FeedGrisebach (Aug. Heinr. Rud.)
Sagen & MythenBrockhaus 1882

Grisebach (Aug. Heinr. Rud.), deutscher Naturforscher und Reisender, geb. 17. April 1814 zu Hannover, widmete sich 1832—35 zu Göttingen, 1835— 37 zu Berlin neben mediz. Studien mit besonderer Vorliebe der Botanik. Nachdem er sich Michaelis 1837 zu Göttingen als Privatdocent habilitiert, unternahm er 1839 eine wissenschaftliche Reise durch die Türkei, auf welcher er namentlich Bithynien, Thrazien, Macedonien und Albanien in naturhistor. Beziehung durchforschte. Zu demselben Zwecke bereiste G. 1842 Norwegen und 1850 die Pyrenäen. Schon 1841 wurde er zum außerord. und 1847 um ord. Professor an der Universität ernannt. Im J. 1875 erhielt er die Direktion des botan. Gartens in Göttingen, 1878 den Titel als Geh. Regierungsrat. Er starb zu Göttingen 9. Mai 1879. Als Ergebnisse seiner Reisen und Studien sind außer der Reise durch Rumelien und nach Brussav (2Bde., Gött.1841) und zahlreichen, besonders pflanzengeogr. Abhandlungen zu nennen: «Spicilegium Florae Rumelicaer (2Bde., Braunschw. 1843—45), Genera et species Gentianearumvp (Stuttg. 1839), «über die Bildung des Torfs in den Emsmooreny (Gött. 1846), Die Vegetationslinien des nordwestl. Deutschland» (Gött. 1846), «Die geogr. Verbreitung der Hieracieno (Gött. 1852). Diesen folgten: „Systematische Bemerkungen über die Pflanzensammlungen Philipps und Lechlers im südl. Chile und an der Magellansstraßes (Gött. 1854), Systematische Untersuchungen über die Vegetation der Karaibenv(Gött. 1857),«Erläuterungen ausgewählter Pflanzen des tropischen Amerika (Gött. 1860), „Flora of Britisb Westindian Islandso (2 Bde., Lond. 1859 — 64), «Die geogr. Verbreitung der Pflanzen Westindiens » (Gött. 1865), 4Catalogus plantarum cubensiumo (Lpz. 1866), «Die Vegetation der Erde nach ihrer klimatischen Anordnungo (2Bde., Lpz. 1872), wovon übersetzungen ins Französische und Russische erschienen sind; Plantae Lorentzianae, Bearbeitung argentin. Pflanzeno (Gött. 1874). Zum Gebrauch für akademische Vorlesungen verfaßte er einen Grundriß der systematischen Botaniko (Gött. 1854). G. gab schätzbare Berichter (12 Tle., Berl. 1851—53; fortgesetzt in Behms „Geogr. Vorischrit Bd. 1—6, Gotha 1866 — 76) über die Fortschritte der Pflanzengeographie und botan. Systematik heraus, zweier Disciplinen, um die er sich selbst die größten Verdienste erworben. Auch bearbeitete er den Abschnitt über Pflanzengeographie in der von Bruhns herausgegebenen Biographie A. von Humboldts (3 Bde., Lpz. 1872), so- wie die Pflanzengeographie und Botanik in der berliner Anleitung zu wissenschaftlichen Beobachtungen auf Reisen, welche unter Neumeyers Leitung erschienen ist (Berl. 1874). Nach seinem Tode erschienen«Gesammelte Abhandlungen und kleinere Schriften G Pflanzengeographie » (Lpz. 1880). ein ältester Sohn, Eduard Rudolf G., geb. 9. Okt. 1845 zu Göttingen, trat 1868 in den preuß. Staatsdienst, später in den Reichsdienst und ist seit 1881 kaiserl. deutscher Konsul in Petersburg. G. hat sich zugleich als Schriftsteller bekannt gemacht; er veröffentlichte unter anderm: Die deutsche Litteratur seit 1770. Gesammelte Studieno (Stuttg. 1877) und Kin-kuki-kuan. Neue und alte Novellen der Chinesischen w1001 Nachto (Stuttg. 1880). Auch gab er «Lichtstrahlen aus Lichtenbergs Werkenv (Lpz. 1871) und Blumauers Travestie von Virgils „Aneiso (Lpz. 1872) heraus.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 429Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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