Laub streiffen, Jn den Gehöltzen, ist zwar eine an vielen, vornemlich aber an solchen Orten, wo das Holtz im Uiberfluß und dasselbe nicht sonderlich geachtet wird, bekannte nützliche und gebräuchliche, an denjenigen Orten aber, wo man Ursache hat, das Holtz zu schonen, höchst-schädliche Verrichtung, welche um des Rind-Schaf- und Ziegen-Viehes willen, demselben über Winters die sonsten ermanglende Fütterung dadurch zu verschaffen, im Julio und Augusto, ehe die Reiffe anfangen zu sallen, vorgenommen wird, da man nemlich das Laub von Eschen-Bäumen, Rüstern-Holtze und Faul-Bäumen, für die Kühe, Erlen-Weiden-Büchen-Bircken- und Eichen-Laub hingegen für die Schafe und Ziegen abstreiffet, an der Sonne dörret und fein trocken einführet. Weil man aber durch dieses Laubabstreiffen die jungen Treib-Reiser zugleich verderbet, und dadurch den Baum an seinem Wachsthum verhindert, als ist solches, insonderheit an den Orten, wo man das Holtz, um seiner Seltsamkeit willen, pfleglich zu halten und zu schonen, beflissen seyn muß, durchaus nicht zu verstatten. Noch weniger aber ist zu erlauben, daß die Schäfer, Schaf-Knechte oder Hirten, gegen das Ende des Sommers junge Buchen, Erlen, Weiden, auch ander Busch-Holtz zu ihrem so genannten Schaf-Laube abhauen, und also, indem sie auf ein hundert Schafe gemeiniglich drey bis vier Schock Gebünde rechnen, bey einer starcken Schäferey eine ziemliche Verwüstung im Holtze verursachen: Es wäre denn, daß man am Holtze keinen Mangel, sondern Uiberfluß hätte, und dasselbe ohnedem gehauen werden müste, auch wegen des schlechten Preises auf obige Art nützlicher gebraucht werden könte; zumal da der Schäfer, wenn die Schafe das Laub abgefressen, das übriggebliebene Gesträuchicht und Gehöltze als sein Deputat Brenn-Holtz annehmen müste, und was er davon nicht benöthiget, anderwerts in der Haushaltung gebraucht oder verkauffet werden könte.