Graphische Darstellungen dienen dazu, die ziffermäßigen Ergebnisse der Beobachtung von Thatsachen deiceren zn zu machen, als dies durch Tabellen geschehen kann, und müssen deshalb einfach und nach praktischen Gesichtspunkten angeordnet sein, wenn sie ihre Aufgabe erfüllen sollen. Die graphischen Darstellungen setzen Bilder an die Stelle von Tabellen und stellen statist. Zahlenwerte räumlich dar, sie bieten die Anschauung der beobachteten Thatsachen und gestatten, mit einem Blicke Vergleiche zwischen den einzelnen Beobachtungsergebnissen anzustellen und das Regelmäßige und Unregelmäßige, das Erwartete und das Unerwartete in diesen Ergebnissen scharf zu erkennen. Die raphischen Darstellungen sind deshalb ein vorzügiches Mittel, der Statistik Freunde zu erwerben. Die ersten graphischen Darstellungen finden sich in einem von Donnant in Paris 1802 ins Französische übersetzten Werke von William Playfair: Eléments de statistiques. N diesem Werke werden als Vorzüge der neuen Methode bezeichnet, daß dieselbe das Aneignen statist. Kenntnisse erleichtere und das Gedächtnis im Festhalten der erworbenen Kenntnisse unterstütze. Das menschliche Auge ist zum schnellen und richtigen Vergleichen von Größenverhältnissen besonders gut geeignet; denn es übt sich während des ganzen Lebens fast ununterbrochen in dieser Fertigkeit und erlangt deshalb eine sehr hohe Ausbildung in derselben. Pläyfair drückte die Staatsmacht jedes Landes durch bei Seemächten weiße, bei Binnenstaaten rote Kreisflächen aus, in Bolleng durch die Länge von Linien die Größe der Volkszahl und der Staatseinnahme dargestellt wurde. Derartige graphische Darstellungen nennt man Diagramme im Gegensatze zu den Kartorammen, den sich bei der Anwendung der geogr. Rethode naturgemäß ergebenden graphischen Darstellungen. Es ist nicht zuverlässig bekannt, wer zuerst Kartogramme angewendet hat; doch erwähnt schon Fallati einer zu Dessau im J. 1782 erschienenen Produktenkarte von Europa. Gegenwärtig bedient man sich für graphische Darstellungen der Kartogramme mit Vorliebe, und stellt in denselben meistens statist. Ergebnisse nach Verwaltungsbezirken dar; doch eignet sich diese Methode nicht für alle Zwecke, da die Grenzen dieser Bezirke durchaus nicht immer zusammenfallen mit den Linien, welche gleichartige Zustände abgrenzen. Alle auf Volksdichtigkeit oder andere, von der Naturbeschaffenheit bedingte Verhältnisse bezüglichen graphischen Darstellungen sollten deshalb, 77 man dieselben als Kartogramme geben will, von der Verwaltungseinteilung ganz absehen und dem dargestellten Objekt zweckmäßig angepaßte Formen wählen, was freilich viel praktisches Geschick und Geschmack seitens des Bearbeiters voraussetzt. So lieferte 3. B. Minard höchst charakteristische bige Otraisen der Warenbewegung, bei denen farbige Streifen von verschiedener Breite die Gattung und Menge der auf den verschiedenen Handelsstraßen beförderten Güter ersichtlich machen, und diese Art von Kartogrammen ist bis auf die neueste Zeit für die auf hnliche Obiekte bezüglichen graphischen Darstellungen vielfach verwertet worden, wobei man dann noch die Größe der Jahresproduktion in den einzelnen Produktionsgebieten (3. B. bei Darstellung des Steinkohlenverkehrs, der Bewegung von Stahl⸗ und Eisenwaren u. s. w.) durch die Größe von Kreisen oder Quadraten am Ausgangspunkte der farbigen Streifen ausdrücken und dadurch die Produktion gleichzeitig mit der Konsumtion in sche übersichtlicher Weise darstellen konnte. Graphische Darstellungen werden nicht allein in der Statistik, sondern in vielen andern Wissenschaften benutzt, 3. B. zur anschaulichen Darstellung meteorologischer und sonstiger naturwissenschaftlicher Beobachtungen, geschichtlicher Zeitangaben u. s. w., zu technischen Zwecken sehr mannigfacher Art, z. B. als Eisenbahnfahrpläne, als selbstregistrierende Kontrollapparate u. s. w., zur anschaulichen Vergleichung von Höhen u. dgl., wie dies z. B. auf dem Längenprofil der Karte: übersicht der Alpen in Höhenstufen, Bd. I, S. 457, der Fall ist. Ahnlich stellt man auch verschiedene Bauten (Pyramiden, Türme, Kirchen), Denkmäler u. s. w. nebeneinander, um die Höhenverhältnisse derselben dem Auge sofort anschaulich zu machen. Die Zahl der für Mitteliih Darstellungen zur Verfügung stehenden Mittel ist sehr groß, doch erfordert die Auswahl des dem Darstellungsobjekte am besten angepaßten Mittels einigen Takt und wird durch das Studium guter Muster am ehesten erlernt. Vor allem ist bei graphischen Darstellungen darauf zu achten, daß die Klarheit und leichte Verständlichkeit der Bilder nicht durch die vereinte Darstellung allzu vieler verschiedenartiger Zahlenverhältnisse verloren gehe. Im allgemeinen eignen sich Diagramme besonders zur Darstellung von Verschiedenheiten in der Zeit und Kartogramme zur Darstellung von räumlichen Verschiedenheiten. Kartogramme, welche nur eine einzige Thatsache (z. B. Schulbildung, unc. Anbe Sterblichkeit, Fruchtbarkeit der Bevölkerung, Anbau bestimmter Pflanzen, Stand bestimmter Tierarten u. f. w.) darstellen, sind für jedermann s ogleich verständlich. Derartige Kartogramme sind z. B. die Karten: Geologische Karte von Deutschland,‚, Bd. V, S. 207; Bevölkerungsdichtigkeit im Deutschen Reiche, Bd. V. S. 211: Industriekarte des Deutschen Reichs, Bd. V, S. 213; Ethnographische Karte von Europa, Bd. VI, S. 439; Dichtigkeit der Bevölkerung in Europa, Bd. VI, S. 443. Hierher gehören auch die Physikalischen Karten (wie z. B. — Afrika, Bd. I. S. 189; Amerika, Bd. I, S. 538 und 539; Asien, Bd. II, S. 52; Europa, Bd. VI, S. 437), sowie die Meereskarten mit Tiefenangaben (3. B. die Karte Atlantischer Ocean, Bd. II, 139). Die Zahl der Farben darf keine allzu große sein, da andernfalls die Deutlichkeit des Bildes verloren geht und sich die Druckkosten aus technischen