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ErdkundeBrockhaus 1882

Garigliano (bei den Römern Liris, früher Clanis oder Glanis), ein Fluß der ital. Provinz Caserta, entsteht in den Abruzzen als Liri und behält diesen Namen bis zur Einmündung der Melfa. Er bildet die 150 und 25 mehohen Wasserfälle von Sora und nimmt den Fibreno und den Entwässerungstunnel-Kanal des Celanosees auf, läßt links Arpino, berührt Pontecorvo und 4 Mome rechts den Succo und links die Wasser von Monte-Casino. Von hier an erweitert sich das Thal bedeutend. Weiterhin wendet er sich, die erloschene Vulkanmasse von Rocca-Monfina von den östlich von Fondi gelegenen Bergen trennend, in einem Bogen wieder nach SW. Von der Einmündung des Rapido an heißt er erst G., der nun mit neuen Fällen die basaltischen Felsen des Mortulawaldes, am Nordwestfuße der Rocca-Monfina, durchbricht. Er mündet, zuletzt, wie zur Zeit des Horaz, langsam zwischen morastigen Ufern dahinschleichend, nach einem Laufe von 148 Em in den Meerbusen von Gaöta unweit Traetto neben dem Pantano de Sessa. Dort bei den Ruinen von Minturnä führt die 1832 erbaute älteste Kettenbrücke Italiens über den Fluß. Nur bis zu dieser Brücke ist er aufwärts schiffbar; von Pontecorvo an wird er von ganz flachen Fahrzeugen (Sandali) befahren. Sein Wasser ist schmutzig, aber reich an Fischen, besonders an Aalen. An der Mündung ziehen sich weite Küstensümpfe hin, die Maremme de Garigliano (bei den Alten Paludes Minturnenses), in deren Schilf sich einst Marius vor seinen Verfolgern barg. Der G. spielt seit der ältesten bis auf die neueste Zeit eine Rolle in der Kriegsgeschichte. Die Brücke über denselben auf der Straße von Neapel nach Rom verteidigte 1495 Ritter Bayard gegen die übermacht der Genueser und Venetianer, wodurch allein die Rettung des von Neapel zurückziehenden franz. Heers Karls VIII. möglich wurde. Am 28. Dez. 1503 erfochten an ihm die Spanier unter Gonzalo von Cordova einen entscheidenden Sieg über die Franzosen, worauf 1. Jan. 1504 die Festung Gaéta kapitulierte. Am 3. Nov. 1860 wurden die königl. neapolit. Truppen im Norden des G. von den Sardiniern geschlagen, worauf die Einschließung von Gaéta begann.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 544Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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