FeedAbwässerung
BaukunstBau-Lexikon 1881

Abwässerung, k. I. frz. Iotion, engl. watering. Handlung des Abwässerns 1.— 2. frz. Grainage, m., engl.drain-Gesimses re., frz. glacis, m. d'une moulure eto., engl. Weathering, schräge Oberfläche für den Ablauf des Wassers Im südlichen Klima ist keine so steile X. nöthig als im Norden, wo man sie immer so steil machen sollte, daß auch der darauf fallende Schnee nicht liegen bleibt, weil sie dann zugleich das Abfrieren des Putzes u. s. w. verhindert. Diese Aufgabe ist in den Gliederungen des gothischen Stils sehr gut gelöst, wo die A. gewöhnlich 606, selten unter 45 von der Horizontallinie abweicht. Es ist darin und in den aus demselben Prinzip hervorgegangenen steilen Dächern der Hauptgrund der guten Konservirung mittelalterlicher Gebäude zu suchen. Die Verpflanzung des griechischen Stils und der römischen und italienischen Zweigstile desselben in unser Klima hat die wägerechte Gestaltung der Fensteröffnungen, der Verdachungen und in Harmonie damit die flachen Abwässerungen sämtlichen Simswerks sowie die niedrigen Dächer mit sich gebracht und dadurch den Uebelstand erzeugt, daß sich an den meisten in diesen Stilen ausgeführten neuen Gebäuden sehr schnell schmutzige und sogar schadhafte Stellen in der Nähe solcher Theile bilden. Man hat zwar allerlei künstliche Mittel, z. B. Zinkbedeckung, Asphaltu. Cementputz etc., angewendet, um diesen Uebelständen zu begegnen. Alles dies kann wohl zu ihrer Verminderung, nicht aber zu ihrer Vertilgung beitragen. Am besten haben die Architekten des 17. Jahrhunderts die schwierige Aufgabe gelöst, eine höhere A., engl. upperslope, mit den Horizontalformen der obigen Stile zu vereinigen, indem sie die A. in Gestalt einer stehenden Kehle oder eines großen Anlaufs gestalteten, so daß sie an der Vorderkante des abzuwässernden Gesimses flach beginnt, bei ihrer Annäherung an die dahinterliegende Mauer sich immer steiler hebt und so dem darüberstehenden Mauertheil zugleich als Sockel dient; d. Art. Renaissance. S. auch d. Art. Wasserschlag.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 1, S. 36Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 7

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Baukunst 6