Grant (Sir Francis), engl. Maler, Bruder des vorigen, geb. 1803 in Edinburgh, studierte seit 1827 in der Schottischen Akademie zu Edinburgh. In den dreißiger Jahren siedelte er nach London über, stellte seine Bilder in der königl. Kunstakademie aus und wurde 1842 zum Associate, 1851 zum ordentlichen Mitglied der Akademie gewählt. In G.s künstlerischer Thätigkeit lassen sich zwei Perioden unterscheiden. Während der ersten malte er besonders Gruppen von Jägern, Pferden und Hunden, malerische Illustrationen der engl. Parforceiagd, während der zweiten wendete er sich der fashionabeln Porträtmalerei zu. Seine Ausführung ist im ganzen etwas oberflächlich und dünn, aber klar, frisch, leicht und ungezwungen. In den Porträts vornehmer Damen gelang ihm besonders die Grazie der Haltung und Gewandung; von seinen Männerporträts waren die Generale und Sportsmen am besten, während er mit Staatsmännern und Gelehrten weniger Erfolg hatte. Im J. 1866 zum Präsidenten der königl. Akademie ernannt, empfing er bei dieser Gelegenheit den üblichen Ritterschlag. Er starb 5. Okt. 1878. Grant (Ulysses Sidney), amerik. General und 18. Präsident der Vereinigten Staaten, geb. 27. April 1822 in Mount-Pleasant (Clermont-County) im Staate Ohio, trat 1839 in die militärische Akademie von Westpoint und verließ dieselbe 1843 als Lieutenant im 4. Vereinigten-Staaten-Infanterieregiment. G. nahm am mexik. Kriege von Anfang an teil, und zwar zuerst unter General Taylor, wohnte allen Gefechten von Palo-Alto bis zum Sturm von Monterey bei und zog später, mit seinem Regiment dem General Scott zugeteilt, mit diesem in die Hauptstadt ein. Noch wahrend des Kriegs erhielt er wegen tapfern Verhaltens bei Molina del Rey und Chapultepec den Charakter als Kapitän. Ende Juli 1854 chn er jedoch seinen Abschied und ließ sich zunächst in St.⸗Louis in Missouri nieder, wo er eine Zeit lang als Geometer arbeitete. Da er hierbei seine Rechnung nicht fand, übernahm er die Bewirtschaftung einer Farm in der Nähe von St.⸗Louis, gab aber auch diese bald wieder auf und trat 1859 in das Ledergeschäft seines Vaters zu Galena in Illinois. Beim Ausbruch des Bürgerkriegs bot G. dem Gouverneur Mates von Illinois seine Dienste an, fand aber erst 17. Juni 1861 als Oberst des 21. llinoiser Freiwilligenregiments Verwendung. Zunächst diente er in Missouri, ohne zum Zusammenstoß mit einem Feinde zu kommen. Im August wurde er zum Brigadegeneral ernannt und nach Cairo am Zusammenfluß des Ohio mit dem Mississippi geschickt, wo es galt, die zweifelhaften Staaten Kentucky und Tennessee niederzuhalten und womöglich dem Feinde zu nehmen. Er bemächtigte sich sofort des wichtigen Paducah am Einfluß des Tennessee in den Ohio, erlitt jedoch bei Belmont, einer gleichfalls wichtigen Position des Feindes am Mississippi, gegenüber Columbus, eine Niederlage und mußte sich mit Verlust wieder zurückziehen. Dagegen erfolgte aus der Wegnahme von Paducah die Einnahme von Fort Henry am Tennessee (6. Febr. 1862) und Fort Donelson am Cumberland (16. Febr.). G. ward zum Generalmajor in der Freiwilligenarmee ernannt und suchte nun weiter vorzudringen, sah sich aber 6. April 1862 bei Pittsburg-Landing (in dem nordöstlichsten Zipfel des Staates Mississippi) geschlagen, weil er die Ankunft des Generals Buell nicht abgewartet hatte. Erst am folgenden Tage, nachdem er sich mit Buell vereinigt, vermochte er den Feind mit Verlust wieder zurückzutreiben. Halleck übernahm nun den Oberbefehl, ließ indes den Feind bei Corinth entkommen und wurde deshalb wieder abberufen. G. trat jetzt an die Spitze der Westtennessee-Armee, in welcher Stellung er im Sept. und Okt. 1862 die Schlachten bei Huka und Corinth gewann. Sein Departement umfaßte das ganze Mississippigebiet bis Vicksburg, dessen starke Werke den Fluß versperrten und genommen werden mußten, wenn die Bundesregierung die mächtige Verkehrsader wieder ganz in ihre Gewalt bringen wollte. G. nahm den wichtigen Platz 4. Juli 1863. Die Operationen, welche endlich zu diesem Sieg führten, dauerten länger als ein halbes Jahr und bilden durch die Kühnheit ihrer Konzeption und die Beharrlichkeit ihrer Ausführung ein glänzendes Ereignis in der Geschichte des amerik. Bürgerkriegs. Durch den Fall von Vicksburg war der Sezession die Grundstütze Rereinnate G. wurde hum Generalmajor in der Vereinigten-Staaten-Armee ernannt und trat nach der Niederlage Rosecranz' bei Chicamauga (Sept. 1863) an die Spitze der unter dem Namen Mississippi-Departement vereinigten Armeen des Cumberland, Ohio und Kentuckys. Seine Korpskommandanten waren Sherman, Thomas, Hooker und Burnside. G. vertrieb den Feind in den Gefechten vom 23. bis 25. Nov. 1863 aus den Chattanooga beherrschenden Höhenzügen von Missionary-Ridge und Lookout-Mountain und zwang ihn zum Rückzug auf Dalton in Georgia. Dadurch wurde zugleich Burnside in Osttennessee gerettet, den Longstreet in Knorville belagerte; Kentucky und Tennessee waren gesichert und Georgia, sowie der ganze Südosten des Sezessionsgebiets im Rücken bedroht. Kongreß und Präsident erwiesen sich 2. März 1864 dem siegreichen Feldherrn durch Ernennung zum Generallieutenant (soviel wie etwa General der Infanterie) und Oberbefehlshaber aller Armeen dankbar. Sherman trat infolge dessen an G.s Stelle in Georgia; dieser aber übernahm im Frühjahr 1864 das Oberkommando der Potomac-Armee, mit welcher er 3. Mai den Feldzug gegen Richmond eröffnete. Lee, der feindliche General, bestritt jeden Zoll des Bodens, und der im ganzen I1monatliche Feldzug war einer der blutigsten und hartnäckigsten aller Zeiten. Nach den unentschiedenen Schlachten in der Wildnis (5. Mai) und bei Spottsylvania-Courthouse (10. Mai) flankierte G. den Feind und drang 29. Mai über den Pamunkey vor. Am 30. griff Lee wieder an, um die Linie des Chicahominy zu behaupten, richtete aber nichts aus, und G., obgleich einige Tage später (3. Juni) bei Cold-Harbor geschlagen, gelang es, 14. Juni seine Armee über den Jamesfluß zu werfen, Lees Dislocierungsversuche 18. Juni zurückzuschlagen und die Feldoperationen mit der Belagerung von Petersburg und Richmond zu schließen. Erst am 3. April 1865 ergaben sich beide Plätze, und 9. April siel Lee mit den Resten seiner Armee dem Sieger bei Appomatox-Courthouse in Virginien in die Hände, womit der Krieg sein Ende erreicht hatte. Mit dem Frieden nahm G. als Obergeneral aller amerik. Armeen sein Hauptquartier in Washington. Hier wurde ihm 25. Juli 1866 der ausdrücklich für ihn geschaffene Rang eines Generals der Vereinigten-Staaten-Armee (soviel wie Generalissimus) verliehen. Als der Präsident Johnson 12. Aug. 1867 den Kriegsminister Stanton willkürlich seines Amts entsetzte, übernahm G. die provisorische Verwaltung dieses Departements und blieb darin bis zum 14. Jan. 1868, wo Stanton wieder eingesetzt werden mußte, weil der Senat seine Absetzung nicht gebilligt hatte. Der am 20. und 21. Mai 1868 zu Chicago versammelte Nationalkonvent der republikanischen Partei erhob G. für die im Nov. 1868 adenaut den Präsidentenwahl als seinen Kandidaten auf den Schild. In den Urwahlen wurden 5 716082 Stimmen abgegeben, wovon G. eine Majorität von 309684 Stimmen erhielt. Am 4. März 1869 trat G. das Präsidentenamt an und erklärte in seiner Inauguraladresse, daß er zwar über die verschiedensten Punkte politische Maßregeln empfehlen werde, daß er aber niemals seine eigenen polit. Ansichten cgegen den Willen des Volkso durchsetzen wolle. In seiner Botschaft an den Kongreß vom 6. Dez. 1869 empfahl er unter anderm eine Kanalisierung des Isthmus von Darien, Neutralität in der Cubafrage und eine allmähliche Rückkehr zur Barzahlung. Am 5. Jan. 1870 legte G. dem Kongreß eine Botschaft vor, in welcher er die Annexion von San-Domingo dringend anriet. Allein er stieß hierbei nicht nur in der Bundeslegislatur, sondern auch in der Presse und bei dem Volke der Vereinigten Staaten auf den entschiedensten Widerspruch, sodaß er den Plan in der vorgeschlagenen Form zurückziehen und die thatsächliche Untersuchung für seine Ausführung einer vom Kongreß verlangten Kommission überweisen mußte. Wenn der Bericht dieser Kommission auch günstig für die Annexion lautete, so ließ G. doch in seiner Botschaft vom 5. April 1871 die beabsichtigte Maßregel fallen. Zur Schlichtung der Streitfragen zwischen England und den Vereinigten Staaten trat 27. Febr. 1871 eine von beiden Staaten gewählte Kommission zusammen, die 24. Mai desselben Jahres den Vertrag von Washington zu Stande brachte, durch welchen die so lange schwebende Alabamafrage und verschiedene andere Streitigkeiten in friedlicher Weise durch das genfer Schiedsgericht 14. Sept. 1872 gelöst wurden. Die Bestimmung der Grenzen zwischen dem Territorium Washington und der Insel Vancouver, die sog. San-Juanfrage, ward durch den Schiedsspruch des deutschen Kaisers 21. Okt. 1872 zu Gunsten der Union erledigt. Am 5. Juni 1872 von dem republikanischen Konvent in Philadelphia einstimmig für einen zweiten Amtstermin wieder ernannt, wurde G. im Nov. 1872 mit 268 gegen 80 Wahlstimmen oder mit einer Majorität von 762991 Urwahlstimmen gegen seinen Gegner Greeley (s. d.Werwählt und blieb somit acht Jahre im Amte. Sein Nachfolger war Rutherford Birchard Hayes (ss. d.), welcher 5. März 1877 als Präsident inauguriert wurde. Wenn G.s Erfolge in der auswärtigen Politik auch glücklich und bedeutend waren, so gelang es ihm während seiner zweiten Präsidentschaft doch nicht, seinen Einfluß im Innern ungeschmälert aufrecht zu erhalten und namentlich die schroffen Gegensätze zwischen Norden und Süden zu versöhnen. Im Gegenteil war die Wahl einiger seiner ersten Beamten so unglücklich, daß infolge der falschen Maßnahmen G.s und seiner nächsten Ratgeber die republikanische Partei alles Ansehen und allen Einfluß im Lande verlor, und daß durch die von ihnen begangenen Fehler die alte demokratische Partei in der Präsidentenwahl 1876 wieder siegte. G. führte keine der von ihm wiederholt verheißenen Maßregeln weder die Reform des Civildienstes, noch die Beruhigung des Südens, noch die Wiederherstellung der Goldvaluta aus; seine nächste Umgebung oder seine Nepoten und sogar zum Teil seine Minister (Belknap und Robeson) ließen sich die gröbsten Unterschlagungen zu Schulden kommen und diskreditierten dadurch den Präsidenten, dem es seinen Günstlingen gegenüber an Einsicht und Energie gebrach. Daher kam es, daß der Rücktritt des einst so hochverehrten Feldherrn und Besiegers der Rebellion fast vom ganzen Volk mit unverhohlener Freude begrüßt wurde. Nach seinem Rücktritt ins Privatleben 4. März 1877 unternahm G. mehrere Reisen nach Europa und Asien. Bei der Präsidentenwahl von 1880 suchten ihn seine polit. Freunde zum dritten mal als Kandidaten der republikanischen Partei aufzustellen, scheiterten aber an seiner Unpopularität. Im J. 1882 trat G. an die Spitze einer Gesellschaft zum Ausbau der Eisenbahnen und zur Ausbeute der reichen Hilfsquellen von Mexiko. (S. Vereinigte Staaten von Amerika.) Vgl. Report of the operations of the Union army from March 1862 to the close of the rebelliono (Neuyork 1866); Badeau, «Military history of Ulysses Sidney G. (Neuyork 1868); Dana und Wilson, Life of Ulysses Sidney G.o (Springfield 1868); Phelps, „Life and public services of Ulysses Sidney G.„ (Bost. 1873); Jones, „Lincoln, Stanton and G. (Lond. 1875); Larke, General Ulysses Sidney G.y(Neuyork 1879).