Giocondo (Giovanni Fra), einer der vorzügichsten und gelehrtesten Baumeister und Altertumsforscher des 15. Jahrh., von dessen Lebensumständen wenig bekannt ist. Er wurde in Verona geboren und war ein gründlicher Kenner der alten Sprachen und des klassischen Altertums. Zu seiner Thätigkeit auf diesem Gebiete gehört eine in Rom 1484—89 angelegte Sammlung alter Inschriften, die er dem Lorenzo de' Medici widmete. Als Baumeister war er in Verona, Venedig, Rom und Frankreich beschäftigt. In Paris baute er die Brücke Notre-Dame. Bei seinen andern Arbeiten daselbst vermischte er den vollen ital. Renaissancestil, mit welchem er noch nicht hervorzutreten wagte, mit spätgerman.⸗franz. Elementen und wandte Spitzgiebel, Spitzbogen und Türmchen dabei an. In Verona baute er eine massive Brücke, sowie den Ratspalast, ein sehr bedeutendes, interessantes Werk. In Venedig machte er sich durch die Ausführung seiner Borschlaäge verdient, dem Ausflusse der Brenta eine andere Richtung zu geben und dadurch der Verschlämmung der Lagunen vorzubeugen. Als man aber den Wiederaufbau der abgebrannten Rialtobrücke trotz seiner schönen, auf Befehl des Senats gefertigten Zeichnung einem andern mittelmäßigen Meister übertrug, wandte er sich im Unwillen nach Rom, wo er 2 vor Bramantes Tode 1514 dem auch schon sehr bejahrten Giuliano da San-Gallo als Hilfsbaumeister bei der Peterskirche beigegeben wurde, was er auch blieb, als Rafael an Bramantes Stelle trat, jedoch nur kurze Zeit, da er 1515 zu Rom im 80. Lebensjahre starb. Niemals ruhte er während seiner baulichen Thätigkeit ganz von seiner schriftstellerischen. So ergänzte er durch einen glücklichen Fund eine Lücke im jüngern Plinius. Auch besorgte er eine neue Ausgabe des Vitruv, die 1511 in Venedig erschien, Papst Julius II. gewidmet und bis Mitte des 16. Jahrh. maßgebend geblieben ist.