FeedSchlagthore hat
BaukunstBau-Lexikon 1881

Schlagthore hat, heißt auch speziell Drempelschleuse, franz. 6cluse busquée, engl. cheeks-sluice, solche mit einflügeliger Thüre aber Kastenschleuse, frz. Eeluse carrés, engl. square-sluice. Der Boden von Kammer und Unterhaupt Fig. 3088 u. 3089. Fangschleuse. liegt in gleichem Niveau, nämlich in dem Niveau des unteren Stromtheils; der Boden des Oberhauptes höher, nämlich in dem Niveau des oberen Stromtheils, u. dieser Niveauunterschied heißt der Fall der S. Die die äußere Erweiterung der Häupter einschließenden Wände heißen Flügel, Schleusenflügel, der enge Theil F die Kehle od. der Hals. Die Stelle, wo die Lager für die Thorflügel sind, heißt vorzugsweise das Haupt. Eine früher sehr beliebte Artvon Kammerschleusen, die Kesselschleusen, mit kreisrunder Kammer, werden jetzt nicht mehr angelegt. Ist das Gefälle des Flusses an einer Stelle so bedeutend, daß es mit einer S. noch nicht überwunden werden kann, so legt man nicht zwei oder mehrere einzelne Sen in geringer Entfernung von einander an, sondern man rückt sie ganz nahe zusammen, kuppelt sie, legt gekuppelte S. n, frz. Ecluses doubles, engl. coupled sluices, an, wobei man 3. B. für 5 Sen blos 6 Thore, 1 Oberhaupt und 1 Unterhaupt braucht, also bedeutend an Kosten erspart. B. Stauschleuse, Afterschleuse, frz. Eeluse àvannes, engl. swelling sluice; eine solche hat nur ein Thor (Fig. 3090 u. 3091½an einer verengten Stelle des Betts angelegt, erleichtert allerdings die Fahrt stromabwärts, braucht sehr viel Wasser u. erfordert bedeutende Reparaturen, ist daher nicht so zu empfehlen, wie die sub A angeführten, welche viel mehr Vortheile bieten. Fig. 3092 zeigt eine neue, bes. betreffs der Fallmauer verbesserte Konstruktion. O. Spülschlensen. Dies sind an Flußmündungen und kleinen Häfen gegen das Versanden angelegte Stauschleusen, die geöffnet werden, wenn genug Wasser angestaut ist, so daß es schnell genug durchschießt, um den Sand etc. wegzuspülen. itätsbibliothek Heidelberg LODF D. Allgemeine Regeln bei Anlage von Sen: 1. Breite, Länge u. Tiefe der S. richtet sich nach den Mäßen u. dem Tiefgang der durchzulassenden Fahrzeuge, die bequem in der Kammer Platz haben müssen, jedoch auch nicht zu viel Spielraum haben dürfen, um den Wasserbedarf nicht unnütz zu vergrößern. — 2. Den Fall der S. kann man bis zu 5,3% m. höchstens annehmen, wobei aber die Unterthore schon sehr viel Druckauszuhalten haben. Man nimmt deshalb den Fall in der Regel zu 1, — 2, m., nicht gern über 3, m. an. Ueberhaupt, namentlich aber bei gekuppelten Sen, vertheile man den Fall gleichmäßig. Nur wenn Seitengewässer einfließen, gebe man den unter der betr. Einmündung liegenden Sen etwas mehr Fall. Ist man genöthigt, auch ohnedies einer S. mehr Fall zu geben als den übrigen, so bringe man daneben einen Behälter an, in den man das überflüssige Wasser einlaufen lassen kann. Sen, bei denen — z. B. bei Sin am Meer — auf keine gleichmäßige Fluthöhe zu rechnen ist, müssen verhältnismäßig stärker konstruirt sein od. bei hochsteigender Flut in der Kammer bis auf die Hälfte gefüllt werden. — 3. Man berechne den Wasserbedarf der S. stets etwas reichlich, da Thor u. Wände nicht absolut wasserdicht herzustellen sind, auch jährlich eirea 75 em. hoch Wasser verdunstet, was allerdings zum größten Theil durch den Regen wieder ersetzt wird. Abgesehen von dem hierfür nöthigen Zuschuß ist bei Berechnung des Wasserbedarfs Folgendes zu berücksichtigen: wenn ein Schiff mehrere einzeln stehende Sen abwärts passirt, so braucht es immer nur so viel Wasser im ganzen, als zum Füllen einer solchen S. nöthig ist, da dieses Wasser stromabwärts das Schiff begleitet. Steigt das Schiff durch mehrere abgesonderte und gleichstehende S.n hinauf, so braucht man ebenfalls nur die einfache Wassermasse zu rechnen, da dieses Wasser bei der nächsten S. dem eben passirten Kanaltheil ersetzt wird; nur der letzte, oberste Theil des Kanals hat die zu beschaffende Wassermasse aus dem Wasservorrath an der Kanalhaltung zu entnehmen. Anders stellt sich die Sache bei Anlage gekuppelter Sen; die zum Flottbleiben des Schiffes in einer S. nöthige Wassermenge heißt die Flottmasse; hingegen die, welche zum Auf⸗ und Absteigen des Schiffes hineingelassen werden muß, die Fallmasse. Wenn nun die Sen in Größe u. Fall einander gleich sind, so sind auch Flottmasse u. Fallmasse als gleich anzunehmen; nehmen wir diese Einheit z. B. zu 100 ebm. an, soll nun ein Schiff hinabsteigen, so findet es die Räume a, &, e (Fig. 3093) mit Wasser angefüllt, äber muß von g aus mit 100 ebm. gefüllt werden, weil sich bei Nichtgebrauch der Ueberschuß über den Wasserstanda d durch die Thore filtert; bei Uebergang des Schiffes aus g nach b werden 75 cbm. nach g „getrieben; die demnach zu dieser Füllung nöthige einfache nWassermasse von 25 cbm. reicht dann aus, um von a aus 1 zu füllen, wobei das Schiff nach a hinabsinkt re. Beim Aufsteigen hingegen tritt das Schiff zuerst nach e u. drückt „25ebm. nach hezurück, die als verloren zu betrachten sind; nun wird von oben aus k gefüllt, das Schiff steigt damit enach ku. geht in über. Daraus erhellt Folgendes: Jede „von mehreren gekuppelten Sen braucht beim Aufsteigen veine Wassereinheit, beim Absteigen aber wird für alle zusammen blos die einfache Fallmasse gebraucht. Daher die gekuppelten Sen gegen die einfachen von demselben Fall, den alle gekuppelten Sen zusammen haben, zwar eine bedeutende Wasserersparnis gewähren, aber bedeutend mehr Wasser brauchen als einzelne, getrennt von einander an⸗ „gebrachte Son. — 4. Die Ausführung der Sen muß mit großer Vorsicht geschehen, namentlich in Flüssen und am Meer. Nach dem Ausgraben der nöthigen Vertiefungen untersuche man den Grund genau; ist es nöthig, so schlägt man Pfahlrost, die Kammern und Häupter müssen dabei seitwärts, vorn und hinten mit vollen Spundwänden eingefaßt werden, um das Eindringen des Wassers hinter die Wände u. unter den Boden zu verhindern; zwar können diese Wände schwach, müssen aber möglichst dicht sein. Die Ausführung in Holz als Balkenschleuse kann auf verschiedene Weise geschehen. a) Es kommen auf die Grundpfähle 0 Fig. 3088 blos Querschwellen àa Fig. 3089, und auf diese direkt die Bohlen b, welche den Schleusenboden bilden. Die Spundpfähle der Seitenwand gehen dann etwas über den Boden hinauf und tragen die Wandschwellen g; in diesen stehen Ständer h, oben durch Holme i verbunden, auf der Rückseite (Landseite) mit Spundbretern beschlagen u. durch hölzerne Anker K (s. d. Art. Anker) mit dem Ufer verbunden. Diese Konstruktion ist nicht sicher gegen das Ausheben des Bodens durch Grundwasser. b) Auf die

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 4, S. 135Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 10

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Baukunst 6