe, einen Weg durch den Himalaja und tritt bei dem Tempel Deoprag, in 636 m Seehöhe, mit der von ND. herkommenden ruhigern, aber wasserreichern und 49 mbreiten Alaknanda zusammen, die bei Badrinath (s. d.) aus dem Wischnu und Duli Spaaten entsteht. Das vereinigte Gewässer der hagirathi und der Alaknanda windet sich nun unter dem Namen G. durch die Vorberge und tritt in der Höhe von 342 m bei dem heil. Orte Hardwar (Hurdwar) aus dem Himalaja in die große nordind. Ebene, dieselbe erst in südl., dann in südöstl. Richtung mit geringem Gefälle durchströmend und die Lieutenant⸗-Gouverneurschaften der Nordwestlichen und Untern Provinzen der Präsidentschaft Bengalen bewässernd. Von wichtigen Städten liegen an ihm Cawnpore, Allahabad, Mirzapur, Benares, Patna, Bhagelpur und Radschmahal. Bei letzterer tritt der nordöstl. Teil des südl. Hochlandes an sein Bett heran, und der Fluß wendet sich mit seiner letzten Stromschnelle südostwärts, um nach einem Laufe, der in gerader Linie 1529 km, mit den Krümmungen 2597 km beträgt, mit dem Brahmaputra (s. d.), dessen Mündungen sich mit den seinigen vereinigen, ein vielarmiges, etwa 44000 àkm umfassendes Delta, das größte der Erde, zu bilden. Der westliche der acht Hauptarme ist der südwärts gerichtete Bhagirathi oder Hugli (Hoogly), an welchem Kalkutta liegt, der mittlere der Huringottah, der östliche und stärkste der gegen SO. gerichtete Padda (Podda) oder G., von dessen verschiedenen Armen der mittlere oder Megna sich in das Ästuar des Brahmaputra ergießt. Zwischen diesen Hauptarmen breitet sich ein von einer Menge von Kanälen durchzogenes, steten Veränderungen unterworfenes, auf weite Strecken durch Deiche ge241 überschwemmungen geschütztes und im N. zum eil sorgfältig angebautes, weiter nach unten aber von einer üppigen wilden Vegetation bedecktes Schwemmland aus, die Heimat der Cholera, die sich hier zuerst erzeugt haben soll. Hier im S. des Delta längs dem Meere hin bildet der Kampf zwischen den Gewässern des Flusses und des Meers die furchtbar ungesunden Sunderbunds, ein Labyrinth von wandelbaren Sümpfen, Kanälen, Schlamm- und Sandinseln, mit dichtem Buschwerk und undurchdringlichen Waldungen. Der G. zeigt ein ähnliches periodisches Anschwellen seines Gewässers wie der Nil, wenn auch nicht ganz so regelmäßig. Sein Steigen beginnt im Mai und erreicht seine Höhe im September mit einem Maximum von 15—16 m (Benares und Allahabad). Seine namhaftesten Nebenflüsse sind links: die Ram-Ganga (594 kmlang), der Gumti (775 km), die Gagra (990 km), der Gandak (667 km), der Bagmati, der Koschi oder Kasi (519 km) u. s. w.; rechts aber der Kali-Naddi, die Jamna oder Dschamna (s. d.), der bedeutendste sämtlicher Nebenflüsse, der bei Allahabad mündet und mit dem G. das Duab oder Zweistromland bildet, ferner der Tons, Schon oder Sona (742 km), Phalgu und der in den Hugli mündende Dommoda. Obgleich der G. hinsichtlich der Länge von dem Indus und Brahmaputra übertroffen wird, so ist sein Flußgebiet doch bedeutend größer als das der letztern, indem es 1060 000 und mit Hinzurechnung des ihm von dem Brahmaputra gegebenen Anteils 1643000 qlm beträgt. Seine Wassermasse ist so groß, daß er bei Benares, 12²24 km von der Mündung des Hugli oder 1358 Em von der Sunderbunds-Passage, in der trockenen Jahreszeit 430—440 m breit und 10—12 m tief, in der Regenzeit aber 900—950 m breit und 18 20 m tief ist. Die mittlere jährliche Entladung wird auf 7700 ebm Wasser in einer Sekunde berechnet. Der Hugli allein ergießt in einer Sekunde 5700 ebm. Im ganzen führt der Strom jährlich mehr als 197 Mill. ebm erdiger Stoffe ins Meer. Die Wirkung des ausgeschütteten Schlamms ist auf 90—100 km von der Küste bemerkbar. Im Hugli steigt die Flut 195, im Padda 210 km aufwärts. Für Flöße ist der Strom bis Hardwar fahrbar. Die seit 1834 von der Regierung für eiserne Dampfboote eröffnete Schiffahrt geht bis Gharmaktisar (630 km oberhalb Allahabad und 1425 km oberhalb Kalkutta). Bis Cawnpore herrscht reger Schiffahrtsverkehr; weiter oberhalb aber hat der Strom viele Untiefen und Stromschnellen, welche in der trockenen Jahreszeit die Schiffahrt hemmen. Der G. ist die Pulsader für ganz Bengalen und die Nordwestprovinzen. Derselbe war für die Briten die große Heerstraße, auf der sie zur Eroberung Indiens vordrangen, und er erleichterte ihnen ungemein die Behauptung ihres Besitzes. Auch für den Handel und den ganzen Binnenverkehr ist der Strom nicht minder wichtig, und die auf seinem rechten Ufer, teilweise in geringer Entfernung von ihm, von Kalkutta bis Hardwar verlaufende Eisenbahn (East Indian Railway) hat ihm nur einen kleinen Teil seiner Bedeutung in dieser Hinsicht genommen. Teils zur Förderung der Schiffahrt, teils zur Bewässerung, Befruchtung und Hebung des Duab ist seit 1848 der großartige, aus einer obern und einer untern Hälfte bestehende Ganges kanal begonnen worden. Seine ganze Länge ist auf 1305 Km, der Kostenbetrag auf 1½ Mill. Pfd. St. veranschlagt. Derselbe führt von Hardwar südwärts in die Nähe von Aligarh (Allyghur) und von dort einerseits nach Cawnpore in den G., andererseits über Etawa nach Hamirpur in die Dschamna. Außerdem läßt die brit. ind. Regierung es sich schon seit Jahren angelegen sein, durch ein ganzes Netz von mit dem Ganges in Verbindung stehenden, teils schon vollführten, teils erst projektierten Kanälen die in der Nähe desselben gelegenen Landstriche teils zu bewässern, teils aber vor Überströmungen aus diesem Strome zu bewahren. Der G. ist der heil. Strom der Hindu. Nach dem „Rämaäyanao entstand er dadurch, daß infolge des Gebets des frommen Bhagirathas die Nymphe Ganga, die älteste Tochter des Himawan oder Himalaja, bewogen wurde, sich von dem Himmel auf die Erde zu slürzen. Deshalb wird sein Wasser für heilig gehalten, und seine Anwohner sind verpflichtet, sich an bestimmten H in ihm zu baden. Darum geschehen auch häufige Wallfahrten zu ihm, besonders zu seinen Quellen. Wer an seinem Ufer stirbt oder vor seinem Tode sein Wasser trinkt, braucht nicht zur Seelenwanderung auf die Erde zurückzukehren. Aus diesem Grunde trägt man Sterbende zu ihm, flößt ihnen von dem Wasser ein, taucht sie in dasselbe und übergibt nach dem Tode den Leichnam den Wellen des Flusses. Die, welche entfernt vom G. wohnen, bewahren sein Wasser, das in Indien einen bedeutenden Handelsartikel abgibt, in kupfernen Flaschen, um es in der Todesstunde zu trinken, und lassen, wenn sie reich sind, nach dem Tode sich verbrennen und ihre Reste in den G. werfen. „Ganuges, Stadt im franz. Depart. Herault, Arrondissement Montpellier, 46 km im NNW. von Montpellier, in einem schönen Cevennenthale, am linken Ufer des Herault, bei der Mündung der Sumene, in 150 m Höhe, mit (1876) 4443 CE., hat Fabriken für Seidenstrümpfe, zahlreiche und wichtige Seidenhaspel, Filet-und Handschuhfabriken und Baumwollspinnerei. Gaugfedern, s. unter Federn (metallische).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 523Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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