FeedMansard-roof
Sitten & ModeBau-Lexikon 1881

Mansard-roof, vorgeblich, aber nicht wirklich, von dem Franzosen Frangois Mansart (1598—1666) erfundene und nach ihm benannte Dachform (Pierre L'Escot, 15¹⁰ bis 1578, genannt Abbé de Clagny, hatte es vor Mansart angewendet). Nach seiner Form nennt man es auch gebrochenes Dach, franz. comdble coupé, brisé, engl. Kirb1Oof, ourb-roof. Nach Mansarts und seines Neffen Jules Ardouin Mansart (1645—1708) Vorschrift sollte das Dach im Profil ein halbes über Eck stehendes Achteck sein, s. Fig. 2585, so daß a b um 67½, poaber, das Oberdach, frz. Laux comble, engl. false roof, um 22½0 geneigt war. Die Konstruktion schrieb er ebenfalls nach Fig. 2585 vor. Die deutschen Baumeister um 1770 konstruirten das M. nach Fig. 2586, so daß das Oberdach bd um 30“, das untere Dach àα um 60 geneigt war, damit auf dem Oberdach das Wasser besser ablaufe, auf dem Unterdach der Schnee besser liegen bliebe, um Passanten minder zu gefährden. Neuerdings sind diese eigentlich ziemlich unzweckmäßigen Dächer vielfach wieder angewendet worden, und zwar nicht blos da, wo man Dachwohnungen braucht, wo sie sich noch einigermaßen rechtfertigen lassen, sondern auch an Luxusbauten. Unter den vielen jetzt beliebten Konstruktionsweisen geben wir nur zwei, Fig. 2587 und 2588; s. d. Art. Dach. Bei der Konstruktion nach Fig. 2587 legt man die Sparren des Oberdaches be neben die Balken und verschneidet beide. Der Schiebling bei a wird hier sehr klein. Ein eigentlicher Dachstuhl fehlt, und treten an dessen Stelle die Zwischenwände der Dachstuben, Kansardenstuben. — Noch luftiger ist Fig. 2588; u. doch ist dies noch nicht die leichtfertigste Konstruktionsweise, welche jetzt vielfach angewendet wird; bei dieser giebt es gar keine Sparren, sondern die Deckenbalken des Mansardengeschosses erhalten etwas Neigung u. dienen gleich mit als Sparren für die aus Zink, Pappe und Holzeement bestehende Eindeckung, bei b wird dann häufig nur ein Holzsims angeschlagen, in den das Wasser leicht eindringt u. die als Säulen gemißbrauchten Sparren der Mansarde in Fäulnis setzt. Wenn man sich schon wundern muß, daß derartige Sachen erlaubt werden, so ist es geradezu unbegreiflich, daß einzelne Baupolizeibehörden es direkt anordnen, die Dachrinnen nacha Fig. 2588, also direkt auf den Balkenköpfen oder in den Hauptsimsen, anzulegen.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 3, S. 329Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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