FeedFrossard (Charles Auguste)
GeschichteBrockhaus 1882

Frossard (Charles Auguste), franz. General, geb. zu Versailles 26. Aug. 1807, trat nach Vollendung seiner militärischen Studien an der Polytechnischen Schule zu Paris 1827 in die Genie⸗ und Artillerieschule zu Metz als Unterlieutenant vom Genie ein, wurde 1831 Lieutenant, nahm 1831 und 1832 am Feldzuge in Belgien teil und ging 1833 als Kapitän nach Algerien, wo er im Dez. 1835 während vier Tagen das Fort Clausel gegen zwanzigfach überlegene arab. Streitkräfte verteidigte. Nach Frankreich zurückgekehrt, war F. nacheinander bei zwei Geniegeneralen Adjutant und wurde 1840 beim Baue der Befestigungen von Paris verwendet. Einige Jahre darauf wurde er zum Ordonnanzoffizier Ludwig Philipps ernannt und 1847 zum Major befördert; diese Stellung bekleidete er bis 24. Febr. 1848. Während der Belagerung Roms 1849 wurde er verwundet, verblieb dann als Oberstlieutenant bis Ende 1850 in Rom als Kommandant des Geniekorps, wurde hierauf zweiter Kommandant der Polytechnischen Schule und 1852 Oberst, ging 1853 als Geniedireltor nach der Provinz Oran und Jan. 1855 als Geniekommandeur des 2. Korps zur Orientarmee. Er leitete die Belagerungsarbeiten des rechten Flügels vor Sewastopol (Malakow) von Anfang Februar bis zum Falle des Platzes (8. Sept.) und wurde Mai 1855 General. Während des Winters 1855 — 56 übernahm F. interimistisch die Leitung des gesamten Geniewesens der Orientarmee und ließ die Verteidigungslinien an der Kamieschbucht vollenden. Nach Frankreich zurückgekehrt, war er einige Zeit Mitglied des Befestigungskomitees und dann bis Ende 1858 als Divisionsgeneral Chef des Geniewesens in Algerien. Im ital. Feldzuge 1859 war F. Chef des Geniewesens der Armee, ließ Casale befestigen und wurde zum Großoffizier in der Ehrenlegion und Adjutanten des Kaisers, später zum Gouverneur des kaiserl. Prinzen ernannt. Beim Ausbruch des Deutsch-Französischen Kriegs 1870 erhielt F. den Oberbefehl über das 2. Armeekorps der Rheinarmee und leitete den Krieg 2. Aug. 1870 um 11 Uhr morgens durch den theatralischen Angriff auf Saarbrücken (s. d.) ein, besetzte 4 —— die verschanzte, sehr starke Stellung auf den Höhen von Spicheren (s. d.), wo er 6. Aug. geschlagen wurde. Er führte sein Korps nach Metz zurück, nahm an den drei großen Entscheidungsschlachten 14., 16. und 18. Aug. vor Metz teil, wurde alsdann mit der Rheinarmee im Lager von Metz eingeschlossen und geriet nach der Kapitulation 27. Okt. 1870 in deutsche Gefangenschaft. F. war bis zum Friedensschlusse in Frankfurt a. M. interniert und veröffentlichte später zu seiner Rechtfertigung den Rapport sur les opérations du corps de P'Armée du Rhin dans la eampagne de 1870 (Par. 1871). Diese Schrift reicht nur bis zur Einschließung von Metz, ist jedoch wichtig wegen der vielen taktischen Details über die Schlachten von Spicheren und vor Metz. Im Juni 1871 wurde F. Mitglied des Befestigungskomitees und nahm an den Entwürfen für die neue Landesbefestigung hervorragenden Anteil, ebenso als Mitglied der Küstenverteidigungs⸗-Kommission. Er war seit 28. Jan. 1874 Präsident des Befestigungskomitees und seit Juni 1873 Mitglied des Oberkriegsrats. F. starb 1. Sept. 1875 zu Chäteau-Villain im Depart. Haute-Marne.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 379Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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