FeedGourgand (Gaspard, Baron)
GeschichteBrockhaus 1882

Gourgand (Gaspard, Baron), franz. Artilleriegeneral hut 14. Sept. 1783 zu Versailles, trat 180² als Unterlieutenant in die Artillerie, nahm an den Feldzügen von 1805, 1806 und 1807 teil wurde bei Austerlitz verwundet und bald nach der Schlacht bei Friedland zum Kapitän befördert. Dann zeichnete er sich 1808 vor Saragossa und im Französisch-Osterreichischen Kriege von 1809 aus und wurde 1811 nach Danzig gesendet, um den Zustand dieses Platzes und seine Stärke für den Fall eines Kriegs mit Rußland zu untersuchen. Infolge seines Berichts nahm ihn der Kaiser unter seine Ordonnanzoffiziere. G., nun beständig in der Umgebung Napoleons, begleitete denselben auch auf dem Feldzuge nach Rußland, wo er bei Smolensk verwundet wurde, der Schlacht an der Moskwa beiwohnte und in Moskau selbst der erste war, der in den Kreml eindrang, dort 5000 Ctr. Pulver entdeckte und dadurch die Sprengung dieses Riesenbaues vereitelte. Dieser Dienst wurde mit dem Baronstitel belohnt. Als erster Ordonnanzoffizier blieb er bei Im Arch während der Feldzüge 1813 und 1814. Ein Bericht G.s über die Verteidigungsfähigkeit Dresdens bestimmte den Kaiser Napoleon, aus Schlesien dorthin zu marschieren, und nach der Schlacht bei Leipzig verzögerte G. die Zerstörung der Unstrutbrücke bei Freiburg bis zum andern Morgen und rettete dadurch die franz. Nachhut (Oudinot) vor der Gefangenschaft. Im J. 1814 rettete er im Nachtgefechte bei Brienne dem Kaiser das Leben. Zum Obersten befördert, wurde G. Anfang März mit zwei Bataillonen der alten Garde und drei Eskadrons entsendet und nahm Rheims, was jedoch wegen der Niederlage von Laon ohne Folgen blieb. Ludwig XVIII. ernannte ihn zum Chef des Generalstabes der Artillerie der 1. Militärdivision. Bei der Rückkehr Napoleons von Elba übernahm er wieder seinen Posten bei diesem, wurde nach der Schlacht bei Ligny zum Generaladjutanten ernannt, kämpfte bei Waterloo und begleitete den Kaiser sodann nach Rochefort, von wo er dessen Brief dem Prinz-Regenten nach England bringen sollte, aber nicht landen durfte. Zuletzt, als Napoleon die Offiziere, die ihn nach St. Helena begleiten durften, auf drei Personen beschränken mußte, war G. einer von diesen. Er lebte mehrere Jahre auf St. Helena, bis ihn Mißverhältnisse G. ag seh on bewogen, Longwood zu verlassen. G. zog sich nach England zurück und veröffentlichte einen Récit de la campagne de 1815 (Par. 1818), welche ihm Wellingtons Gegnerschaft bracht er wurde aus England nach Cuxhaven gebracht. Nach seiner Rücklehr nach Frankreich 1821 gab er mit dem General Montholon die Mémoires de Napoléon à Ste.- Hélènen (S Bde., Par. 1823) heraus. Außerdem schrieb er ein Examen eritiquen der (Histoire de la grande arméen des Generals Séegur (2 Bde., Stuttg. 1828; deutsch, 2Bde., Quedlinb. 1827—28), welche Schrift ein Duell zwischen den beiden Generalen veranlaßte. Nach der Julirevolution 1830 trat er wieder in aktiven Dienst, wurde zum Kommandanten der Artillerie von Paris und Vincennes und 1832 zum Adjutanten des Königs, 1835 zum Generallieutenant befördert; 1840 begleitete er den Prinzen Joinville nach St. Helena und geleitete Napoleons Leiche nach Frankreich, Infolge der Revolution 1848 aus der Liste der disponibeln Generale gestrichen, wurde er nach den Juni-Ereignissen von der 1. Legion der pariser Nationalgarde ieai Obersten und 1849 als Abgeordneter in die egislative Versammlung gewählt. Nachdem ihm der Staatsstreich vom 2. Dez. 1851 alle seine Funktionen geraubt, starb er zu Paris 25. Juli 1852.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 249Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 4

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Geschichte 6