Geiz oder Geitz (beim Weinstock). An den im seln der entstandenen Trieben sitzen in den Ach-En der Blätter je zwei Augen, ein rundliches und ein mehr spitz gebautes, welches letztere im Laufe des Mai zu einem Seitentriebe auswächst. Dieser Seitentrieb wird Geiz genannt und gegen Ende Juni, wenn er noch krautig-weich ist, mit den Fingern ausgebrochen; man sagt dann der Weinstock wird gegeizt. Dies geschieht, um dem rundlichen Auge Raum zur vollkommenen Entwickelung zu schaffen und dadurch einen starken, kurzen Trieb zu erzeugen, an dessen dickerm Grunde viele teils sichtbare, teils verborgene Augen sich befinden. Wird die Rebe im Rieln sh auf den Grund zurückgeschnitten, so entwickeln sich aus diesen Augen fruchtbare Triebe. Viele Praktiker des Weinbaues betrachten das Geizen als die Basis der Fruchtbarkeit des Rebstocks, während andere diese Manipulation für nachteilig und naturwidrig halten. Besitz, welches das Mittel zum anständigen Leben mit dem Zwecke verwechselt und daher am bloßen Besitze äußerer Mittel ein so großes Vergnügen sindet, daß der Geizige nicht nur andern, sondern auch sich selbst den davon zu machenden Gebrauch oder Genuß versagt. Der G. kann sowohl auf die Erhaltung als auf die Vermehrung des Besitzes gerichtet sein; im letztern Falle heißt er Habsucht, im erstern Falle G. im engern Sinne. Der letztere unterscheidet sich dadurch von einer weisen Sparsamkeit, daß bei dieser das Sparen eine Maßregel, bei jenem eine Leidenschaft ist. Die sprichwörtliche Behauptung, daß G. die Wurzel alles Bösen sei, beruht darauf, daß er so viele andere egoistische Eigenschaften im Geleite zu haben pflegt. Die sychol. Erklärung des G. wie der Geldsucht beeht darin, daß sich die Intensität des Strebens, welches für so viele seiner Ziele des Geldes als notwendiges Mittel bedurfte, nun auf dies Mittel —* überträgt und demselben einen absoluten ert an Stelle des relativen verleiht. Eine treffliche Schilderung des schmutzigen G. hat Molieère in seinem Lustspiele Lavaren gegeben.