FeedGmelin
HeilkundeBrockhaus 1882

Gmelin, namhafte deutsche Gelehrtenfamilie: Johann Georg G., bedeutender Botaniker, geb. zu Tübingen 10. Aug. 1709, war der Sohn des hervorragenden Chemikers Johann Georg G., geb. 17. Aug. 1674, gest. 22. Aug. 1728. Nachdem er in Tübingen studiert, wandte er sich 1727 nach Petersburg, wo er bei der Akademie der Wissenschaften sehr thätig war und 1731 ord. Professor der Chemie und der Naturgeschichte wurde. Auf kaiserl. Befehl ging er 1733 in Begleitung Delisles, Müllers und Behrings nach Sibirien, um dieses Land genauer zu untersuchen, von welcher beschwerlichen Reise er erst 1743 zurückkehrte. Hierauf machte er 1747 eine Reise nach seinem Vaterlande, nahm dann seine Entlassung und wurde 1749 ord. Professor der Botanik und Chemie zu Tübin-Kpt wo er 20. Mai 1755 starb. Seine Plora ibiricad (herausg. von Pallas, 4 Bde., Petersb. 1749—69) und die Beschreibung seiner «Reisen durch Sibirieno» (4 Bde., Gött. 1751 — 52) sind seine Hauptwerke. Johann Friedrich G., Neffe des vorigen, geb. 8. Aug. 1748 zu Tübingen, gest. 1. Nov. 1804 als Professor der Medizin und Chemie zu artten war einer der vielseitigsten und fruchtbarsten Naturforscher des 18. Jahrh. Die von ihm besorgte 13. Ausgabe des Linnéschen Systema plantarumy war für die Zeitgenossen unentbehrlich. Außerdem verfaßte er noch viele naturwissenschaftliche und mediz. Schriften. Christian Gottlieb G., Bruder des vorigen, geb. 3. Nov. 1749 zu Tübingen, gest. 6. März 1818 als Professor der Rechte daselbst, schrieb unter anderm «Die Ordnung der Gläubiger bei dem Gantprozeßo (4. Aufl., Ulm 1793). amuel Gottlieb G., ein Neffe von Johann Georg G., geb. 4. Juli 1744 zu Tübingen als Sohn des dortigen, als Chemiker bekannten Arztes und Apothekers Johann Konrad G., geb. 2. Aug. 1707, gest. 19. Juni 1759, erwarb sich an der dortigen Universität 1763 die mediz. Doktorwürde, bereiste dann Holland und Frankreich, folgte 1767 einem Rufe an die Akademie zu Petersburg und trat hierauf 1768 mit Pallas, Güldenstädt und Lapuchin eine naturhistor. Reise durch Rußland an. Namentlich bereiste er 1769 die westl. Seite des Don, 1770 und 1771 die pers. Provinzen an der südl. und südwestl. Seite des Kaspischen Meers, 1772 die Gegenden an der Wolga und 1773 die Ostseite des Kaspischen Meers. Auf der Rückreise wurde er 1774 von dem Chan der Chaitaken festenommen und starb zu Achmetkent 27. Juli. ine wichtigsten Schriften sind seine Historia fucorumo (Petersb. 1768) und seine Reisen durch Rußlando (4 Bde., Petersb. 1770—84). Ferdinand Gottlieb von G., ein Neffe des vorigen, geb. 10. März 1782 zu Tübingen, wo er auch seine akademischen Studien machte und 1802 die Doktorwürde erlangte, bereiste Deutschland, Ungarn, Italien und Frankreich, wurde 1805 außerord. und 1810 ord. Professor der Naturgeschichte und Medizin zu Tübingen und starb 21. Dez. 1848. Er hat sh besonders um die allgemeine Pathologie verdient gemacht. Seine bekanntesten Schriften sind: Allgemeine Pathologie des menschlichen Körperso (2. Aufl., Stuttg. 1821), «Allgemeine Therapie der Krankheiten des Menscheno (Tüb. 1830), «Kritik der Prinzipien der Homöopathiev (Tüb. 1835). Christian Gottlob G., Bruder des vorigen, eb. 12. Okt. 1792 zu Tübingen, bereiste 1814—18 ankreich, Norddeutschland, Schweden, Norwegen und England und wurde hierauf Professor der Chemie und Pharmacie zu Tübingen, wo er 13. Mai 1860 starb. Er zählte zu den bedeutendsten Chemikern seiner Zeit und hat viele Schüler hinterlassen. Außer zahlreichen Einzelforschungen veröffentlichte er die«Einleitung in die Chemier (2Bde., Tüb. 1833—37). Leopold G., Sohn des göttinger Professors Johann Friedrich G., geb. 2. Aug. 1788 zu Göttingen, widmete sich ebenfalls chem. und mediz. Studien zu Göttingen, Tübingen und Wien. Im Herbst 1813 habilitierte er sich zu Heidelberg, wo er 1814 zum außerord., 1817 zum ord. Professor der Chemie aufrückte. In der Folgezeit wurde er Hofrat, at seiter und im Frühjahr 1851 bei Gelegenheit seiner Emeritierung Geheimrat. Er starb 13. April 1853 zu Heidelberg. Seinen Ruf als einer der verdientesten deutschen Chemiker begründete G. durch sein Handbuch der theoretischen Chemiez (2 Bde., Frankf. 1817—19; 4. Aufl., vollendet von Schloßberger und List, Heidelb. 1841—55; neu bearbeitet von Kraut in 2 Abteilungen unter dem Titel: «Handbuch der Chemie. Anorganische Chemie », 6. Aufl., 3 Bde., Heidelb. 1871 fg., und „Handbuch der organischen Chemies, 4. Aufl., 5 Bde., Heidelb. 1860—75). Wichtige Beiträge zur organischen Chemie lieferte G. gemeinschaftlich mit Tiedemann in Versuche über die Wege, auf welchen Substanzen aus dem Magen und Darmkanale in das Blut gelangen» (Heidelb. 1820) und «Die Verdauung » (2 Bde., Heidelb. 1826—27). Auch ist noch G.s „Versuch eines neuen chem. Mineralsystemso (Heidelb. 1825) zu nennen. Wilhelm Friedrich G., ein ausgezeichneter Kupferstecher, geboren zu Badenweiler i. Br. am 26. Nov. 1760, starb in Rom 22. Sept. 1820. Seine vielen großen und sorgfältig gearbeiteten Kupferstiche gehören zu dem Gediegensten, was der datern hr hervorgebracht hat, und bloß in einigen spätern Produktionen bemerkt man eine harte und zu starke Betonung einzelner Stellen. Auch lieferte er viele schöne Sepiazeichnungen. Unter anderm erfand er eine Maschine für Kupferstecher. Sein Bruder, Karl Christian G., geb. zu Badenweiler 18. März 1762, bad. Hof⸗ und Medizinalrat, Direktor des botan. Gartens und des Naturalienkabinetts, Professor der Naturgeschichte und der Botanik zu Karlsruhe, wo er 26. Juni 1837 starb, verfaßte die Flora Badensis o (4 Bde., Karlsr. 1805 — 26) und eine «Gemeinnützige Naturgeschichtes (2. Aufl., Mannh. 1839).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 130Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 1

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Heilkunde 6