Schiff, n., 1. frz. navire, vaisseau, bäteau, batiment, m.j engl. ship, vessel, ital. nave, vascello, span. navio, lat. navis. Im allgemeinen nennt man jedes große Wasseriothek Heidelberg DFC fahrzeug S., im engern Sinn heißen nur die dreimastigen, fregattisch zugetakelten Fahrzeuge S. Die Regeln der Schiffsbankunst, franz. architecture navale, engl. naval architecture, anzuführen, ja nur einen kurzen Ueberblick derselben zu geben, würde, namentlich bei der großen Umwälzung, welche die letzten Jahre auf diesem Gebiet gebracht haben, weit über die Grenzen dieses Buchs hinausführen. Auf die reiche Spezialliteratur verweisend, geben wir hier nur einige wenige Andeutungen. Die Schiffsbaukunst zerfällt in einen theoretischen und in einen praktischen Theil. Der erstere lehrt das Entwerfen der S.e nach den Regeln der Mechanik und Hydrostatik; der zweite beschäftigt sich mit der Ausführung der Schiffsgebäude nach dem Riß, dem eigentlichen Schiffsbau, franz. construction navale, engl. ship-building. Diese Ausführung geschieht auf der Werft, auf der dort errichteten Helling oder dem Stapel, s. d. betr. Art. Am S. selbst unterscheidet man das Achterschiff od. Hinterschiff, rz. arridre, poupe, engl. afterbody, hind-part, reicht vom Spiegel bis zum großen Mast; das Vorschiff, frz. avant, proue, engl. forebody, reicht vom Mast bis zum Galion; das Oberschiff, Oberwerk od todte Werk, frz. oeuyre morte, engl. dead work, vom Wasserspiegel aufwärts; das Unterschiff, lebendiges Werk, frz. Oeuvre vive, umfaßt den eingetauchten Theil. Benennungen u. Beschreibung der einzelnen Theile sind ebenfalls sämtlich in einzelnen Artikeln nachzusehen. Die Hauptgattungen der Kriegsschiffe sind: Linienschiffe, Fregatten, Korvetten, Briggs, Schöner, Kutter, Lugger, Kanonenbote, Brander u. Bombarden, wozu neuerdings noch die schwimmenden Batterien, Monitors, Panzerschiffe rc, gekommen sind. Der Kauffahrteischiffe giebt es mehrere hundert Arten; die wichtigsten derselben sind ebenfalls in besonderen Artikeln behandelt, s. z. B. d. Art. Jacht, Heckboot, Barke, Sloope, Galiotte, Hucker, Kutter, Lichter, Prahm, Schmake etc. Alle diese Schiffsgattungen sind nicht nur in ihrer Größe, sondern auch in Form und Verhältnissen verschieden; besonders unterscheidet man auf den Kiel gebaute und platte Fahrzeuge, ferner offene und verdeckte etc. Das Verfahren beim Bau aber ist bei den meisten folgendes: Auf die Bahn der Helling oder des Stapels wird zuerst der Kiel aufgelegt, u. dann wird ein Gerüst ringsum gebaut, an welches die Lehren für die Form des Schiffes (Senten) befestigt werden; an dieses Gerüst lehnen sich nun die unten im Kiel befestigten Spanten (Sparren) des Schiffsrumpfes, von denen je zwei einander gegenüberstehende ganz gleich sein müssen, deren Form selbst aber ebenso, wie die Form der Senten, je nach der Bauart des Schiffes, sehr verschieden ist. Unter einander u. mit dem Vorder⸗ u. Hintersteven, die ebenfalls in dem Kiel eingezapft sind, werden die Spanten der Länge nach zuerst durch die Schergangen (sescheren), dann durch Barkhölzer, der Quere nach je zwei u. zwei durch die Deckbalken verbunden. Dann wird das ganze Gerippe mit Planken beschlagen, vom Stapel gelassen und auf dem Wasser mit dem, je nach Bestimmung des Schiffes sehr variirenden Ausbau sowie mit dem Takelwerk versehen. — 2. Wenn ein S. im Wappen vorkommt, soll es meist Glückseligkeit bedeuten; bei der Blasonnirung muß angegeben werden, nach welcher Seite es gerichtet, wie viel Masten es hat, ob die Segel aufgespannt sind und ob es beladen erscheint. — 3. In der christlichen Symbolik bedeutet das S. Glückseligkeit, und als Mittel zur höchsten Glückseligkeit sowie als Schutz gegen die Sintflut der Versuchung (s. Arche) die Kirche, deren Prototypus die Arche Noah ist (1. Petri III. 20, 21). In der Graalssage hat dieses symbolische S. drei Masten, einen rothen, einen weißen und einen grünen, christliche Liebe, Unschuld und Geduld. In der Mitte desselben steht ein Bett (Altar, auf dem der Heiland geopfert wurde). Daher soll auch die Kirche Schiffsgestalt haben, die natürlich blos angedeutet werden kann durch Zuspitzung des Grundrisses nach Osten, durch Thürme als SISLIortiEK heißt fast in allen christlichen Sprachen der für die Laien bestimmte Theil der Kirche S., frz. net, engl. nave, ttal. nave, lat. navis, ecclesia, aula, griech. vHσαꝗ Vecie. Man unterscheidet Langschiff, Querschiff und bei jenem wieder Haupt⸗(Mittel⸗)schiff, franz. grande nef haute nef, nef centrale, principale, engl. middle-aisle, myd-alley, lat. navis major, gremium ecolesiae, und Seitenschiffe (Männer⸗ und Frauenschiff) oder Nebenschiffe, Abseiten, frz. nef latérale, petite nef, basse-mef, collatéral, baslat. Iatus, porticus; s. d. betr. Einzelartikel. — 5. Jedes Gefäß ohne Henkel u. Füße; bei den Bauern auch wohl die Gesamtheit aller Wagen, Schlitten und andern Fuhrwesens. — 6. In der nordischen Mythologie u. in Aegypten galt das Schiff als Reisemittel der Götter. Es wurden daher die Götterbilder auf Schiffen oder Schiffsmodellen transportirt. So galt das S. des Ammon als Weltschiff (er lenkte die Welt), welches sich ohne Steuermann bewegte (Unsichtbarkeit Gottes) u. am Steuerruder ein Auge hatte (Allwissenheit). Aehnlich ist die Argo der Griechen zu deuten, die, von den Dioskuren geleitet, nach Osten segelt u. von der Leier des Orpheus in Lauf gebracht wird. Auch führten die Griechen bei den Panathenäen ein S. in Prozession umher. Das Lebensschiff der Asen, Skidbladnir, konnte alle Asen aufnehmen u. hatte stets günstigen Fahrwind, war auch das Symbol des Sommers, ließ sich im Herbst in einen sehr kleinen Raum zufammenlegen, wo dann das Roß Sleipnir an seine Stelle trat. Baldurs S. (Hringhornie) ist der Sarg der gesamten Asenwelt u. so der Gegensatz von jenem. Das S. Naglfar, aus den Nägein Verstorbener gebaut, nimmt bei seiner Vollendung alle sinnlichen Weltkräfte in sich auf u bezeichnet den Untergang der sinnlichen Welt. Hu's S. mit der eisernen Thür ist das geschlossene Zeugungsgefäß, hat eine Kornladung u. wird durch ein Zauberschwert geöffnet (Befruchtung) etc.