FeedKelterhaus
TechnikBau-Lexikon 1881

Kelterhaus, n. frz. pressoir, m., engl. presshouse, auch Trotte; Gebäude, worin sich die nöthigen Vorrichtungen zum Auspressen der Weintrauben befinden. Nebst deu Platz für große Zober, worin der Most gesammelt wird, enthält es die Kelter, frz. pressoir, im engern Sinn, engl. wine-press; diese besteht aus Kelterkasten, frz. maie, einem auf hölzernem Gerüst (Kelterbiet) ruhenden Kasten aus starken Bohlen; durch eine Schraube, die durch den Relterbaum, Trottbaum, herumgedreht wird, wird der Deckel des Kastens niedergedrückt. Nahe am Boden des Kastens befindet sich eine Oeffnung, durch welche der ausgepreßte Most in die Zober läuft. heeitische Bauwerke, n. pl., frz. monumens celtiques, sengl. celtie monuments. Die meist, obschon nicht⸗-mit vollem Rechte, den Celten, Kelten, Keltiberern etc., welche zuerst am Kaspischen Meer wohnten und von da aus vermuthlich zur Zeit des ältern Tarquinius Europa überschwemmten, zugeschriebenen Werke, welche wohl von verschiedenen Völkern herrühren mögen, bilden zwar eine weit in Europa, Asien und selbst in Afrika verzweigte „Gruppe, doch gelangte das Bauwesen dieser Völker nie zu „der Stufe, auf welcher man die Erzeugnisse der Baukunst „als Kunstwerke anerkennt; von einem keltischen Stil kann „also nicht die Rede sein. Die Denkmäler dieser Völker kann man in folgende Rubriken bringen: 1. Künstliche „Hügel, frz. tombelle, engl. u. lat. tumulus; diese kommen im Norden Europa's am häufigsten vor, doch finden sie sich auch anderweit, namentlich auf den Inseln des Griechischen „Archipels. Sie scheinen theils Grabhügel gewesen, theils „zum Andenken an wichtige Begebenheiten errichtet worden zu sein; einige bestehen aus Erde, andere aus Kieseln. vLetztere heißen in Frankreich galgals; in England nennt man sie barrows und unterscheidet kegelförmige, glocken⸗ ⸗förmige, längliche, mit und ohne Gräben, mit und ohne „Steinkreise, druidische, mit einem Wall eingefaßt und oft stsbibliothek Heidelberg DFC mit besonderer Erhöhung auf dem Gipfel (sehr den buddhistischen Topes ähnlich) und gekuppelte; diese Hügel, zu denen auch die mit Graben und Damm umzogenen, wohl zu Dingstätten dienenden carns gehören, erheben sich oft bis zu 56 m. Höhe; viele von ihnen haben Dolmens oder Steinzellen im Innern, zu denen hier und da niedrige Gänge, trocken aus Steinen zusammengebaut, von außen hineinführen, und in deren einigen man, namentlich in Frankreich, rohe Steinsärge mit Leichnamen gefunden hat. Oft schließt ein Hügel mehrere solche Zellen ein, z. B. Fig. 2315 deren zwei. Die Massengräber sind meist länglich und von West nach Ost orientirt; diese heißen in Schweden Gänggrifter, in Dänemark Jättastuer, d. h. Riesenstuben, in Deutschland Hühnengräber (s. d.). Einige scheinen auch als Grenzmarken gedient zu haben, wie denn Alarich und Childerich nach geschlossenem Frieden solche aufrichten ließen; oft steht ein Menhir oder Fig. 2316. Fig. 2317. Steinpfeiler. Skythenstein auf dem Dschebel Dolmen in der Nähe; häufig bekränzt ein Steinkreis den Fuß des Hügels und ein riesiger Stein bekrönt den Gipfel. — 2. Steinpfeiler, Menhir, plur. meinhirion, d. h. Langstein, oder peulvan, d. h. Steinpfeiler in der Bretagne, Bautastein in Skandinavien genannt, frz. pierre fche, pierre levée, pierre debout, pierre pique, Baute borné, oft von außerordentlicher Höhe, rohesie Form der Obelisken, s. Fig. 2316; unter einigen hat man Spuren von Gräbern gefunden, andere scheinen als Grenzsteine gedient zu haben; wenn sie rund und glatt wie Findlinge IEIDELBERG O Universitätsbibli sind, heißen sie in der Bretagne galet de Gargantua, wenn sie aber kegelähnlich ausgehöhlt sind, wie die bei Chäteauneuf, heißen sie gravat de Gargantua; manche tragen eingekratzte Inschriften oder symbolische Zeichen und heißen dann pierre écrite, ja bei Trédion stehen zwei, deren Oberende zu Köpfen ausgearbeitet ist, le babouin und la babouine genannt. — 3. Wägstein, Ruckstein, frz. pierre folle, rouler, pierrebranlante eto., engl. bocking-stone, great-upon-little; diese bestehen aus zwei Steinen und kommen in England, Schweden, Dänemark u. Frankreich vor. Ein mächtiger Felsblock ist auf einem spitzen Felsstück so aufgelegt, daß man ihn gleich einem Wägebalken bewegen kann. In England kommen deren vor, wo der obere Stein sowohl als die Unterlage halbkugelförmige Höhlungen haben und eine Steinkugel dazwischen liegt, so daß man den Oberstein auch drehen kann; dann heißt er pierre roulante, dansante, pierre qui vive. Nach Des Moulins sollen diese Wägsteine Naturphänomene sein. — 4. Lichavens, dreisteinige Denkmäler, frz. trilithes, bei den Portugiesen antas, auch wohl Skythensteine genannt, kommen in Frankreich, England, auf dem Ghuriangebirge in Afrika, in den Nilgherrias, in Circassien, an der Südküste Arabiens und in der Heimat der Kelten am Schwarzen und Kaspischen Meer vor. Fig. 2317 ist ein Skythenstein auf dem Dschebel Mssid, zwischen Tripolis und Mursuk, wobei wir aber bemerken, daß wir keineswegs glauben die Lichavens des westlichen Europa seien, bei aller auffallenden Aehnlichkeit, von demselben Volke aufgestellt, wie diese. — 5. Tafelsteine, inder Bretagne Dolmen, Lechs, frz. dolmen, tables de César oder de Gargantua, pierré levée, p. Ievade, pierres couvertes, in Deutschland auch Hühnenbetten genannt, bestehen aus mehreren, im Viereck geordneten kleinen Felsblöcken, auf denen ein ungeheurer tafelförmiger Block ruht; liegt Mssid. lauter einzelnen aufrechten mehrere parallele Linien gestellt. Zu Carnac bei Quiberon standen deren nahe an 4000 in 11 Linien; einige derselben s. Fig. 2320. Ihre Höhe steigt bis zu 8½ m. Da an einem Ende ein Cromlech liegt, so scheinen diese Alléen, etwa wie die Sphinxalleen Aegyptens, einen geheiligten Zugang zum Tempel gebildet zu haben. Sie kommen auch in Deutschland, auf dem Hersberg und dem Hermeskamp bei Beckum vor. — 8. Steinkreise, Steinringe, Steingehege, in Frankreich romlechs, in England stone-hengeés, Steingehege genannt, kommen in England, siothek Heidelberg Dänemark, Spanien, Portugal, der Bretagne, auf der Rest Insel Sardinien, auf den Balearischen Inseln, in Deutsch-Waland (bei Helmstädt, bei Lüneburg), in Ostindien (bei Pe⸗ für! schawar, Haidarabad) etc. vor, und scheinen (vielleicht mit — Holzdach versehen) die eigentlichen Tempel gewesen zu sein. Kun Der Cromlech bei Avenbury enthielt in einem durch auf⸗ äuße 8gau steht eine Ruine, Fig. 2323, welche von Vielen den Ueberrest eines keltischen Tempels gehalten wird. 11. Indessen scheinen diese Völker doch mehr in der nst geleistet zu haben, als man nach diesen rohen Kraftzerungen vermuthen sollte; darauf deuten 1. die zahlreichen, oft sehr nett gearbeiteten Schmuckgegenstände, die man in den Grabhügeln gefunden hat, 2. aber auch die Runensteine mit ihren Inschriften auf reich und phantastisch geschwungenen Bändern mit Schlangenschwanz u. Knopf, u. 3. die Nachrichten über die Tempel, die bei Einführung des Christenthums in Pommern gefunden wurden. Diese Tempel waren von Holz, reich mit bemaltem Schnitzwerk geziert u. mit Purpurteppichen behängt. Die größeren Gottes-Kenstaphion, u., gr. evorc⁰, lat. cenotaphium, Frz. CEnotaphe, offenes, leeres Grabmal, einem anderwärts Beerdigten z zu Ehren; auch leerer Grabhügel oder anderes Ehrendenkmal für solche Todte, deren Gebeine nicht zu erlangen sind. Wher modernen Denkmale sind also eigentlich fast alle Kenotaphien. Aentaur, m. Erst in der Odyssee erscheint dieser Name. Die Kentauren werden gewöhnlich als Zwittergestalt von Pferd und Mensch dargestellt. Kevotaphion, griech. nrorcooy. Von einem Grabgärtchen, hortulus religiosus, umgebenes oder im Garten gelegenes Grabmal (f. d.). Rer, Thanatos oder Mors (Mythol.), Gott des Todes. Die Alten gaben ihm die Gestalt eines geflügelten J Jünglings von stillem, trübem Blick, der mit über einander 9eschlagenen Beinen neben einer mit & Kränzen umwundenen Urne steht, eine umgekehrte Fackel auslöschend oder auch schlafend. Die Bildner der neuern Zeit stellen ihn Häufig Keramiß, f., von οομοππν qrz. Ppoterie, cëramique, engl. ceramic, pottery, Töpferkunst, Gefäßkunst, Lehre von der Fabrikation, bes. aber von der ästhetischen Gestaltung solcher Wären. Das Nöthigste daraus s. unter d. Art. Gefäß, Glieder, Vase etc. Kerattt, m., s. v. w. Hornsteinporphyr (s. d.). maschine in antiken Theatern; s. d. Art. Theater. EKerb, s. engl., Bordstein, Anfangstein neben der Gosse. Agem Geifer und Athem dargestellt. wegen des Auslöschens durch Regen etc. unzuverlässigen Ankreidung auf Bauten anzuempfehlen. Kerbsüge, k. 1. Schrotsäge des Schiffszimmermanns. — 2. Drillsäge des Schlossers. Kerbstone, eurbstone, s. engl., Brunnenrandstein. Kerhbzinne, Zinne mit M.förmigen Pfeilern, Ghibellinenzinne, s. d. Art. Zinne. Kerehief, keadkerchief, covrechief, s., englisch, v. w. Couvrechef, d. h. Baldachin (f. d. 4.). hek Heidelberg

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 3, S. 167Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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