Feedrelever
BaukunstBau-Lexikon 1881

relever, v. tr., frz., l. ein verschüttetes Gebäude aufgraben. — 2.Metallarb.) r. en bosse, bosseln, auftreiben; nicht R.s, sondern nur eingeritzte Konturzeichnungen, du Koilonaglyphen,s.d. Art.Anaglypten u. Diaglypten, Koilo⸗ kel naglyphen. Begreiflicherweise war hier von perspektivischer Gruppirung der Gestalten keine Rede. Das Basrelief, Flachrelief, frz. bas-+., engl. JoWr., hat ganz flach gehaltene Figuren, das Halbrelief, Mezzorelief, krz. demi-r., demi-bosse, runde; das Hautrelief oder Hochrelief, Vollrelief, frz. bant-r., r. entier, plein r. engl. high-r.„ital. alto rilievo, dreiviertekrunde Figuren. Außerdem unterscheidet man noch sehr flaches R., franz. basrelief méplat, wenn die Körper nur eben so viel vortreten, daß die Konturen sichtbar werden. Reliefemail, n. s. d. Art. Email. Relieving-arch, s. engl., franz remenée, f. Entlastungsbogen; s. d. Art. Bogen III. 3. Reliquienbehälter, m., franz. reliquaire, m., engl. reliquary, lat. reliquiarium, reliquiare, n., hierotheca, Upsanotbeca, f. Dieselben haben sehr verschiedene Formen, Die häufigst wiederkehrenden sind: 1. Reliquienkasten, Reliquientruhe, frz. aisse, engl. chest, lat. arca, capsa, eista, entweder blos länglich viereckig od. mit dachförmigem Deckel. — 2. Reliquiensarg, frz. obasse, Coffre, engl. coffin, lat. tumba, meist Fig. 2938. Pala für einen ganzen Leichnam, oft zum 3. Reliquienschrein, franz. éorin, engl. shrine, screen, ula etc., für einzelne kleine Reliquien. — 5. Reliquienlch, Reliquienbüchse re. ebenso. Ferner sind die Reli2030 Grimani a S. Luca in Venedig Zu Art. Renaissaneestil. guienmonstranzen, die figurirten Behälter und Reliquienaltüre, fuz. autel des reliques, lat.Prla, zu nennen. Uel Religutengrab oder Reliquiengruft s. d. Art. Altar II. 1. Rewaining, s., engl., Beharrungsstand. Remaniement, ua., frz., Umarbeitung, 3. B. Le GA' toit, Umdeckung eines Daches; r. d'un PaE, pflasterung. Rempblai, remplayage, m., frz., Auftrag und Au füllung (s. d.) mit herzugeschafftem Erdreich. rembourrer, v. tr., frz. ausfüttern. Rimise, f., frz. remise, f., s. d. Art. Gerätheschuppen Ist eine Wagenremise für mehrere Wagen bestimmt, s. kann man für jeden Wagen eine Breite von 1½% m. rechnen ist der Raum vor der R. beengt, so daß die Lenkung des Wagens behindert ist, so muß man für jeden Wagen eine größere Breite annehmen und breitere Thorwege anordnen. Man rechnet ferner für eine Egge 1,½ m. Breite und Länge. Remisorium, n., lat., eigentlich Zelle eines Einsiedlers, doch auch Hospital. Rempart, w., frz., Wall, s. Festungsbaukunst. Rempiétement, m., franz., das Unterfahren eines Gebäudes. Remplage, remplissage, m., frz., griech. ππνπτο, Füllmund im Gußmauerwerk; r. des Ausfüllung des Fehlbodens. Chevron de r., lat. Aula redemtoria, s.d. Art. Refectowurden die Speisesäle in den Schlössern genannt. Renaissanrestil, m., frz. style de la renaissance, engl. ital. rinascimiento. Der gothische Bauder letzten Hälfte des Mittelalters über —— oder weniger Erfolg bemühen, Mißbräuchen zu reinigen. Gleichzeitig wur-Einnahme Konstantinopels durch die Türgriechische Gelehrte und Künstler in alle Westens vertrieben, und jene Feindseligkeit Neuerungen, jenes Hangen am Alten, welche griechischen Kirche sich seit dem Schisma bewahrt hatten, weckte eine skeptische Reaktion. Die Wissenschaft wurde den Händen einzelner Privilegirter entrissen und zum Gemeingut gemacht. Durch die ebenfalls gleichzeitige Zersetzung des Asket ismus und die beginnenden Zweifel an den Legenden etc. wurde der Glaube gelockert, man fing an zu forschen und zu grübeln, an die Stelle der allgemeinen Autorität trat das Ringen nach individueller Selbständigkeit; an die Stelle der Zufriedenheit mit dem durch die Gegenwart Gegebenen die Sehnsucht nachZu rückführung hhhehkkechnn. in der Kunst. Wähunterdrückt werden konnte, ließ man die Kunst gewähren, und schon in der Jahrh. finden wir als Resultat einer alleruntergeordneten Forschung nach den Kunstzu-Christi eine vielfache Anwendung klassiunvollständig und unklar, selbst unver-Anwendung hier und da aber war, so gefielen dieselben einführenden Architekten so sehr sie diese Umwandlung eine Wiedergeburt, franz. renaissance, ital. rinascimiento, der nach ihrer Meinung im Mittelalter ganz abgestorbenen Kunst nannten: soentstand der Name Renaissance. Der geschichtlichen Entwickelung nach kann man nun diesen Stil in folgende Unterabtheilungen zerlegen. — 1. Erührenaissance, gothisirende R., auch neugothischer Stil, obwohl mit Unrecht, genannt. Da sich die neue Gestaltungsweise architektonischer Formen nicht aus dem Gesamtbedürfnis der menschlichen Gefühlswelt, sondern aus dem bewußten Streben einzelner Forscher ausgebildet hatte, so hatte natürlich dieses Streben nach individueller Selbständigkeit einen ziemlich langen Kampf gegen die Traditionen zu Zur Ergänzung ist noch Folgendes zu bemerken: Antonio Averulino, genannt il Filarete, begann 1457 das Ospidale maggiore in Mailand mit Spitzbogenfenstern u. antikisirenden Säulen; 1480 geschah der Umbau des Doms zu Bergamo in ähnlichem Mischstil, den Bartolommeo Gozzo 1463 in Bergamo einzuführen versuchte, wo aber erst 1496 dem Eliseo Raimondi an seinem eigenen Palast die Einführung der Renaissance gelang. In Mailand selbst verfügte noch 1496 Francesco di Giorgio aus Siena, daß der Dombau in gothischem Stil fortgeführt werden solle, und auch 1525 scheiterten entgegengesetzte Bemühungen, obschon Bramante 1492 die Frührenaissance in der Kirche S. Maria della Grazia einführte. BeiCrema zeigt die 1490begonnene IBLIOTHEK Kirche S. Maria della Croce noch gothische Motive; in Brescia begann man 1477 den Palazzo pubblico noch im gothischen Stil und beschloß erst w1489 zur Renaissance überzugehen, nachdem 1480 einige antike Pilaster ausgegraben worden waren. In Padua kommen bis 1480 gothische Bauten vor; in Bologna wurde 1455 die Hirche S. Miechele in Bosco im Frührenaissancestil begonnen, aber noch 1481 die Kirche S. Annunciata in gothischem Stil, ja noch 1572 ff. fand harter Kampf darum statt, in welchen von beiden Stilen die Fagade S. Petronio zu erbauen sei. In Parma wurde der erste Renaissancebau, die Kapelle der Arte della Lana am Dom, 1488 begonnen, in Alba u. Monferrato in Piemont begann man 1489 noch Gebäude im R., S. Maria di Pié di Grotta, ja noch 1582 sagte Pellegrino Pellegrini, die Gesetze der Gothik seien viel verständiger wie die Meisten glauben; kurz fast in allen Theilen Italiens, mit Ausnahme Roms, läßt sich ziemlich zähes Festhalten an der Gothik, u. langer Kampf derselben mit der Renaissance nachweisen. — In Frankreich gehören zu den besten Frührenaissancebauten noch das Schloß Chambord, um 1525 von Pierre Triquet für Franz I. erbaut, Fig. 2936, sowie das Schloß von Blois, seit 1516 für denselben König mit Renaissancefagaden versehen, Fig. 2937. — 2. Hochrenaissance oder Feinrenaissance, eigentliche Renaissance, Stil der Cinquecentisten. Der wenn auch auf heterogenen Elementen beruhende, doch wenigstens noch naive und durch wirkliches künstlerisches Gefühl geleitete Entwickelungsgang der Frührenaissance wurde im Anfang des 16. Jahrh. fast gewaltsam unterbrochen durch die übergroße Begei5sterung für die Antike. In Italien hatte man bereits um „1500 große Fortschritte im archäologischen Studium der Rantiken Ueberreste gemacht u. glaubte durch VergleichuneJgen der Resultate mancher Ausmessungen mit den Regeln nachgebildet. Da nun schon die römische Baukunst sich in unorganischer Weise blos zu dekorativen Zwecken griechischer Formen bedient hatte, so konnten diese Formen jetzt nur als fekundäre Gebilde auftreten, Originalität war ihnen fremd; das ganze bauliche Gerüst erzeugt sich samt aller Gliederung in der Renaissancenicht aus organischer Nothwendigkeit wie bei primären Stilen, die schmückenden Elemente sind vielmehr dem konstruktiven Kern blos äußerlich angefügt. Der Umstand jedoch, daß diese unorganische Anwendung veralteter Formen bei wichtigeren Bauten in den Händen zum größten Theil fehr genialer Künstler ruhte, schützte vor Mißgriffen und ist Ursache, daß die bedeutenderen Werke jener Zeit zum großen Theil sogar hohe Bewunderung verdienen. Trotz des sowohl dem Privatbau mit Balkendecken u. durch Glas verschlossenen Fenstern, mit vielen Geschossen rc als auch dem Kirchenbau mit seinen hohen, gewölbten Räumen durchaus nicht entsprechenden, den hohen Standpunkt der Technik damaliger Zeit beinahe verhöhnenden Anbringens von daß z. B. Arduino Arriguzzi um 1520 sich herb über den Dilettantismus der Maler u. Gelehrten etc. in Sachen der Architektur beklagt und Lomazzo um 1550 meint, aus den Gelehrtenschulen gingen mehr mittelmäßige Architeksten hervor, als ein Bart Hare habe. Durch die damalige Manier, bei jedem bedeutenden Bau Konkurrenz auszuschreiben u. über die eingegangenen Entwürfe einen Kongreß von Architekten entscheiden zu lassen, wurde jedoch dieses Uebel nicht nur bedeutend in seinen Folgen abgeschwächt, sondern sogar erreicht, daß vergleichsweise ungemein viel Gutes geschaffen wurde. Wir geben unseren Lefern einige Beispiele dieser Feinrenaissance: in Fig.2938 den Palazzo Grimani a S. Luca in Venedig, 1548 von Michele Sanmicheli erbaut, der jetzt die Postdirektion enthält. Fig. 2939 ist zwischen 1557 und 1560, Fig. 2940 zwischen 1565 und 1570 von Palladio erbaut. Fig. 2941 und 2942, die Kirche S. Redentore in Venedig, wurde 1577 von Palladio begonnen. Fig. 1943 endlich ist ein Ornament von einem Grabmal in der Kirche S. Maria thek Heidelberg DOFC del Popolo in Rom, welches, wenn nicht von Raphael selbst, doch aus seiner Schule herrührt. Fig. 2944, der d Hof des Palazzo Borghese in Rom, von Martino Lunghi d dem Aelteren. Für Frankreich diene als Beispiel der untere Theil von Fig. 2945, von Pierre Lascot 1541 begonnen, aber erst 1578 vollendet. In Italien von 1500—1550, im Norden noch etwas länger, zeigen diese Bauten noch einen Hauch mittelalterlicher Poesie, bald aber werden sie z nilchterner, bes. durch die pedantischen Vorschriften eines Palladio und des „Gesetzgebers der Architektur“, Giacomo Baroeeio, genannt Bignola, welche von vielen Architekten seiner Zeit geradezu als maßgebendes Schema adoptirt wurden, von dem abzuweichen als eine Sünde galt. Wie konnte bei so blinder Kopie des von Einemaufgestellten Gesetzes wohl etwas Poetisches zu Wege kommen? Diese nüchterne Auffassung der an sich nicht organisch aus dem Völkerleben u. aus der Konstruktion hervorgegangenen Formen konnte sich unmöglich lange halten, ja die Gesetzgeber selbst, bes. oft Scamozzi mit seinem feurigenTemperament, aber auch Palladio trotz seiner großen, fast an Nüchternheit grenzenden Verständigkeit, geriethen mit ihren eigenen Gesetzen inKonflikt, wie dies z. B. Fig. 2939 in der Bildung der Eckpartien deutlich zeigt, noch mehr aber die Entwürfe zu den Fagaden von San Petronio in Bologna dokumentiren. — 3. Spätrenaissanee. Dem Genie wird es nie lange möglich sein, sich an einen festen Schematismus zu binden; wenn nun aber dieser Schematismus in sich der organischen Begründung ermangelt, so wird das Genie Fig. 2945. Pa bei dem Ueberschreiten desselben sehr leicht auf Abwege gerathen. Die Ueberschreitung aber wird um so unvermeidlicher sein, je weniger der Schematismus der Zeit, dem Charakter des Volkes und der religiösen Auffassung entspricht. So geschah dies auch in jener Zeit, deren allgemeiner Charakter Streben nach freiester Subjektivität u. ein großer Hang zusinnlichen Ausschweifungen war; da es aber dieser Zeit zugleich nicht an Kraft gebrach, so erscheint auch die Abschweifung bedeutend, die Willkür genial, oft tollkühn. Zunächst durchbrach man die Schranken natürlich da, wo sie am meisten hemmend fühlbar wurden, auf dem Gebiet der Disposition. Die bislang mehr oder weniger beibehaltene Basilikenform der Kirchen-IBLIOTHEK Gruppirung, doch in den Details noch an jenem Schematismus festhielt, so wurden bald auch hier die Schranken zu eng. Zunächst suchte man neue Säulenordnungen zu erfinden, die unter den Namen italienische, deutsche und avillon du französische Säulenordnung nichts Anderes waren als

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 4, S. 36Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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