FeedMoorkultur
VerkehrBrockhaus 1882

Moorkultur bezeichnet die verschiedenen Verfahren, mittels deren das Moor in landwirtschaftlicher Hinsicht genutzt wird. Es sind dies namentlich die holländische Fehn-, die Rimpausche Moordamm- und die Brandkultur. Bei der erstern wird zunächst ein Grabennetz angelegt, welches den Moorkolonisten mit der nächsten Stadt u. s. w. in Verbindung setzt, den Transport der Produkte von der Moorkolonie, sowie der Bedürfnisse zu derselben sehr erleichtert und verbilligt und eine Entwässerung des Moores bewirkt. 18Rück wird der Torf gestochen und verschifft und als Rückfracht besonders Dünger aus den Städten benutzt. Letztern bringt man im Gemisch mit der obersten, nicht als Torf zu verwertenden Schicht des Moores, der sog. Bunkererde, auf den die Sohle des Torfs bildenden Sand und kultiviert den letztern als Acker-oder Gemüseland. Bei der Rimpauschen M., vom Gutsbesitzer Rimpau in Kunrau (Provinz Sachsen) erfunden, werdenim Moore Entwässerungsgräben gezogen, der Torfinhalt derselben auf die zwischen den Gräben liegenden Dämme und obenauf eine ebenfalls aus den Gräben genommene Sandschicht von genau 10 em Höhe gebracht, sodaß die Tiefe der Gräben von der Tiefe abhängig ist, bei welcher sich der Sand findet. Die auf der Oberfläche des Moores ausgebreitete und mit Dünger (namentlich Superphosphaten und Kalisalzen) vermischte Sandschicht, welche die eigentliche Ackerkrume bildet und nicht mit dem darunter lagernden Moore beim Pflügen, Eggen u. s. w. vermengt werden darf, Übt auf die physik. und chem. Beschaffenheit des Moores einen so günstigen Einfluß aus, daß hohe Erträge, besonders an Sommerkorn, Raps und Kartoffeln bei der Dammkultur gewonnen werden. Die Brandkultur (Moorbrennen), durch die auch der lästige Höhenrauch (s. d.) erzeugt wird, benach darin, daß das Moor mit einer Hacke oberächlich bearbeitet oder daß die losgehackten Stücke auf Haufen geworfen werden, und daß man im Frühjahr bei trockenem Wetter die ganze Oberfläche des Moores, resp. die Haufen anzündet und in die Asche, welche in letzterm Falle ausgestreut wird, das Getreide, Buchweizen, Hafer, Hirse säet und dies so viele Jahre fortsetzt, als der Boden noch Ernten liefert. Bei der Wichtigkeit einer rationellen Kultur der großen, in Deutschland befindlichen Moore ist zum Zwecke der wissenschaftlichen Erforschung der Kulturverhältnisse derselben in den siebiger Jahren eine unter dem preuß. Ministerium für Landwirtschaft etc. stehende Moorversuchsstation mit dem Domizil in Bremen gegründet und 1882 ein Moorkulturverein für das Deutsche Reich, der eine als Beilage zum Landbotenv erscheinendeZeitschrift herausgibt. Vgl. Birnbaum, Uber das Moorbrennen und die Wege zu seiner Beseitigung» (Glog. 1873); Peters, Die moderne Moorkultur» (Osnabr. 1874); von Massenbach, «Praktische Anleitung zur Rimpauschen Moordammkultur » (Berl. 1884).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 857Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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