FeedWindmühle
TechnikBau-Lexikon 1881

Windmühle, f., franz. moulin, m. à vent, engl. windmill. s. unter d. Art. Mühle O. Win werden hauptsächlich auf zwei Arten eingerichtet. 1. Bockwindmühle oder deutsche W., frz. moulin ordinaire, engl. post-mill. Auf zwei rechtwinklig sich durchkreuzenden Schwellen (Kreuzschwellen), 42—45em. stark, wird der Hausbaum, Standbaum oder Ständer, frz. attache, eingezapft; derselbe ist 67—72 cm. ins ◻ stark, greift mit Klauen neben den Schwellen herab und erhält Strebebänder; auf diesen liegt der Sattel, auf dem man mittels des Sterzes das eigentliche Mühlgehäuse dreht und durch den der Ständer hindurchgeht. Die ganze Höhe des Gehäuses beträgt in der Regel 5½6 m. Ziemlich in der Mitte desselben liegt der 55-60cm. starke Mehlbaum, auf einem 22 em. starken runden Zapfen des Ständers drehbar; auf ihm liegen die oberen Tragriegel, die, in die 8 pärweise zusammengestellten Ecksäulen eingezapft, dieselben und somit das ganze Gehäuse tragen, noch unterstützt durch die unteren Tragriegel, die sich auf dem Sattel drehen und an die der Sterz (s. d.) befestigt ist; oben sind die Ecksäulen durch Rahmstücke verbunden, auf denen die Well⸗ oder Sattelbalken liegen, die zusammen das Taflement bilden. Auf dem hinteren, schwächeren Wellbalken liegt der Zapfen; auf dem vorderen, 38—40 em. starken, der Hals der 55 bis 60 Cm. starken Welle; die hinteren Ecksäulen reichen bis auf den äußeren Fußboden herab, um sie festkeilen zu können bei Sturm etc. In Riegeln zwischen den Ecksäulen finden die einzelnen Balkenlagen ihr Lager; die zwei Balken (Fugbalken), die gerade auf zwei Pãär Ecksäulen treffen, werden in dieselben eingezapft und durch Strebebänder unterstützt; sie sindum ca. 5em. breiter und stärker als die anderen Balken, liegen aber mit denselben oben bündig. Die beiden anderen Ecksäulenpäre werden in jedem Geschoß durch zwei eben so starke Balken verbunden, welche dicht unter die Balkenlage gelegt und um die erwähnten e 5 em. mit den Fugbalken überschnitten werden, während die Zwischenbalken ohneVerkämmung auf denselben liegen. Die 4 starken Balken heißen Spannriegel und bilden zusammen den Spannriegelverband. Durch das Ende der Welle sind zwei Ruthen gesteckt, rechtwinklig sich durchkreuzend, je 9—11 ½ m. lang; die dem Haus zunächst stehende heißt die Hausruthe, die andere die Feldruthe. In die Ruthen werden die Sprossen oder Scheiden gesteckt; s.d. Art. Sprosse 3. Auf diese werden zu beiden Seiten Latten genagelt und darauf die Windflügel gelegt; diese bestehen aus Splettthüren (f. d.), sind unten 1,½, oben 1/½25 mn. breit; die Thüren selbst sind 1,% m. lang u. können einzeln abgenommen werden, je nach der Stärke des Windes. — 2. Holländische W., Thurmmühle, franz. vqmoulin hollandais, engl. tower-mill, smock-mill, a) mit stehenden Flügeln an liegender Welle. Das runde oder achteckige Haus der W. hat oben einen Ring, auf dem sich mittels messingener Rollen die Haube mit dem Wellbaum etc. durch eine Winde oder durch den Sterz drehen läßt, od. auch mittels eines kleinen Windrades von selbst, dem Wind gemäß, einstellt. b) Mit liegenden Flügeln u. stehender Welle, welche oben aus dem Gebäude heraustritt; beide haben statt der Thüren häufig Segel in den Flügeln.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 4, S. 482Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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