FeedDachstuhl
BaukunstBau-Lexikon 1881

Dachstuhl, frz. toit fermeé visible, engl. composed-roof, span-roof, ist sehr brauchbar für die Dekoration. Ueber die Gestaltung der Dachformen als charakteristisches Merkmal der versch. Stile s. d. betr. Stil-Art. sowie d. Art. Decke. IJ. Eintheilung der Dachformen nach ihrem Profil. 1. Gerades Dach, mit geraden Profillinien oder Dachflächen in Gestalt von Ebenen, s. Fig. 1163—1168, 1170—1172, 1177. 2. Gebrochenes Dach, Mansardendach, frz. comble brisé, cομρpë, C. à la Mansard, engl. Mansard100f, Curb-roof, kirb-roof, dessen Flächen aus mehreren ebenen od. wenig einwärts gebogenen Theilen zusammengesetzt oder in einzelne gerade Theile gebrochen sind, s. Fig. 1169; den unteren steileren Theil nennen die Franzosen insbesondere comble, den oberen faux comble, engl. kalse roof. 3. Einwärts gebogenes Dach mit zeltförmigem Profil, engl. Killessed roof, also konkaven Dachflächen, s. Fig. 1178; dazu gehören z. B. die Dächer des maurischen u. chinesischen Stils, s. d. betr. Art. 4. Auswärts gebogenes Dach mit konvexen Flächen, frz. comble en dôme, engl. cambered-roof, s. Fig. 11783 bis 1176; kommt bei byzant. Bauten viel, im romanischen goth. Stil selten u. fast nur auf Chorschlüssen u. Vierungsthürmen vor. 5. Doppelt gebogenes od. geschweif-Ites Dach (mit karnießförmigem Profil); diese zerfallen wiederum in Zwiebeldächer, 6. en carène, deren Flächen im oberen Theil konkav, im unteren konvex sind, s. Fig. 1180, und in Glockendächer, bei denen das Umgekehrte der Fall ist. 6. Kaiserdach, welsches Dach, frz. K. a. Pimperiale, engl. imperiabroof, mit mehrfachen Aus⸗ u. Einbiegungen, wie in Fig. 1179, auch in mittelalterlichen Stilen vorkommend, in bei weitem stärkerer Schweifung aber in der Spätrenaissanceu. im Barockstiletc. angewendet. 7. Plattform oder Altan, frz. combleé en terrasse, engl.terrasse-roof, mit so geringer Dachneigung (1:12 bis 1:20), daß man darauf bequem gehen kann; es erstreckt sich entweder über die ganze Gebäudemasse oder nur der »obere Theil des Daches bildet eine solche Ebene, an welche tdie Dachflächen sich anschließen, s. Fig. 1168; ein solches tDach heißt dann Mansarde mit Plattform, frz. c. tropqué, engl. Kirbroof with flat false-roof. 8. Kirchentdach, auch gothisches und altdeutsches D. genannt, deutsches D. der Spätgothik, frz. c. gothique, engl. Pointedrook, Dachhöhe gleich der Balkenlänge; die Dachflächen sind also unter ca. 63 /½ geneigt. Doch giebt es auch noch 3steilere. 9. Altfranzösisches Dach, D.der Frühgothik, „frz. o. pointu, engl. equilateral roof, Sparrenlänge gleich der Balkenlänge, das Gebinde also ein gleichseitiges „Dreieck, der Neigungswinkel-60. 10. Französisches „Dach, D. des Uebergangsstils, frz. comble à trois quarts, Sparrenlänge gleich ¾ der Balkenlänge; der Sparren bildet demnach mit dem Balken einen Winkel von 48 ¼½. 11. Neudeutsches Dach, richtiger spätromanisches D., Winkeldach, frz. &. en équerre, engl. germain rOOf, square roof; hier ist die Höhe gleich der halben Balkenlänge, die Sparren bilden mit dem Balken einen Winkel von 45, der Winkel am First ist 90 . 12. Italienisches Dach, frz. C. surbaissé, engl. italian roof, die Höhe ist ca. gleich ½ der Balkenlänge, der Neigungswinkel 30—34. 13. Frühromanisches Dach, frühmittelalterliches Dach; die deutschen Kirchendächer im frühromanischen Stil hatten meist 3540 Neigung. 14. Flaches Dach, spätromanisch und altchristlich, Ia: 4 plat, engl. flat roof, die Dachhöhe ist gleich /½ ½ der Länge des Balkens. 15. Antikes Dach, Adlerdach (s. d.) mit ½ — ½ Balkenlänge zur Höhe. II. Eintheilung der Dachformen nach der Art, wie sich die Dachflächen aus dem Grundriß entwickeln oder wie sie zusammengestellt sind, daher auch, wie sie oben endigen etc. 1. Satteldach, frz. toit en batière, à deux pentes, à deux égouts, à bat dane, engl. Saddle-roof, ridgeduOOf, lat. tect. pectinatum,zweihängiges D., s. Fig. 1165 bis 1173 u. 1174. Diese Dächer haben zwei Dachflächen, die oben im First als Rückenlinie sich schneiden, an sich aber gerade, geschweift, gebrochen etc. sein können. 2. Pultdach, österr. Flugcomble à potence, en appentis, à un seul égout, engl. rOOf, pent-roof, lat. tectum deliciatum, Fig. 1171. pulpitum, Halbdach, Schuß⸗, Schlepp-Taschen⸗, einhängiges D., nur auf einer Seite mit einem Dachabhang, der sich an eine lothrechte Rückwand anlehnt, auf welcher also der First, das Dachhanpt, Fig. 1175. Fig. 176. hinläuft, s. Fig. 1163. Pult⸗ und Satteldächer können nun sein: a) Giebeldach, frz. toit à pignon, engl. gable-roof, d. h. an den Enden des Gebäudes, engl. gable-end, lothrecht abgeschnitten, durch eine Giebelmauer begrenzt; siehe Fig. 1163, 1167, 1170 links, 1171—1174; dabei nimmt man gewöhnlich den Giebel über den kurzen Seiten an. b) Walmdach, holländisches D., österreich. Schopfdach, franz. toit en croupe, engl. hipped-xoof. hip-roof, auch nach den kurzen Gebäudefronten zu in schrägen Flächen, Walmen, abgedacht, welche sich mit den Langseiten in Graten, Verfallungsgraten, franz. arétes engl. groins, schneiden und mit den Firstlinien im Anfallspunkt zusammentreffen, s. Fig. 1166, 1169, 1170 rechts. Diese Abdachung findet entweder auf der ganzen Dachhöhe vollständig statt (ganzer Walm) od. als Halbwalm (Krüppelwalm, Kröpelwalm, Hammende, Kielende etc.) pignon entrapété, nur im oberen Giebeltheil, s. Fig. 1165. Diese Gestaltung ist sowohl unzweckmäßig als unschön. Ist das Gebäude durchgängig gleich breit, so sind beide Dachseiten HEIDELBERG regelmäßig; sind aber die Langfronten des Gebäudes nicht gleichlaufend, so muß man, um keinen steigenden First zu bekommen, mindestens eine — bei Satteldächern gewöhnlich die hintere — Dachfläche als eine Windschiefe gestalten, oder statt des Firstes eine Plattform anwenden, die den Uebelstandausgleicht. 3. Zeltdach, frz. toit empavillon, engl. pavilion-roof, lat. tectum testudinatum. Die Dachflächen laufen alle in eine Spitze zusammen, bilden eine Pyramide, haben also keinen First, Fig. 1164; hierbei ist der Grundplan stets eckig und zwarein Dreieck, Viereck, regelmäßiges od. unregelmäßiges Polygon, u. jede Dachseite bildet ein Dreieck. Bei polygonem Grundriß heißt das Zeltdach frz. c. en patte d'oie. 4. Kegeldach, frz. comble en cône, engl. conical roof, mit geschlossener Kurve als Grundlinie, in einen Punkt auslaufend, s. Fig. 1176 —1180. Zelt⸗ u. Kegeldächer mit geraden Sparren heißen, wenn sie hoch sind, Helmdächer, franz. toit en fleche, en aiguille, en épi, engl. spirée, broach, s. Fig. 1177, mit auswärts gebogenen Sparren Kuppeln oder Hauben, z. B. Fig. 1175 u. 1176, mit doppelt gebogenen Kronen welsche Hauben od. Zwiebeln, Fig. 1179u.180, 1164. Fig. 1165. Fig. 1166. Fig. 1172. Fig. 1173. Fig. 1174. Fig. 1177. Fig. 1178. Fig. 1179. Fig. 1180. mit einwärts gebogenen Hüte, Fig. 1178; s. die betr. Art. 5. Kreuzdach, besteht aus zwei sich durchkreuzenden Satteldächern, kommt besonders auf viergiebeligen Thürmen vor; s. Fig. 1172. 6. Paralleldächer, Sägedach, frz. toit en dents de scie, engl. M-roof, double- (etc.) ridged roof, mehrere Satteldächer neben einander gestellt; s. Fig. 1171. Die bei diesen Dächern, sowie bei den Kreuzdächern u. in Fällen, wo zwei Dachflächen in einspringendem Winkel zusammenstoßen, entstehenden Flächenwinkel heißen Dacheinkehlen, Dachkehlen od. Zchsel. Bei Zusammenstoß flacher Dächer, bes. bei Paralleldächern, machen sich hier oft, um des nöthigen Wasserablaufs willen, Einschaltungsflächen nöthig, die meist zwar einen First haben, aber keinen Fuß, sondern unten in eine Spitze auslaufen. B. Allgemeines über Dachwerke. Die Dachkonstruktionen sind natürlich höchst manchfach ihrem Material nach, sowie auch, durch die nöthige Rücksicht auf die Beschaffenheit dieses Materials u. durch andere einschlagende Bedingungen, ihrer Gestalt nach. Dach⸗ Windgeschwindigkeit in der Sekunde. 45 f60—90 125—175200—230400 —450 300(40—55 75—100115—180350—380 Die Last eines Schneefalls von 15 em. Höhe beträgt pro qm. wägrecht gemessen ca. 50 kg., bei 0,½ m. Höhe, was man als Maximum annehmen kann, 80 kg. Die Last eines starken, aber nicht zu heftigen Regens auf den qm. (horizontal gemessen) des Gebäudes bei einer Dachneigung 2. Das Profil des Daches, welchem sich natürlich die Konstruktion anschmiegen muß; darüber s. unten sub O. 3. Anzahl, Stellung und Entfernung der Stützen unter demselben; sind viele solcher Stützpunkte da, so ist die Konstruktion sehr leicht; im entgegengesetzten Fall muß man oft zu sehr komplizirten Konstruktionen seine Zuflucht nehmen, die dazu dienen, die auf der Dachfläche gleichmäßig vertheilte Last auf die wenigen stützenden Körper hinzuleiten. 4. Richtung der auf das Dachwerk einwirkenden Kräfte. Der Wind wirkt ziemlich wägerecht, höchstens etwa 10° gegen den Horizont geneigt, die Last der Eindeckung stetig gleitend in der Richtung der Sparren abwärts, der Regen stoßweise lothrecht, die Last der Konstruktion lothrecht auf die Stützen drückend u. sich dann in der Richtung der Stützen fortpflanzend; in der Hauptsache also muß die Konstruktion tragfähig, außerdem aber gegen Kräafte in verschiedenen Richtungen unverschiebbar sein. Bei Wahl des Materials und Bestimmung der Stärken aber, oder, wenn das Material gegeben, bei Wahl der Konstruktion, wird man genau zu überlegen haben, in welcher Richtung irgend eine Kraft auf jeden einzelnen Theil wirkt, und ob derselbe demzufolge auf Zerreißen, Zerbrechen oder Zerdrücken, also auf absolute, relative od. rückwirkende Festigkeit in Anspruch genommen wird. Vgl. die Art. Festigkeit, Sparrenschub etc. II. Konstruktionstheile, Regeln und Benennungen, welche fast bei allen Konstruktionsweisen wiederkehren. Diejenigen Hölzer, Eisen od. dergl., welche, First und Dachstuhl verbindend, gleichsam als verkörperte Durchschnittslinien zwischen der Dachfläche und einer in der Regel zur Frontwand rechtwinklig stehenden lothrechten Ebene anzusehen sind, heißen Sparren, Dachsparren, Raffer, franz. chevron, engl. rafter, ital. travicello, span. costanera; zwei zusammengehörige, einander an dem Kopf treffende Sparren bei einem Satteldach bilden ein Gespärre oder Sparrenpär, franz. ouple, m. de chevrons, engl. couple, doch nennt man auch wohl die Gesamtheit aller Sparren in einem Dach Gespärre, besser Sparrenwerk, frz. Chevrons m. pl. d'un comble, chevronnée, f., engl. carcass of rafters. Wenn auf einen Gratein Sparren trifft, so heißt dieserein Gratsparren, frz. arstier, engl. hiprafter; der auf eine Kehle treffende, die Kehllinie verkörpernde, heißt Kehlsparren, franz. noulét-chevron, engl. valley-ralter. Ein Sparrenpär mit zugehörigem Balken⸗ oder sonstigen Unterstützungswerk heißt Gebinde,

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 2, S. 84Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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