Gladiatoren, von gladius, d. i. das Schwert, hießen bei den Römern die Fechter, welche in öffentlichen Schaustellungen miteinander auf Leben und Tod kämpften. Der rohe Gebrauch stammte aus Etrurien her, wo solche Kämpfe ursprünglich bei Leichenfeiern an die Stelle von Menschenopfern getreten zu sein scheinen; doch war er auch sonst in Italien verbreitet, namentlich in Capua eifrig gepflegt. In Rom gaben zuerst 264 v. Chr. Marcus und Decimus Brutus bei der Bestattung F9 Vaters das Schauspiel von Gladiatorenkämpfen (munus gladiatorium); bald wurden sie häufiger, auch ohne solchen Anlaß, veranstaltet und von Rom aus in den Provinzen eingeführt; in der Kaiserzeit wurden sie auch nach Griechenland und Kleinasien übertragen. In dem letzten Jahrhundert der Republik und in der Kaiserzeit gehörten sie zu den Lustbarkeiten des Volks, das sie leidenschaftlich liebte und von Magistraten, namentlich den Adilen und Kaisern, immer hr. dwpsten dargeboten erhielt. Schon 183 v. Chr. kämpften bei einer Bestattung 120 Mann. Diese Zahl gebot Augustus auch den Prätoren, welche durch ihn die Sorge für die öffentlichen Spiele erhielten und welche Gladiatorenspiele nur außerordentlicherweise und höchstens zweimal im Jahre geben durften, nicht zu überschreiten; aber schon ne waren weit ardöste Massen aufgetreten, und die Zahl steigerte sich noch unter den folgenden Kaisern, unter denen Caligula, Claudius, Nero, Trajan und Hadrian, dann namentlich Commodus, der selbst als Gladiator auftrat, durch ihre Neigung zu diesen Kämpfen bekannt sind. Unter Trajan wurden 123 Tage lang Gladiatoren- und H die oft mit jenen verbunden waren, veranstaltet, bei denen man 11000 Tiere tötete und 10000 G. Aioit ab Gordian ließ in 12 Spielen, die er als Adil gab, nie weniger als 150 Paare, mehrmals 500 auftreten. In der ältern Zeit war der gewöhnliche Ort für diese Schauspiele das Forum, bei Bestattungen wurde jedoch auch unmittelbar vor dem Scheiterhaufen durch sog. Bustuarii gekämpft; später errichtete man Amphitheater (s. d.). Die G. waren in der Regel Sklaven, sehr oft auch Kriegsgefangene, außerdem verurteilte Verbrecher, sowie auch Leute, die sich, was in der Kaiserzeit nicht selten geschah, freiwillig anwerben ließen. Hadrian verbot, Sklaven ohne Angabe eines Grundes an Gladiatorenschulen zu verkaufen. Die G. wurden in Scharen (Pamiliae) in Rom und andern Städten, wie zu Capua und Präneste, unter strenger Disciplin in eigenen Anstalten (Iudi gladiatorii) unterhalten und geübt. Diese Anstalten wurden durch Aufseher (lanistae) geleitet, die teils ein Gewerbe aus der Vermietung oder dem Verkauf von G. machten, teils im Dienste reicher Römer standen, welchen in den Parteikämpfen der Republik der Besiß von vielen G. nicht bloß für Spiele, sondern auch als Waffe bei polit. Kämpfen wichtig war. So führten Clodius und Milo durch ihre G. ihren Streit. Die G. wurden nach der Weise der Bewaffnung, des Kampfes u. s. w. unterschieden. In der Hauptsache zerfallen sie in schwer und in leicht bewaffnete. Zu letztern gehören die retiarii, welche als Schutzwaffe nur einen Armel am linken Arm mit einem über der Schulter in die Höhe stehenden Stück Leder (statt des Schildes) führten und mit einem Netz, das sie dem Gegner überzuwerfen suchten, einem Dreizack und Dolch kämpften, aber nie miteinander, sondern stets mit andern G. Ferner waren leicht bewaffnet die velites und die secutores, schwer bewaffnet waren Galli und myrmidones, ferner die Samnites, die namentlich an ihrem großen viereckigen Schilde kenntlich waren, wie die Threéces an ihrem kleinen runden Schild und gebogenen Schwert. Am schwersten bewaffnet waren die hoplomachi. Die dimachaeri kämpften mit zwei Schwertern, die essedarii fochten von (britischen) Streitwagen .10˙ die equites und andabatae zu Pferde. Fast alle diese G. trugen Visierhelme, die andabatae aber solche, durch welche sie gar nicht oder so gut wie gar nicht sehen konnten. Die Spiele wurden vorher durch Anzeigen (Libelli), die an den Mauern von öffentlichen und Privathäusern angebracht und in Abschriften verschickt und verkauft wurden, bekannt gemacht, begannen gewöhnlich mit einem Vorspiele mit stumpfen Waffen, dann griff man zu den scharfen Waffen und kämpfte auf Leben und Tod. Doch konnte der Schwerverwundete vom Spielgeber, der aber schon seit der letzten Zeit der Republik regelmäßig die Entscheidung dem Willen des zuschauenden Volks überließ, an das der G. sich wendete, indem er einen Finger erhob, vor dem Todesstreich gerettet werden. Siegreiche G. erhielten Belohnungen, z. B. Palmen und Geld; lang erprobte wurden öfter auf Wunsch des Volks von ihrem Herrn mit einem Rappier (rudis) beschenkt und damit fernern Dienstes enthoben. 90 der Kunst findet man Gladiatorenkämpfe auf Thongefäßen, Lam-Rel Gläsern in Relief, auf Gemmen, in größern eliefs, Mosaiken, Wandmalereien, auch in Statuetten; in Statuen dagegen scheinen bei den Römern G. nicht dargestellt worden zu sein. Die Gladiatur ist erst unter dem wachsenden Einfluß des Christentums, frühestens zu Anfang des 5. Jahrh., außer Gebrauch gekommen. gl. Friedländer, «Darstellungen aus der Sittengeschichte Roms » (Bd. 2, 5. Aufl. 1881), und Marquardts «Röm. Staatsverwaltung» (Bd. 3, Lpz. 1878).